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Es reicht jetzt!

In den vergangenen 30 Jahren sind die Gehälter der Manager drastisch gestiegen - viel schneller als die Aktienkurse ihrer Unternehmen. Warum wollen sie immer noch mehr?
aus manager magazin 9/2001

VON WOLFGANG HIRN*

Klaus Esser hat es geschafft, den deutschen Traditioonskonzern Mannesmann zu zerschlagen und zu verkaufen. Der Ex-Mannesmann-Chef hat es zudem geschafft, die verkauften Beschäftigten nachhaltig zu verunsichern. Der Dank? Eine nette Abfindung über 60 Millionen Mark, ein Wagen mit Fahrer sowie eine Sekretärin auf Lebenszeit.

Ja, wo leben wir denn? In einer Neidgesellschaft, sagen natürlich Zeitgenossen wie Klaus Esser und Rolf-E. Breuer (Bezüge 2000: 16 Millionen Mark). Eine typisch deutsche Diskussion sei das, wiegeln die Großverdiener ab. Und lenken die Blicke auf die USA: Dort sind die Gehälter noch viel höher, und kaum einer regt sich auf. Hierzulande aber meckern die journalistischen Neidhammel mit ihrem mickrigen Salär.

Die Debatte um das angemessene Gehalt ist mindestens so alt wie das manager magazin: Verdienen Manager so viel, wie sie verdienen? Immer wieder stellte mm diese Frage - 30 Jahre lang. Doch derzeit wird - Esser sei Dank - besonders heiß diskutiert: Wieviel ist genug? Ab wann sind die Grenzen des gesellschaftlich Akzeptablen überschritten?

Wer solche ketzerischen Fragen stellt, gilt als Systemkritiker. Deshalb ein persönliches Bekenntnis zur Leistungsgesellschaft: Wer gute Leistung bringt, soll gut verdienen. Soweit ganz einfach.

Doch nun wird es schwierig: Wie lässt sich die Leistung eines Managers messen? Am Aktienkurs seines Unternehmens natürlich, sagen die Freunde der Shareholder-Value-Bewegung. Das setzt voraus, dass eine klare Relation zwischen der Leistung des Vorstandes und dem Börsenkurs besteht und dass dann das Führungsgremium eines Unternehmens durch seine Taten den Aktienkurs überhaupt entscheidend beeinflussen kann.

Eine akademische, eine müßige Diskussion.

Die Manager haben längst Fakten geschaffen. Siehe die beiden Tabellen über die Spitzenverdiener von gestern und heute. Danach nahm das Gehalt eines Deutsche-Bank-Vorstandes in den vergangenen knapp 30 Jahren um mehr als 1700 Prozent zu, der Börsenkurs in diesem Zeitraum aber um rund 500 Prozent. Kaum anders bei Daimler: Die Gehälter stiegen in drei Jahrzehnten um das Neunfache, der Kurs aber deutlich geringer.

Die beiden simplen Rechenexempel beweisen: Die Gehälter der Manager haben sich längst von den Kursen abgekoppelt. Sie steigen seit Jahren viel stärker als der Börsenwert. Viele Vorstände kassieren immer mehr - ganz egal, wie gut sie sind; oder wie gut das Unternehmen dasteht.

Dabei lohnt sich auch mäßige oder gar schlechte Leistung, was ein zweiter Blick auf die (linke) Tabelle bestätigt. Dort sind die Unternehmen mit den Spitzenverdienern von damals aufgeführt. Kaufhof, Krupp, Martin Brinkmann, Dresdner Bank, Thyssen: allesamt verkauft oder fusioniert; in der Rückschau alles keine Glanzlichter der deutschen Unternehmensszene , weil sie unfähig zum alleinigen Überleben waren - trotz ihrer hoch dotierten Manager.

In den USA fliegen die CEOs, wenn sie keine Leistung bringen. Und zwar viel schneller als hier zu Lande. Anders als deutsche Vorstände mit ihren Fünfjahresverträgen werden Chefs in den USA nur für ein Jahr engagiert. Hire und fire aber wollen die deutschen Topmanager nicht. Sie wollen das Beste aus beiden Welten: die hohe amerikanische Bezahlung und die deutsche Sicherheit.

*Wolfgang Hirn ist seit 16 Jahren mm-Redakteur und hat in dieser Zeit sein Gehalt verdoppelt.

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Die besten Verdiener 1971*

1. Kaufhof 684 000

2. Daimler-Benz 618 433

3. VW 589 471

4. Krupp Hüttenwerke 586 825

5. Karstadt 535 833

6. Martin Brinkmann 517 923

7. Deutsche Bank 512 108

8. Dresdner Bank 494 564

9. Varta 491 231

10. Thyssen-Hütte 443 753

*Durchschnittliche Vorstandsbezüge in Mark.

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Die besten Verdiener 1999*

1. Deutsche Bank 9 471 300

2. Bertelsmann 8 587 000

3. Gold-Zack 7 327 800

4. DaimlerChrysler 6 373 700

5. Mobilcom 5 898 000

6. Hoechst 4 549 900

7. Porsche 3 883 300

8. HSBC Trinkaus 3 787 000

9. CSFB 3 556 700

10. Siemens 3 536 800

*Durchschnittliche Vorstandsbezüge in Mark.

*Wolfgang Hirn ist seit 16 Jahren mm-Redakteur und hat indieser Zeit sein Gehalt verdoppelt.

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