Eldorado Europa Die Topstandorte für Hochtechnologie

Die Republik Irland ist für Hightech-Unternehmen der attraktivste Standort Europas. Bei den Rahmendaten schlägt der Inselstaat sogar den besten EU-Neuling. Deutschland dagegen, so das Ergebnis einer exklusiven Studie des manager magazins, muss sich selbst Österreich geschlagen geben.
Von Henner Lüttich und Jörn Sucher

Hamburg - Von den 20 Regionen Europas, die am besten für Investitionen im Hochtechnologiebereich geeignet sind, liegen die ersten acht in Irland. Das zeigen die Ergebnisse einer Untersuchung, in der das manager magazin den neuen großen EU-Binnenmarkt analysieren ließ. Mehr als 1200 Regionen in 25 Ländern durchleuchtete der Standortberater Henner Lüttich, der die Studie für manager magazin erstellt hat.

Die Dominanz Irlands hängt auch mit der überschaubaren Größe des Landes zusammen, bei der sich innerirische Unterschiede nur schwer zeigen lassen. Dennoch: Die grüne Insel ist Europas Hightech-Standort Nummer eins.

In den besten irischen Regionen beläuft sich die Produktivität (Bruttowertschöpfung in Euro pro Jahr je Beschäftigtem) im verarbeitenden Gewerbe auf knapp 113.000 Euro. Damit liegt das Land nahe an dem EU-Spitzenwert von 122.000 Euro.

Nimmt man die deutlich unter den Höchstwerten liegenden Arbeitnehmerentgelte hinzu, ergibt sich ein sehr günstiges Verhältnis: Ein Ire, der in einem Hightech-Unternehmen tätig ist, erwirtschaftet an den besten Standorten der Republik das 3,5fache seines Arbeitnehmerentgelts. In Deutschland liegt der Vergleichswert je Arbeitnehmer beim 1,4fachen des Arbeitnehmerentgelts.

Hochtechnologie: Die 20 besten Regionen Europas
Rang Land Region Arbeit-
nehmer-
entgelte1
Produk-
tivität2
Arbeits-
stunden3
Unter-
nehmens-
steuern4
Beschäf-
tigten-
anteil5
1 Irland Mid-East 2707 112913 1880 12,5 0,0788
2 Irland Dublin 2707 112913 1880 12,5 0,0788
3 Irland South-East 2707 112913 1880 12,5 0,0788
4 Irland Mid-West 2707 112913 1880 12,5 0,0788
5 Irland South-West 2707 112913 1880 12,5 0,0788
6 Irland Border 2179 57253 1880 12,5 0,0806
7 Irland West 2179 57253 1880 12,5 0,0806
8 Irland Midland 2179 57253 1880 12,5 0,0806
9 Estland Põhja-Eesti 369 14552 1773 0 0,0941
10 Estland Kesk-Eesti 369 14552 1773 0 0,0941
11 Österreich Rheintal-Bodensee-
gebiet
2748 54559 1750 25 0,1299
12 Österreich Linz-Wels 2857 62155 1750 25 0,1180
13 Österreich Steyr-Kirchdorf 2857 62155 1750 25 0,1180
14 Groß-
britannien
Halton and Warrington 3329 81295 1872 30 0,0898
15 Ungarn Fejer 622 28885 1751 18 0,1281
16 Estland Kirde-Eesti 369 14552 1773 0 0,0941
17 Ungarn Veszprem 622 28885 1751 18 0,1281
18 Österreich Salzburg und Umgebung 2725 60833 1750 25 0,0789
19 Österreich Graz 2758 58599 1750 25 0,0928
20 Groß-
britannien
West Cumbria 3329 122431 1872 30 0,0523
Durchschnittswerte jeweils für Beschäftigte im Bereich Hochtechnologie:
1 in Euro pro Monat; 2 Bruttowertschöpfung in Euro pro Jahr; 3 pro Jahr.
4 in Prozent. 5 Bevölkerungsanteil der Beschäftigten im Hightech-Bereich.
Die angegebenen Kriterien sind nur eine Auswahl des gesamten Katalogs. Weitere Informationen zu Standortstudie und Methode finden Sie hier.
Quelle: Contor GmbH.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Arbeitszeit: Die Zahl der in der Hochtechnologie geleisteten Arbeitsstunden beträgt in Irland im Jahresdurchschnitt 1880 Stunden und liegt damit deutlich über den Werten der Konkurrenz in den anderen europäischen Top-20-Regionen. Die irischen Unternehmenssteuern sind mit 12,5 Prozent nach Estland die zweitgünstigsten in ganz Europa. Hierbei ergeben sich zumindest in Bezug auf die anderen alten EU-Länder sehr große Vorteile.

Die Korruption in Irland liegt im Bereich der meisten alten EU-Länder. Und die Verkehrsinfrastruktur unterscheidet sich nicht von jener der besten Regionen Europas. Zwar wirkt sich die Insellage nachteilig aus. Die Spitzenregionen Mid-East und Dublin gleichen diesen Malus jedoch durch einen internationalen Flughafen aus.

Auch Österreich schlägt Deutschland

Auch Österreich schlägt Deutschland

Die Unternehmenssteueroase Estland liegt ebenfalls im oberen Bereich des Rankings. Der Baltenstaat profitiert im Hightech-Bereich einmal mehr von niedrigen Abgaben, nachdem dieser Faktor bereits in den Bereichen klassische Industrie und einfache Dienstleistung für Spitzenplatzierungen sorgte.

Die estnischen Unternehmenssteuern betragen null Prozent. Dies liegt daran, dass in Estland nur ausgeschüttete Gewinne besteuert werden - ein Umstand, der gerade beim Aufbau eines Unternehmens hilfreich sein kann. Zudem profitiert Estland von niedrigen Arbeitsentgelten (369 Euro monatlich) und der hohen Zahl jährlich geleisteter Arbeitsstunden pro Beschäftigtem (1773).

Hochtechnologie: Die besten Regionen
in Westdeutschland und in Ostdeutschland
Rang Land Region Arbeit-
nehmer-
entgelte1
Produk-
tivität2
Arbeits-
stunden3
Unter-
nehmens-
steuern4
Beschäf-
tigten-
anteil5
443 Westdt. Bremen 3726 62350 1586 38,7 0,1063
471 Westdt. Ostalbkreis 3469 52364 1586 38,7 k.A.
491 Westdt. Esslingen 3469 52364 1586 38,7 k.A.
594 Ostdt. Merseburg-
Querfurt
2294 37155 1586 38,7 k.A.
610 Ostdt. Magdeburg 2294 37155 1586 38,7 k.A.
660 Ostdt. Stendal 2294 37155 1586 38,7 k.A.
Durchschnittswerte jeweils für Beschäftigte im Bereich Hochtechnologie:
1 in Euro pro Monat; 2 Bruttowertschöpfung in Euro pro Jahr; 3 pro Jahr.
4 in Prozent. 5 Bevölkerungsanteil der Beschäftigten im Hightech-Bereich.
Die angegebenen Kriterien sind nur eine Auswahl des gesamten Katalogs. Weitere Informationen zu Standortstudie und Methode finden Sie hier.
Quelle: Contor GmbH.

Überdurchschnittlich gut schneidet auch Österreich ab. Die fünf besten Hightech-Regionen der Alpenrepublik finden sich im Standortranking auf den Plätzen 11, 12, 13, 18 und 19. Die Arbeitnehmerentgelte liegen nur unwesentlich über den Werten der besten Regionen Irlands. Mit einer Produktivität von bis zu 61.000 Euro (Salzburg) liegt Österreich zudem in der gesamteuropäischen Spitzengruppe. Bei der Arbeitszeit (1750 Stunden) erreicht das Land Werte, die mit denen Estlands oder Ungarns vergleichbar sind.

Die Standortbedingungen für Hightech-Unternehmen in Deutschland wirken dagegen bescheiden. Die Bundesrepublik zeigt bei den entscheidenden Kostenvariablen große Nachteile gegenüber den 20 besten Regionen Europas, ohne diese durch Vorteile auf anderen Gebieten wettmachen zu können.

Betrachtet man den Standortfaktor der Gesamtarbeitskostenbelastung, der sich aus den Variablen Arbeitnehmerentgelte, Produktivität und Arbeitsstunden zusammensetzt, zeigen sich die Unterschiede besonders deutlich, was bei getrennter Betrachtung dieser Variablen längst nicht so augenfällig wird.

Erst die gemeinsame Betrachtung von Arbeitnehmerentgelt und Produktivität macht deutlich, dass in Deutschland je Arbeitnehmer lediglich das 1,4fache des Arbeitnehmerentgelts an Bruttowertschöpfung erwirtschaftet wird. Die europäische Spitzengruppe erreicht Werte zwischen dem 1,7fachen und 3,5fachen.

Vorzüge und Nachteile im Überblick

Autobahnen und Unis reichen nicht

Wie schon in den Bereichen klassische Industrie und einfache Dienstleistung hat Deutschland die geringste Zahl an Arbeitsstunden, die knapp 300 Stunden unter den Höchstwerten von Irland liegen. Zudem lasten hier zu Lande die höchsten Steuern Europas auf den Unternehmen.

Hochtechnologie: Profile der Topregionen
  Profil der EU-Topregionen Profil der dt. Topregionen  
+ Sehr hohe Produktivität (Irland: 113.000 Euro jährlich pro Kopf), moderate Gehälter (2700 Euro monatlich), lange Jahresarbeitszeiten (1880 Stunden) Reservoir an Fachkräften, viele technische Unis +
+ Reservoir an Fachkräften (technische Unis vor Ort) Sehr gute Ausstattung mit Verkehrsinfrastruktur +
+ Gute Voraussetzungen für langfristiges Wachstum (hohe Geburtenrate, hohe Systemeffizienz) Kriminalität und Korruption im westeuropäischen Durchschnitt ±
+ Niedrige Unternehmenssteuern (Irland: 12,5 Prozent) Mäßige Voraussetzungen für langfristiges Wachstum (niedrige Geburtenraten) -
± Mäßige Dichte an Verkehrsinfrastruktur Hohe Lohnkosten (Bremen: 3726 Euro monatlich), moderate im Osten (Merseburg: 2294 Euro) bei mäßiger Produktivität (Bremen: 62.350 Euro jährlich pro Kopf; Merseburg: 37.155 Euro) und kurzen Arbeitszeiten (1586 Stunden) -
± Kriminalität und Korruption im westeuropäischen Durchschnitt Höchste Unternehmenssteuern in der EU -

Deutschland besitzt auch keine Vorteile, was die Nähe zu Forschungs- und Entwicklungsinstituten betrifft; für die Hightech-Branche ein entscheidender Faktor, der den Zugang zu geeigneten Nachwuchskräften erleichtert. Innerhalb der europäischen Top 20 findet sich nur eine einzige Region Estlands, die keine technische Fakultät beheimatet.

Die Vorteile Deutschlands in den Bereichen Verkehrsinfrastruktur und Kriminalität reichen nicht aus, um die gravierenden Nachteile zu kompensieren. Dies erklärt, warum 442 europäische Regionen in der Rangfolge vor Deutschlands bestem Standort für Hochtechnologie zu finden sind.

Bester deutscher Standort für Hochtechnologie ist die Hansestadt Bremen auf Rang 443. Auf Platz 471 folgt der Ostalbkreis, auf Rang 471 der Landkreis Esslingen. Beide Letztgenannten konnten im innerdeutschen Vergleich schon als Standorte für Unternehmen der klassischen Industrie gut abschneiden.

Bester Standort für Hightech in den neuen Bundesländern ist der Landkreis Merseburg-Querfurt auf Rang 594 vor der Stadt Magdeburg auf Platz 610 und dem Landkreis Stendal auf Position 660. Der innerdeutsche Vergleich zeigt, dass die drei besten westdeutschen Standorte für Hochtechnologie vor den drei besten ostdeutschen Regionen liegen.

Methode: Wie das EU-Standortranking ermittelt wurde


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