Dienstag, 18. Juni 2019

Grenzgebiet "Immer mehr Geld verdienen"

250 Kilometer gemeinsame Grenze mit Polen - in Brandenburg konzentrieren sich alle Chancen und Risiken der EU-Erweiterung wie unter einem Brennglas. Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns erklärt im Gespräch mit manager-magazin.de, wie er gemeinsam mit dem Nachbarn boomen will.

mm.de:

Herr Junghanns, Sie haben kürzlich von einer gemeinsamen Wirtschaftsregion Brandenburgs mit Polen gesprochen. Was von dieser Ankündigung ist konkreter Plan, was ist Sonntagsrede?

Ulrich Junghanns (47) ist gelernter Pferdewirt und Diplom-Staatswissenschaftler. Für die CDU saß er bis 1998 im Bundestag, verzichtete aber auf eine weitere Kandidatur, um sich mit dem Telematik-Unternehmen Greenway selbstständig zu machen. 2002 trat er die Nachfolge von Wolfgang Fürniß als Brandenburger Wirtschaftsminister an, der wegen umstrittener Finanzbeziehungen ausgeschieden war. Junghanns lebt in Frankfurt/Oder.
Junghanns: Wir wollen die Gebiete um die Grenze als so genannte Twinning-Region etablieren. Das bedeutet: Wir - Polen und Deutsche - wollen gemeinsam dafür werben, Investitionen anzusiedeln, die an vorhandene Ressourcen und Kompetenzen beider Länder anknüpfen. Dabei sollen die unterschiedlichen Stärken gezielt genutzt werden.

mm.de: Zum Beispiel?

Junghanns: Beispielsweise, wenn Unternehmen das Logistikangebot in Frankfurt/Oder für den Verkehr nach Osteuropa wahrnehmen und dabei auf deutsche wie polnische Arbeitskräfte zurückgreifen; oder wenn Investoren in Schwedt die Erfahrung in der Papierherstellung nutzen und mit der Energieerzeugung jenseits der Oder verbinden; oder wenn deutsche Firmen zusammen mit Partnern vor Ort die Infrastruktur für die polnische Gasversorgung mit aufbauen. Das ist keine Sonntagsrede, sondern ernste Absicht. Was allerdings daraus wird, muss sich in den kommenden Monaten zeigen.

mm.de: Wovon hängt das ab?

Junghanns: Wir unterstützen in diesem Raum, nicht zuletzt mit gezielter Förderung, technologische Entwicklungen, die bereits vorhanden sind. Es wird zu klären sein, wie auch auf polnischer Seite ähnliche Förderprogramme auf die gemeinsame Region fokussiert werden. Das ist die Nagelprobe, die unsere Zusammenarbeit in den nächsten Monaten zu bestehen hat.

mm.de: Vergangene Woche waren Sie im Bezirk Lubuskie. Wen haben Sie da auf die Nagelprobe vorbereitet?

Junghanns: Wir haben den Marschall des Bezirks, Andrzej Bochenski, getroffen und seinen Stab der Wirtschaftsförderer. Wir haben die Richtlinien für betriebliche und technologische Förderung abgestimmt. Außerdem haben wir uns darauf verständigt, in öffentlichen Ausschreibungsverfahren, die mit EU-Mitteln finanziert werden, einen Informationsaustausch über die Grenze hinweg einzurichten.

© manager magazin 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung