Wankender Immobilienkonzern Sorge um Evergrande - Chinas Notenbank greift ein

Eine drohende Pleite des chinesischen Immobilienriesen Evergrande hält die Finanzmärkte in Atem. Chinas Zentralbank versucht die Nerven zu beruhigen und schießt kurzfristig 14 Milliarden Dollar ins Finanzsystem.
Dominosteine: Werbung für Evergrande-Projekt "Emerald Bay" in Hongkong

Dominosteine: Werbung für Evergrande-Projekt "Emerald Bay" in Hongkong

Foto: JEROME FAVRE / EPA

Die Schieflage des mit 300 Milliarden Dollar überschuldeten chinesischen Immobilienriesen Evergrande schlägt am Finanzmarkt weiter hohe Wellen. Seit Tagen belasten Spekulationen über eine mögliche Zahlungsunfähigkeit die Märkte in Asien, der Shanghai Composite ging am Freitag erneut mit Verlusten aus dem Handel. Titel von Evergrande  brachen um mehr als 13 Prozent ein, sie haben in den vergangenen drei Monaten rund 75 Prozent an Wert verloren. Evergrande Chef Hui Ka Yan steht wegen der hohen Verbindlichkeiten und dem coronabedingten Stopp auf vielen Baustellen mit dem Rücken zur Wand.

Die Hoffnung auf Staatshilfen für das Unternehmen scheinen zu schwinden. Erstmals erschien am Freitag in staatsnahen "Global Times" ein Kommentar, der ein Eingreifen der Regierung als unwahrscheinlich beschrieb. Ein Evergrande-Bankrott würde das Finanzsystem wohl nicht so aus den Angeln heben, wie einst der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers, hieß es dort in einem Leitartikel .

Der Immobilienriese bemüht sich händeringend, frische Mittel aufzutreiben, um seine zahlreichen Banken, Zulieferer und Anleihegläubiger fristgerecht bezahlen zu können. Ein Durchbruch ist bislang nicht erzielt. Laut Bloomberg  bereitete die Regierung in Peking Mitte der Woche die Banken auf Zinsausfälle vor. Evergrande werde nicht in der Lage sein, die am 20. September fälligen Zinsen zu bedienen, auch Tilgungszahlungen könnten ausfallen.

Angst vor Liquiditätsengpass - Zentralbank pumpt 14 Milliarden Dollar ins System

Knapp 90 Milliarden Dollar der Schulden entfallen Experten zufolge allein auf Banken in dem Riesenreich. Nach Informationen der Ratinagentur Fitch hatte zwar ein Stresstest der chinesischen Zentralbank gezeigt, dass die Eigenkapitalquote der rund 4000 Geldinstitue in der Volksrepublik nur geringfügig sinken würde, wenn die Zahl der faulen Darlehen bei Immobilienkonzernen generell steige. Gleichwohl hat die People's Bank of China am Freitag kurzfristig umgerechnet 14 Milliarden Dollar ins Finanzsystem gepumpt - und damit so viel wie seit Februar nicht mehr, wie die Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichtet .

Experten bewerten dies als Zeichen dafür, dass die Behörden fieberhaft versuchten, die Nerven der Märkte zu beruhigen. "Die Vermeidung eines systemischen Liquiditätsengpasses hat für die PBOC absolute Priorität, und sie verfügt über die entsprechenden Mittel", zitiert Bloomberg den Société-Générale-Ökonomen Wei Yao. "Ein Zusammenbruch der Finanzmärkte im Stil von Lehman ist nicht unsere größte Sorge, aber ein längerer und schwerer wirtschaftlicher Rückgang scheint wahrscheinlicher."

Tatsächlich fallen die Sorgen um Evergrande in eine Zeit, in der sich Chinas Konjunktur abkühlt . Zugleich drücken aggressive Bewegungskontrollen, die eingeführt wurden, um den Ausbruch von Covid-19 einzudämmen, die Ausgaben im Einzelhandel und den Reiseverkehr. Erst am Mittwoch hatten chinesische Behörden einen Rückgang der Einzelhandelsumsätze im August sowie ein schwächeres Wachstum der Industrieproduktion und der Anlageinvestitionen vermelden müssen.

rei