Kaufpreise für Impfstoffe Die EU will BioNTech und Curevac rund neun Milliarden Euro zahlen

Die Dosen liegen bereit: Die Europäische Union vereinbart mit BioNTech und Curevac Details zur Lieferung ihrer Impfstoffe. Das erhöht den Druck auf die Zulassungsbehörden.
Dealmakerin: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, in ihrem früheren Leben mal Ärztin

Dealmakerin: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, in ihrem früheren Leben mal Ärztin

Foto: Kenzo Tribouillard / AP

Die Europäische Union konkretisiert ihre Impf-Vorbereitungen. Die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen (62) habe mit dem deutschen Hersteller CureVac eine Lieferung ab Ende März 2021 vereinbart, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen anonymen "EU-Offiziellen". Zudem habe man sich auf einen Preis pro Dosis von 10 Euro für eine erste Tranche von 225 Millionen Dosen geeinigt. Optional sollen weitere 180 Millionen Dosen geliefert – was für CureVac dann insgesamt Einnahmen von 4,05 Milliarden Euro bedeuten würde. An Curevac hält der deutsche Unternehmer Dietmar Hopp (80) die Mehrheit der Aktien.

Auch für den gemeinsamen Impfstoff von BioNTech und Pfizer ist die EU bereit, hohe Summen zu zahlen. Der Preis soll bei 15,50 Euro je Dosis liegen. Für den Impfschutz sollen voraussichtlich zwei Impfungen nötig sein. Für eine erste Lieferung sind hier 200 Millionen Dosen vorgesehen, zudem besteht eine Option auf weitere 100 Millionen Dosen. Der Gesamtdeal würde BioNTech und Pfizer also einen Umsatz von 4,65 Milliarden Euro bescheren. Die beiden Unternehmen hatten jüngst angekündigt, noch vor Weihnachten mit der Auslieferung beginnen zu können. BioNTech wird von den deutschen Unternehmern Thomas und Andreas Strüngmann (jeweils 70) kontrolliert. Offiziell äußern sich weder EU-Kommission noch die Unternehmen zu den Details ihrer Verträge.

Insgesamt ist die EU also bereit, knapp neun Milliarden Euro für die beiden Impfstoffe zu zahlen. Als größter einzelner Impfstoffdeal gilt bisher die Zwei-Milliarden-Dollar-Liefervereinbarung, die BioNTech und Pfizer mit der US-Regierung geschlossen hatten. Die umgerechnet rund 16,50 Euro pro Dosis hatten die beiden Unternehmen auch als "Benchmark" für ihre Verhandlungen mit der EU gesetzt – und sich angesichts der erzielten 15,50 Euro fast durchgesetzt.

Die Megadeals mit der EU sichern den deutschen Biotech-Firmen damit die Chance auf ihren wirtschaftlichen Durchbruch. Bislang hatten BioNtech und CureVac hohe Verluste eingeräumt. BioNTechs Gründer und Vorstandschef Ugur Sahin  (55) hatte schon mehrfach angekündigt, einen großen europäischen Pharma-Konzern aufbauen zu wollen.

Für die EU-Mitgliedstaaten erhöht sich durch die Verträge die Chance auf die Rückkehr zu einem weitgehend normalisierten Alltagsleben und damit auch auf eine Stabilisierung der Wirtschaft. Um möglich schnell mit dem Impfstoff versorgt zu werden, habe die EU außerdem bereits 700 Millionen Euro als Anzahlung an Pfizer und BioNTech gezahlt, so der Insider gegenüber Reuters. Außerdem gebe es Klauseln, sollte die Unternehmen die Vereinbarungen brechen und etwa die USA mit ihren Lieferungen bevorzugen.

Angela Merkel und Ursula von der Leyen schüren Hoffnung

Für beide Impfstoffe steht allerdings die Genehmigung der Behörden noch aus – erst dann werden die Impfstoffe geliefert und erst dann fließt weiteres Geld. Bundeskanzlerin Angela Merkel (66; CDU) und EU-Kommissionschefin von der Leyen äußerten jedoch große Hoffnungen auf eine schnelle Zulassung. Merkel rechnet schon im Dezember oder "sehr schnell nach der Jahreswende" mit der Zulassung eines Corona-Impfstoffes in Europa, wie sie am Donnerstagabend nach Video-Beratungen der EU-Staats- und Regierungschefs sagte. Von der Leyen sagte, dass die Impfstoffe von BioNTech/Pfizer sowie vom US-Konkurrenten Moderna schon in der zweiten Dezemberhälfte eine bedingte Marktzulassung bekommen könnten – wenn alles problemlos weitergehe.

Bei CureVac dagegen wird es noch dauern. Vorstandschef Franz-Werner Haas (50) hatte sich jüngst zum Zeitplan noch zurückhaltend geäußert und damit nicht den Eindruck erweckt, wie nun mit der EU ausverhandelt bereits Ende März liefern zu können.

In den 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union leben knapp 450 Millionen Menschen. Parallel verhandelt die EU noch mit weiteren Impfstoffherstellern und hat bereits weitere Liefervereinbarungen abgeschlossen.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Fassung hatte es geheißen, beim Preis für den Impfstoff von BioNTech und Pfizer sei zuvor von 20 Euro die Rede gewesen. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

soc/lhy/Reuters/dpa