Erneut keine Zinszahlung Evergrande schürt die Angst vor einem Flächenbrand

Evergrande bleibt seinen Anleihegläubigern ein weiteres Mal Zinsen schuldig. Beobachter befürchten, dass der Immobilienkoloss Mitte Oktober für insolvent erklärt wird. Fällt Evergrande, könnte das ein Beben auf dem chinesischen Anleihemarkt auslösen.
Abwärts: An chinesischen Anleihemärkten wächst die Sorge vor einer Pleite des Immobilienkolosses Evergrande, die die ohnehin angespannte Lage vieler Immobilienentwickler noch drastisch verschärfen könnte

Abwärts: An chinesischen Anleihemärkten wächst die Sorge vor einer Pleite des Immobilienkolosses Evergrande, die die ohnehin angespannte Lage vieler Immobilienentwickler noch drastisch verschärfen könnte

Foto: ALEX PLAVEVSKI / EPA

Die Angst vor einem Flächenbrand des chinesischen Immobiliensektors ist am Dienstag erneut aufgeflammt, nachdem der Immobilienriese Evergrande seinen Anleihegläubigern ein weiteres Mal keine Zinszahlung geleistet hat: Die Renditen riskanter chinesischer Unternehmensanleihen rückten auf ein Zehnjahreshoch vor, weil viele weitere Bauträger bis zum Jahresende Zahlungen leisten müssen und ungewiss ist, ob es hier ebenfalls zu Ausfällen kommt.

Laut "Financial Times"  verpasste Evergrande am Dienstag wie schon zweimal zuvor eine fällige Zinszahlung: Diesmal waren es laut Aussagen von Anleihegläubigern 148 Millionen Dollar für drei Anleihen. Dass Evergrande nun die für Ende September fällig gewordenen Zinsen noch innerhalb der Nachreichfrist von 30 Tagen zahlen kann, glauben viele Marktbeobachter nicht mehr. Der chinesische Immobilienkonzern ist mit mehr als 300 Milliarden Dollar verschuldet.

Sollte Peking nicht intervenieren und Evergrande nicht mehr auf die Beine kommen, dürfte der chinesische Immobilienkoloss am 19. Oktober formell für zahlungsunfähig erklärt werden, sagen Experten. Sie erwarten im Falle einer Zerschlagung des Konzerns, dass die Gläubiger kaum mehr als ein Fünftel des ursprünglichen Nennwertes der Anleihen erhalten werden.

Die sich ausbreitende Liquiditätskrise eines der größten Baukonzerne Chinas sät zugleich erneut Zweifel an der Stabilität des gesamten chinesischen Immobiliensektors, der für rund ein Viertel der Wirtschaftskraft des Riesenreichs steht. Peking drängt die Bauträger zum Schuldenabbau, wobei viele der Evergrande-Konkurrenten ebenfalls vor einem Zahlungsausfall stehen, heißt es.

So hatte Sinic Holdings am Montagabend erklärt, dass ein Ausfall der in diesem Monat fälligen Anleihen "wahrscheinlich" sei. Das Bauunternehmen verfüge nicht über ausreichend finanzielle Ressourcen. Vergangene Woche war der Luxusentwickler Fantasia, der von einer Nichte des ehemaligen chinesischen Vizepräsidenten Zeng Qinghong gegründet wurde, mit einer Anleihe in Höhe von 206 Millionen Dollar in Verzug geraten. China Modern Land, ein weiterer Bauträger, erklärte am Montag, dass er versuchen werde, die Laufzeit einer 250-Millionen-Dollar-Anleihe um drei Monate zu verlängern. Die 2023 zur Rückzahlung fällige Dollaranleihe von Modern Land stürzte am Dienstag um einer Viertel ab.

2022 werden Immobilien-Anleihen im Wert von 92 Milliarden Dollar fällig

Wie viel für chinesische Anleihegläubiger auf dem Spiel steht, zeigen Zahlen von Refinitiv: So werden im kommenden Jahr allein bei chinesischen Immobilienentwicklern Anleihen im Wert von mindestens 92 Milliarden Dollar fällig. China hat über Jahrzehnte ein rasantes Wachstum seiner Städte erlebt, das einherging mit einer hohen Verschuldung der Unternehmen. Der asiatische Markt für hochverzinsliche Anleihen, auf dem chinesische Bauträger zu den größten Emittenten gehören, wurde in den letzten Tagen von einem panikartigen Handel erschüttert, der die Renditen stark ansteigen ließ.

Evergrande, das mehr als 800 Bauprojekte in etlichen chinesischen Städten betreibt, hatte Ende August die Gläubiger vor einem Zahlungsausfall gewarnt. Damit brachen nicht nur die eigenen Papiere ein, der Ausverkauf der Anleihen griff in der Folge auch auf die Papiere vieler Wettbewerber über, die ebenfalls hoch verschuldet sind.

rei
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