Lilium-Rivale Eve Nächste milliardenschwere Flugtaxi-Firma ist nun an der Börse

Mitten im Kurs-Chaos ist mit Eve ein weiteres Flugtaxi-Start-up an die New Yorker Börse gekommen. Gestützt wird es vom Flugzeugbauer Embraer und dem Waffenkonzern BAE Systems. Ein erstaunliches Manöver.
Glöckner von der Wall Street: Eve-Chef André Stein schwingt den Hammer

Glöckner von der Wall Street: Eve-Chef André Stein schwingt den Hammer

Foto: BRENDAN MCDERMID / REUTERS

Nun ist also mit Eve Air Mobility ein weiteres Flugtaxi-Start-up an der New Yorker Börse gelistet. Zur Eröffnungszeremonie an diesem Dienstag durfte Co-CEO André Stein die Morgenglocke läuten, umgeben von reichlich Prominenz. Neben ihm applaudierten mehrere seiner Hauptinvestoren, darunter Francisco Gomez Neto, Chef des brasilianischen Flugzeugbauers Embraer, sowie Gerard De Muro, der Boss des amerikanischen Rüstungskonzerns BAE Systems. "Heute feiern wir einen historischen Meilenstein auf einer Reise, die vor fünf Jahren begonnen hat", jubelte Stein. Der Börsengang versorge Eve mit Wachstumskapital und versetze die Firma in eine gute Position zur Umsetzung der Entwicklungspläne.

Es ist ein Manöver, das aufhorchen lässt. Das Unternehmen folgt einer ganzen Reihe anderer Flugtaxi-Firmen, die im Laufe des vergangenen Jahres an die US-Börse gegangen waren. Darunter Joby Aviation, Archer und das Münchener Start-up Lilium . Sie alle waren mit einer bereits bestehenden leeren Mantelfirma fusioniert und so an die Börse gebracht worden. Nach einem zwischenzeitlichen Hype, in dem sie jeweils mit mehreren Milliarden Dollar bewertet worden waren, sind die Kurse zuletzt allerdings stark eingebrochen. Das deutsche Start-up Volocopter hatte seine Börsenpläne daraufhin abgebrochen . Eve hat nun trotz der aktuell angespannten Stimmung an den Kapitalmärkten einen weiteren Spac-Börsengang gewagt – und wurde in dem Deal mit mehr als zwei Milliarden Dollar bewertet.

Das Unternehmen entwickelt ein viersitziges Flugtaxi, das zunächst mit Pilot fliegen soll. Es soll 2025 die Zulassung der Behörden erhalten und spätestens 2026 in Betrieb gehen. Damit liegt Eve ungefähr in dem Zeitrahmen, den sich die Konkurrenten auch gesetzt haben. Die Versprechen an die Investoren  waren, wie üblich, gigantisch: Eve habe Aufträge für mehr als 1800 Fluggeräte in der Pipeline, die einen Wert von mehr als 5,5 Milliarden Dollar hätten. Bereits 2028 will Eve mehr als 1,8 Milliarden Dollar umsetzen, 2030 dann sogar mehr als 4,5 Milliarden Dollar. Größtes Plus sei die enge Bindung an den Flugzeugbauer Embraer, der vor allem kleinere Jets und Privatflieger herstellt.

Gegründet 2017, ist Eve aus dem Start-up-Labor von Embraer hervorgegangen. Die Brasilianer bleiben auch künftig mit rund 80 Prozent größter Anteilseigner und Hauptinvestor von Eve. Bereits am Freitag hatten die Aktionäre der Mantelfirma Zanite zugestimmt, mit dem Start-up zu verschmelzen.

Der Börsengang bringt Eve-Chef Stein mindestens 357 Millionen Dollar frisches Kapital. Im Rahmen eines sogenannten Pipe-Investments hatten etliche Investoren diese Summe fest zugesagt. Das meiste, nämlich 185 Millionen Dollar, steuert Großaktionär Embraer bei. Ein Konsortium verschiedener Konzerne, darunter der Rüstungsriese BAE Systems, Thales oder Rolls-Royce sind mit insgesamt 147 Millionen Euro dabei; die Zanite-Eigner bringen die restlichen 25 Millionen auf.

Wie viel Kapital Eve darüber hinaus erhält, ist noch unklar. Insgesamt verfügte die Mantelfirma Zanite über 237 Millionen Dollar Barmittel. Ein mehr oder weniger großer Teil davon muss aber den Zanite-Investoren zurückgezahlt werden, denen der Eve-Deal zu heikel war. Bei den Spac-Börsengängen von Joby und Lilium lag die Zurückweisungsquote bei rund 65 Prozent. Beim Börsengang von Vertical Aerospace zuletzt sogar bei 95 Prozent.

lhy