Eldorado Europa Die Methode

Der EU-Standortanalyse von manager magazin liegt ein komplexes Verfahren zu Grunde. Zahlreiche Faktoren, Determinanten und Variable bestimmen das Ranking. Hier die Methode hinter der Untersuchung.

Zweck der Analyse ist es, Standortvorlieben für typisierte Unternehmen aus den Bereichen klassische Industrie, einfache Dienstleistungen und Hochtechnologie zu ermitteln. Gleichzeitig soll die Position Deutschlands im Vergleich mit den besten Regionen im Europa der 25 bestimmt werden. Zum Dritten geht es um eine Gegenüberstellung der alten und der neuen Bundesländer. Daher wurden West- und Ostdeutschland getrennt erfasst.

In die Analyse einbezogen wurden 1207 Regionen in den alten EU-Ländern und in jenen Staaten, die am 1. Mai der Europäischen Union (EU) beitreten. Hiervon ausgenommen sind lediglich die südlichen EU-Neulinge Malta und Zypern. Die Standortsuche wird auf regionaler Ebene durchgeführt. Diese Regionen entsprechen in Deutschland beispielsweise den Landkreisen und den kreisfreien Städten.

Grundsätzlich gilt: Das typische Industrie-, Dienstleistungs- oder Hochtechnologieunternehmen gibt es in der Realität nicht. Jedes Unternehmen stellt seine eigenen Anforderungen an einen Standort, diese Ansprüche hängen nicht nur von der Branchenzugehörigkeit ab. Die Analyse kann daher nur verallgemeinerte Aussagen über die Vorlieben bei der Standortwahl treffen und der Analyse zu Grunde legen.

Dabei wurden zunächst die für Unternehmen relevanten Standortfaktoren, Determinanten und Variablen zusammengestellt. Hinter den Standortfaktoren stehen in der Regel mehrere Determinanten, die den Standortfaktor weiter eingrenzen, und hinter den Determinanten steht wiederum eine Mehrzahl von Variablen, deren Ausprägungen letztendlich in die Ergebnisse der Analyse einfließen. So enthält zum Beispiel der Standortfaktor "Arbeitskräfte" unter anderem die Determinante "Arbeitskräfte nach Geschlecht", die von den Variablen "männliche Arbeitskräfte" beziehungsweise "weibliche Arbeitskräfte" bestimmt wird.

Aus dem System von Standortfaktoren, -determinanten und -variablen werden die für das Unternehmen relevanten Bereiche herausgesucht. Die Ausprägungen der relevanten Standortvariablen sämtlicher Regionen der EU-Länder gehen dann in die Analyse ein. Mögliche Standortfaktoren sind unter anderem Arbeitskostenbelastung, Produktivität, Unternehmensbesteuerung, Verkehrsanbindung, diverse Produktionskosten, Arbeitskräftemarkt und regionale Attraktivität.

Zudem gibt es Unterschiede bei der Gewichtung, je nachdem, ob die Analyse für ein Industrie-, Dienstleistungs- oder Hochtechnologieunternehmen gilt. Für klassische Industrien gewinnt zum Beispiel der Faktor Energiekosten an Bedeutung und wird im Gesamtrang der Standorte stärker gewichtet. Für Dienstleistungsunternehmen, dies können zum Beispiel Call-Center sein, besitzen die Telekommunikationskosten eine höhere Bedeutung. Und im Hochtechnologiesektor ist die Nähe zu einer technischen Universität ein wichtiger Faktor.

Gewichtung der Standortfaktoren

Gewichtung der Standortfaktoren

Folgendes Rechenmuster legte Lüttich für Standortfaktoren und -variablen fest - im folgenden Beispiel gewichtet nach den Anforderungen, die ein typisierter klassischer Industriebetrieb an einen Standort stellt:

1. Gesamtarbeitskostenbelastung: Gewicht 25%, davon wiederum:
1.1. Arbeitnehmerentgelte in der Industrie: Gewicht 40%
1.2. Produktivität in der Industrie: Gewicht 40%
1.3. Arbeitszeit in der Industrie: Gewicht 20%
2. Unternehmenssteuern: Gewicht 20%
3. Verkehr: Gewicht 15%, davon wiederum:
3.1. Autobahnnähe: Gewicht 33,3%
3.2. Flughafennähe: Gewicht 33,3%
3.3. Bahnanschluss: Gewicht 33,3%
4. Diverse Kostenbereiche: Gewicht 15%, davon wiederum:
4.1. Gaspreise: Gewicht 50%
4.2. Strompreise: Gewicht 50%
5. Arbeitskräfte: Gewicht 12,5%, davon wiederum:
5.1. Beschäftigte in der Industrie: Gewicht 56%
5.2. Arbeitslosenquote: Gewicht 44%
6. Regionale Attraktivität: Gewicht 12,5%, davon wiederum:
6.1. Kriminalität: Gewicht 50%
6.2. Korruption: Gewicht 50%

Aus den Ausprägungen der vorstehenden Standortfaktoren sämtlicher Regionen der EU-Länder 2004, mit den genannten Gewichten versehen, errechnete die von Lüttich entwickelte Software die Rangfolge der EU-Regionen für klassische Industrieunternehmen.

Der mit 25 Prozent am höchsten gewichtete Standortfaktor ist die "Gesamtarbeitskostenbelastung". Sie setzt sich aus den Faktoren "Arbeitnehmerentgelte", "Produktivität" und "Arbeitsstunden" zusammen. Mit jeweils 12,5 Prozent wurden die Standortfaktoren "Arbeitskräfte" und "regionale Attraktivität" gewichtet.

Definition der Standortfaktoren

Die Standortfaktoren definierte Lüttich wie folgt. Sie sind hier wiederum dargestellt am Beispiel eines typisierten klassischen Industrieunternehmens:

1.1. Arbeitnehmerentgelte: Entspricht dem durchschnittlichen Bruttomonatseinkommen je Beschäftigtem in Euro zuzüglich der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung.

1.2. Produktivität: Ausgedrückt als die mit den Kaufkraftparitäten der Länder gewichtete Bruttowertschöpfung. Sie ist angegeben in Euro pro Jahr je Beschäftigtem.

1.3. Arbeitsstunden: Durchschnittliche Zahl der geleisteten Arbeitsstunden von Vollzeitbeschäftigten pro Jahr in Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern.

2. Unternehmenssteuern: Steuern auf Gewinne der Unternehmen, dies sind zum Beispiel in Deutschland die Körperschaft- und die Gewerbesteuer, nicht aber Steuern auf Dividenden, Ausschüttungen und vergleichbare Erträge. Basis der Daten sind Länderdaten. Unterschiede, die sich auf kleinräumiger regionaler Ebene ergeben, zum Beispiel durch unterschiedliche Gewerbesteuerhöhe in Deutschland, wurden nicht berücksichtigt, sondern mit Mittelwerten angesetzt. Es wurden nominale Steuersätze verwendet. Unterschiede in den Bemessungsgrundlagen, den Steuersystemen und so weiter wurden nicht berücksichtigt. Über die effektive Steuerbelastung des Unternehmens kann deshalb keine Aussage getroffen werden. Diese Variable ist jedoch ein gutes Indiz für die Unternehmenssteuerbelastung in den Ländern.

3.1. Autobahnnähe, 3.2. Flughafennähe, 3.3. Bahnanschluss: Entfernung in Kilometern zum geografischen Mittelpunkt der nächsten Region mit Autobahnanschluss, internationalem Flughafen (regelmäßig Ein- und Ausreisen mit sämtlichen Formalitäten wie zum Beispiel Zollabfertigung) beziehungsweise Bahnanschluss.

4.1. Strompreise: In Euro ohne Steuern pro Kilowattstunde (kWh) für industrielle Nutzer mit einem angenommenen Jahresverbrauch von 2000 Megawattstunden (MWh) bei einer Höchstabnahme von 500 Kilowatt (kW) und einer jährlichen Nutzungszeit von 4000 Stunden.

4.2. Gaspreise: In Euro ohne Steuern pro Gigajoule (GJ) für industrielle Nutzer mit einem angenommenen Jahresverbrauch von 41.860 GJ und einer jährlichen Nutzungszeit von 1600 Stunden.

5.1. Beschäftigtenanteil: Bevölkerungsanteil der Beschäftigten im Bereich Industrie in der jeweiligen Region.

5.2. Arbeitslosenzahl: Absolute Zahl der Arbeitslosen in der Region, entnommen aus der amtlichen Statistik jeder Region.

6.1. Kriminalität: Prozentsatz der Befragten, der im Befragungszeitraum oder im Jahr zuvor Opfer einer kriminellen Tat geworden ist. Hierbei fließen Befragungen mehrerer Befragungszeiträume ein. Für die Beitrittsländer lagen Kriminalitätsdaten der Hauptstädte vor, in den alten EU-Ländern landesweite Daten. Ein Vergleich der landesweiten Daten mit Großstadtdaten ergab Differenzen bis zu 30 Prozent. Aus diesem Grund wurden die Daten der Länder, für die lediglich Großstadtdaten vorliegen, um 20 Prozent reduziert.

6.2. Korruption: Die Daten entstammen, dem Korruptionswahrnehmungsindex 2002 (Corruption Perceptions Index) von Transparency International. Sie basieren auf Befragungen von Länderanalysten und Geschäftsleuten der Jahre 2000 bis 2002 zur Korruption in den Ländern. Es konnten Werte auf einer Skala von 0 bis 10 vergeben werden. "0" bedeutet "äußerst korrupt" und "10" bedeutet "nicht korrupt".

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