Kurz vor der Hauptversammlung EU genehmigt Milliarden-Staatshilfe für Tui

Der deutsche Staat und Investoren dürfen den weltgrößten Reisekonzern Tui mit weiteren Milliarden stützen. Jetzt müssen noch die Aktionäre dem ausgeklügelten Rettungspaket zustimmen.
Mit Staatshilfe wieder flott: Tui-Kreuzfahrschiff "Mein Schiff 2"

Mit Staatshilfe wieder flott: Tui-Kreuzfahrschiff "Mein Schiff 2"

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Die EU-Wettbewerbshüter haben deutsche Staatshilfen bis zu 1,25 Milliarden Euro für den schwer von der Corona-Krise getroffenen Reisekonzern genehmigt. Das teilte die EU-Kommission am Montagabend in Brüssel mit. Bereits am heutigen Dienstag sollen die Tui-Aktionäre bei einer außerordentlichen Hauptversammlung eine Kapitalerhöhung und finanzielle Hilfen für den angeschlagenen Reisekonzern genehmigen.

Die zuständige EU-Kommissionsvizepräsidentin Margrethe Vestager (52) sagte: "Tui wurde wie viele andere Tourismusunternehmen von der Corona-Krise schwer getroffen." Deutschland werde im Rahmen der angemeldeten Maßnahmen bis zu 1,25 Milliarden Euro zur Rekapitalisierung von Tui beitragen. "Für das von den Steuerzahlern getragene Risiko" werde der Staat "eine hinreichende Vergütung erhalten und die Unterstützung mit Auflagen verbinden, um mögliche Wettbewerbsverzerrungen zu begrenzen", betonte Vestager.

Zu den 1,25 Milliarden Euro des Bundes gehört nach Angaben der EU-Kommission eine stille Beteiligung in Höhe von 420 Millionen Euro, die der Bund in Aktien umwandeln und sich so an Tui beteiligen könnte. Zudem umfasst das Paket demnach eine nicht wandelbare stille Beteiligung von bis zu 680 Millionen Euro sowie eine wandelbare Optionsanleihe in Höhe von 150 Millionen Euro.

Die Zustimmung der Hauptversammlung ist im engeren Sinn für die Kapitalerhöhung selbst sowie für den beabsichtigten Staatseinstieg nötig. Die Staatshilfe für den weltgrößten Reiseanbieter Tui ist Teil eines größeren Unterstützungspakets, an dem auch private Investoren beteiligt sind.

Staatshilfe "erforderlich, geeignet und angemessen"

Nach Einschätzung der EU-Kommission ist die Staatshilfe "erforderlich, geeignet und angemessen", um eine "beträchtliche Störung im Wirtschaftsleben eines Mitgliedstaats" zu beheben. Sie ziele darauf ab, die "vor der pandemiebedingten Ausnahmesituation bestehende finanzielle Lage und Liquidität von Tui wiederherzustellen, wobei die erforderlichen Vorkehrungen zur Begrenzung von Wettbewerbsverfälschungen aufrechterhalten werden sollen". Zudem verfüge Tui "auf den relevanten Märkten, auf denen es tätig ist, nicht über eine erhebliche Marktmacht".

Der Geschäftseinbruch durch die Reisebeschränkungen in der Pandemie hatten dem weltgrößten Urlaubsveranstalter einen Nettoverlust von 3,1 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2020 eingebrockt. Im Vorjahr hatte Tui 532 Millionen Euro Gewinn gemacht. "Das neue Finanzpaket sichert uns für den weiteren Verlauf der Pandemie ab", sagte Tui-Chef Fritz Joussen (57) vergangene Woche. Das Sommergeschäft in diesem Jahr erwartet er "weitgehend" auf normalem Niveau, wenn mit dem Fortschritt beim Impfen gegen Covid-19 die Schranken beim Reisen abgebaut werden können.

Nach der Lufthansa, die mit neun Milliarden Euro Staatshilfe aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Belgien vor der Pleite bewahrt wird, ist das Unternehmen aus Hannover der zweite große Krisenfall in der Pandemie. Tui hatte im Laufe des Jahres bereits von weiteren staatlichen Hilfen profitiert. Einschließlich privater Mittel wurden dem Konzern mittlerweile rund 4,8 Milliarden Euro an Unterstützung zugesprochen, um die hohen Umsatzausfälle in der anhaltenden Pandemie aufzufangen.

rei/DPA, Reuters
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