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Deutsche Telekom Erlösquellen gesucht

Die Festnetzsparte T-Home muss sich ans Ergebnisziel heransparen.
Von Astrid Maier
aus manager magazin 11/2008

Wenn Manager einander die Meinung sagen, soll sich möglichst niemand persönlich verletzt fühlen. Um das Schlimmste zu verhindern, kamen die Führungskräfte der Telekom-Sparte T-Home vor Kurzem unter Aufsicht einer psychologisch erfahrenen Fachkraft zusammen.

Doch der anwesende Coach konnte offenbar den Missmut unter den Managern der Telekom-Festnetzsparte nicht gänzlich abfedern: Besonders viel Kollegenschelte soll T-Mobile-Deutschland-Chef Philipp Humm (49) kassiert haben, der zugleich bei T-Home für den Vertrieb zuständig ist. Seine acht Vorstandskollegen hadern offenbar mit seinem Umgangsstil.

Bei der Deutschen Telekom hätte es keiner spektakulären Datenpannen bedurft - die Stimmung ist auch so schon angespannt genug. Schwierigkeiten bereitet offenbar das Geschäft mit den Festnetzkunden auf dem Heimatmarkt. Der üppig besetzte T-Home-Vorstand unter Leitung von Timotheus Höttges (46) steht unter Druck, die für das Jahresende selbst gesteckten Ziele zu erreichen - und soll sich dabei durch die vielen Querfunktionen der einzelnen Manager selbst im Weg stehen.

Das Problem: Der Kundenschwund fällt offenbar größer aus als erwartet, das Online-TV gewinnt nicht richtig an Fahrt, und die Umsätze je Anschluss sinken, heißt es aus dem Unternehmen.

Der Ex-Monopolist sucht verschärft nach Wegen, Lücken im Budget zu stopfen. Geprüft wird offenbar, wie Marketingbudgets gekürzt oder Lieferantenzahlungen ins kommende Jahr verschoben werden können.

Die Telekom dementiert jegliche Probleme, ihre angepeilten Zahlen erreichen zu können. Sie verweist darauf, dass Konzernchef René Obermann (45) erst Anfang Oktober die Jahresziele bekräftigt habe. Günstig für ihn: Der Dollar-Kurs hat zuletzt wieder angezogen. Das wirkt sich positiv auf das Gesamtergebnis aus; schließlich ist T-Mobile USA sein Wachstumstreiber.

Der Kundenschwund auf dem Heimatmarkt hatte sich schon zur Halbjahresbilanz deutlicher als üblich bemerkbar gemacht: Allein von April bis Juni hatte die Telekom 650 000 Kunden hierzulande verloren. Seit August versucht der Konzern gegenzusteuern, indem er selbst Kunden, die nur einen Telefonanschluss bestellen, durch Langzeitverträge an sich bindet.

Damit aber das Deutschland-Geschäft auch langfristig wieder Freude bereitet, sind Ideen für Erlösquellen außerhalb des Kerngeschäfts gefragt. Viel Potenzial sehen die T-Home-Manager im Geschäft mit dem Smart Metering. Zu Deutsch: Die Telekom bereitet sich darauf vor, in das Ablesegeschäft einzusteigen. Die Bonner könnten nicht nur das Erfassen etwa von Heizungskosten übernehmen, sondern auch das Steuern von Haushaltsgeräten.

Allerdings werden die T-Home-Leute auf diesem Markt wohl nicht die Ersten sein. Branchenexperten erwarten, dass Handybauer Nokia noch 2008 ein entsprechendes Angebot lancieren könnte.

In Bonn treibt derweil ein weiteres Problem die T-Home-Manager um: Wie sie vertrauensvoll auch sicherheitsrelevante Angebote verkaufen könnten, etwa rund um die ferngesteuerte Videoüberwachung der eigenen Wohnung. Angesichts der jüngsten Datenpannen eine echte Herausforderung für die Vertriebler. Astrid Maier

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