Psychologie Sich selbst bestätigen

Der Euro leidet unter einer "gefühlten Inflation". Forscher sind sich sicher, dass der "Teuro" größtenteils eine reine Kopfgeburt der deutschen Bevölkerung ist.

Hamburg/München/Wiesbaden - Die ersten lauen Sommerabende des Jahres haben einen klaren Verlierer: den Euro. Denn egal wo man hinhört, fast jeder gastronomische Kurztrip zum Italiener, Portugiesen oder Mexikaner um die Ecke endet mit der Verurteilung des Euros zum "Teuro". "Das kann sich ja keiner mit einem normalen Einkommen mehr leisten", lautet bei vielen Gästen das ernüchternde Fazit, nachdem der Magen gefüllt und das Portemonnaie geleert wurde.

Alles falsch, wenn man Wissenschaftlern der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität und der Technischen Universität Dresden glauben darf. Nach einer Reihe von Experimenten kommen die Forscher nämlich zum Ergebnis, dass es sich beim "Teuro" - in 2002 übrigens zum Wort des Jahres gekürt - größtenteils um das psychologische Phänomen einer "gefühlten Inflation" handelt.

In einem Artikel für die vom Bundesverband deutscher Banken herausgegebene Zeitschrift "Die Bank" schildern die Professoren Dieter Frey und Stefan Schulz-Hardt zusammen mit den wissenschaftlichen Mitarbeitern Eva Traut-Mattausch und Tobias Greitemeyer zum Beispiel eine Versuchsreihe mit identischen Speisekarten, die entweder die Preise in Mark oder in Euro auszeichnen. Erstaunliches Ergebnis: Obwohl die Preise ganz korrekt umgerechnet wurden, nahmen die Probanden bei der Euro-Speisekarte eine Preissteigerung von sieben Prozent wahr.

Preise für Güter des täglichen Gebrauchs sind gestiegen

Die Wissenschaftler begründen solch ein Ergebnis mit auch schon in anderen Forschungsbereichen beobachteten Selbstbestätigungstendenzen. So ergaben die Versuche in München, dass die Überschätzung von Preisveränderungen mit den erwarteten Preiserhöhungen der Befragten korrespondierte.

Diese Erwartungen wiederum rührten daher, dass vor allem die Preise für Güter des täglichen Gebrauchs angestiegen seien, während Produkte, die nur selten gekauft oder unbar bezahlt werden, sich nicht verteuert hätten oder sogar billiger geworden seien.

Im Mai betrug die Teuerungsrate 0,7 Prozent

Auch wenn die Zusammensetzung des statistischen Warenkorbs natürlich immer diskutiert werden kann, scheint die Deutsche Bundesbank den oben genannten Ergebnissen recht zu geben. Bundesbankpräsident Ernst Welteke erwartet in diesem Jahr in Deutschland eine durchschnittliche Inflationsrate von unter einem Prozent.

Rückläufige Heizöl- und Benzinpreise hatten nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Mai 2003 die jährliche Teuerungsrate in Deutschland auf 0,7 (April: 1,0) Prozent gedrückt. Von April auf Mai gingen die Verbraucherpreise um 0,2 Prozent zurück, teilte die Behörde am Mittwoch in Wiesbaden mit.

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