Polen Handelspartner Nummer eins

Die deutsch-polnischen Wirtschaftsbeziehungen sind dicht und vielfältig. Dies ergibt sich aus der Nachbarschaftslage, aber auch aus der Tatsache, dass Polen die größte Marktwirtschaft der EU-Beitrittsländer ist und damit eine Schlüsselposition in Mittel- und Osteuropa einnimmt.

Unmittelbar vor dem EU-Beitritt hält eine handfeste Regierungskrise Polen in Atem. Ende März kündigte Regierungschef Leszek Miller seinen Rücktritt für den 2. Mai an. Miller war in jüngster Vergangenheit nach einer Reihe von Bestechungsskandalen, wegen einer Arbeitslosenquote von rund 20 Prozent und einer stockenden Gesundheitsreform sowohl in seiner Partei als auch bei den Bürgern massiv in die Kritik geraten.

In ihrem Fortschrittsbericht indes hat die EU-Kommission Polen insgesamt eine solide Vorbereitung auf den EU-Beitritt bescheinigt - mit einigen Abstrichen. So gilt die gesamtwirtschaftliche Lage als stabil. Grund: Die verstärkte Nachfragen aus dem Ausland. Bei der Umstrukturierung von Schwerindustrie, Energieversorgung und Landwirtschaft sind jedoch bislang nur minimale Fortschritte erkennbar. Zudem müssen Korruption und Geldwäsche weiter bekämpft werden.

Vernichtend fällt das EU-Urteil indes vor allem im landwirtschaftlichen Bereich aus. Dort liegt Polen noch weit hinter den EU-Richtlinien. Mangelhafte Erzeugniskontrolle und ungenügende Verwaltungssysteme fallen hier auf. Als problematisch wird auch die Anerkennung von Berufsnachweisen eingeschätzt. Eine europaweite Akzeptanz wäre in vielen Fällen nur in Verbindung mit Weiterbildungsmaßnahmen möglich.

Dabei ist Polen mit der Tschechischen Republik der bedeutendste Handelspartner der Bundesrepublik in Mittel- und Osteuropa. Umgekehrt ist Deutschland mit beträchtlichem Abstand zu Italien und Frankreich der wichtigste Handelspartner Polens, auf den rund ein Drittel des polnischen Außenhandels entfällt. Das deutsch-polnische Handelsvolumen hat sich in den vergangenen Jahren sehr dynamisch entwickelt.

In der polnischen Industrie haben neben Lebensmittelerzeugung und Energieversorgung nach wie vor Bergbau und Hüttenindustrie eine sehr starke Stellung, gefolgt von Maschinen und elektrischen Geräten, Automobilbau sowie Textilien und Bekleidung.

Daten und Fakten

Geografie und Bevölkerung:
Fläche: 312.683 Quadratkilometer
Einwohner: 38,195 Millionen (Juni 2003)
Bevölkerungsdichte: 122,2 Einwohner pro Quadratkilometer

Politik:
Offizieller Name: Republik Polen (Rzeczpospolita Polska)
Hauptstadt: Warschau
Staatsform: Parlamentarische Demokratie mit Zweikammerparlament
Staatsoberhaupt: Aleksander Kwasniewski, Präsident
Regierungschef: Leszek Miller
Sprache: Polnisch

Währung:
Währung: 1 Zloty (Zl) = 100 Groszy
Kurs: 1 Zl = 0,23 Euro (Stand 2003)

Die Wirtschaftsdaten

Volkswirtschaft:
Wachstumsrate des Bruttosozialprodukts (BSP): 1,2 Prozent
BSP: 163,9 Milliarden Dollar
BSP pro Kopf: 4240 Dollar
Anteil am BIP: Landwirtschaft 3 Prozent, Industrie 32 Prozent, Dienstleistungen 65 Prozent
Forschung und Entwicklungsausgaben (am BIP): 0,7 Prozent
Arbeitslosenquote: 16,7 Prozent
Inflationsrate: 5,5 Prozent
Staatseinnahmen: 51,9 Milliarden Dollar

Steuern und Schulden:
Steueraufkommen (am BIP): 27,3 Prozent
Einkommensteuer: 40 Prozent
Körperschaftsteuer: 28 Prozent
Haushaltsüberschuss (am BIP): 0,3 Prozent
Staatsausgaben: 51,394 Millarden Dollar
Leistungsbilanzsaldo: -5,357 Milliarden Dollar
Auslandsschulden: 62,393 Milliarden Dollar
Schuldendienst (am BSP): 8,8 Prozent
Devisenreserven: 26,563 Milliarden Dollar
Ausländische Direktinvestition: 5,713 Milliarden Dollar
Börse (Marktkapitalisierung am BIP): 14,7 Prozent

Außenwirtschaft:
Handelsbilanzsaldo: -7,660 Milliarden Dollar
Export: 41,664 Milliarden Dollar (Maschinen und Transportmittel 34,2 Prozent, industrielle Vorprodukte 24,8 Prozent, Fertigwaren 18,3 Prozent)
Hauptabnehmer: Deutschland (36,1 Prozent), Italien (6,5 Prozent), Niederlande (5,2 Prozent)
Hightech-Exporte: 936 Millionen Dollar
Import: 49,324 Dollar (Maschinen und Transportmittel 37 Prozent, industrielle Vorprodukte 20 Prozent, Chemikalien 14,1 Prozent)
Hauptlieferländer: Deutschland (25,2 Prozent), Italien (9,4 Prozent), Frankreich (6,8 Prozent)

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