Kriselnder Immobiliengigant Evergrande räumt Fehlverhalten von Führungskräften ein

Sechs hochrangige Manager des chinesischen Immobilengiganten Evergrande sollen Anlageprodukte des Unternehmens illegalerweise im Voraus eingelöst haben. Der Konzern kündigt strenge Strafen an.
Das China Evergrande Centre in Hong Kong

Das China Evergrande Centre in Hong Kong

Foto: JEROME FAVRE / EPA

Der kriselnde chinesische Immobiliengigant Evergrande hat Fehlverhalten mehrerer hochrangiger Manager eingeräumt. Sechs Führungskräfte hätten Anlageprodukte des Unternehmens illegalerweise im Voraus eingelöst, teile der Konzern am Samstag mit. Die Angelegenheit werde sehr ernst genommen, man werde "strenge Strafen" verhängen, hieß es. Zudem müssten die Manager die eingelösten GElder zurückzuzahlen.

Normalerweise dürfen die firmeneigenen Anlagen erst nach einer bestimmten Haltezeit ausgezahlt werden. Die Manager haben den Angaben zufolge die Investments jedoch entgegen des vorgesehenen Zahlungsplans vorzeitig zu Geld gemacht.

Die Schieflage des mit 300 Milliarden Dollar überschuldeten Konzerns schlägt am Finanzmarkt hohe Wellen. Seit Tagen belasten Spekulationen über eine mögliche Zahlungsunfähigkeit die Märkte in Asien, der Shanghai Composite ging am Freitag erneut mit Verlusten aus dem Handel.

Die Hoffnung auf Staatshilfen für das Unternehmen scheinen zu schwinden. Erstmals erschien am Freitag in staatsnahen "Global Times" ein Kommentar, der ein Eingreifen der Regierung als unwahrscheinlich beschrieb. Ein Evergrande-Bankrott würde das Finanzsystem wohl nicht so aus den Angeln heben, wie einst der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers, hieß es dort in einem Leitartikel .

Der Immobilienriese bemüht sich händeringend, frische Mittel aufzutreiben, um seine zahlreichen Banken, Zulieferer und Anleihegläubiger fristgerecht bezahlen zu können. Ein Durchbruch ist bislang nicht erzielt. Laut Bloomberg  bereitete die Regierung in Peking Mitte der Woche die Banken auf Zinsausfälle vor. Evergrande werde nicht in der Lage sein, die am 20. September fälligen Zinsen zu bedienen, auch Tilgungszahlungen könnten ausfallen.

oho/dpa