Entrepreneur des Jahres 2007 Die Sieger

Wer sind die Gewinner, welche Unternehmen führen sie? In den fünf Kategorien Industrie, Handel, Dienstleistung, IT und Start-up prämierte die Jury die "Entrepreneure des Jahres 2007". manager-magazin.de stellt die Sieger vor.

50.000 Solarprojekte realisiert

Sieger Industrie: Conergy 

Erneuerbare Energien Verbrauchern schmackhaft zu machen: Aus dieser Idee entwickelte Hans-Martin Rüter die Conergy AG , einen weltweiten Anbieter für Anlagen zur Nutzung von Solar-, Bio- und Windenergie.

Rüter wollte sich nicht nur gegen den Klimawandel stemmen, sondern auch die Konkurrenzfähigkeit erneuerbarer Energien unter Beweis stellen und davon profitieren. 1996 führte daher eine nüchterne Analyse der Solarbranche zur Gründung von Sun-Technics, dem Vorläufer von Conergy. Rüter baute einzelne Produkte diverser Solarhersteller zu praktischen Systemen zusammen und montierte diese anfangs selbst auf Hamburger Dächer. Bald verkaufte er diese auch über Installationsbetriebe.

Mit Hilfe von Risikokapital wuchs der einstige Ein-Mann-Betrieb zum nationalen und internationalen Anbieter. Heute ist Conergy mit mehr als 2200 Mitarbeitern Europas größter Lieferant von Solaranlagen und die Nummer Zwei auf dem Weltmarkt. Verschiedene Marken und Vertriebsaktivitäten sprechen dabei unterschiedliche Zielgruppen an. So entwickelt Sun-Technics Lösungen für Verbraucher, Epuron wiederum für Unternehmen.

Rund 50.000 Solarprojekte hat das Hamburger Unternehmen bisher weltweit geplant, entwickelt und installiert. So steigerte die Gesellschaft ihren Umsatz 2006 um rund 42 Prozent auf 752 Millionen Euro. 2007 soll erstmals die Milliardengrenze überschritten werden. So ein Wachstum ist nicht aus eigener Kraft zu bewältigen: Conergy gründete zahlreiche Filialen im In- und Ausland und kaufte in den vergangenen Jahren zu.

Neben der Technik plant Conergy die Finanzierung der Anlagen und sucht die beste Versicherung. Längst liefert das Unternehmen nicht mehr nur Solaranlagen. Seit dem Börsengang 2005 plant und vertreibt Conergy Systeme, die Wind und Biomasse nutzbar machen.

360T - elektronische Handelsblattform

360T - Handelsplattform für 200 Gesellschaften

Sieger Start-up: 360 Treasury Systems 

Für den Handel mit Devisen, Geld und Zinsderivaten konstruierte die 360 Treasury Systems AG (360T) eine elektronische Handelsplattform. Unter der Führung von Carlo Kölzer wuchs das Start-up-Unternehmen in wenigen Jahren zu einem europaweit bedeutsamen Softwarespezialisten.

Die Gruppe entwickelte das Multidealer Trading System Tex, über das Unternehmen heute außerbörslich ihre Finanzgeschäfte organisieren können. Das durchschnittliche Handelsvolumen, das auf seiner Handelsplattform abgewickelt wird, erreicht 15 Milliarden Euro täglich.

Bei der Entwicklung von Funktionalitäten kooperierte Kölzers Team eng mit Unternehmen wie Lufthansa  und Dresdner Kleinwort Wasserstein. 200 Gesellschaften, darunter beinahe alle Dax-Konzerne, kleinere Banken oder institutionelle Anleger nutzen die Plattform, die sie mit den Angeboten von 60 Großbanken zusammenbringt.

Als Vermittler profitiert 360T von Transaktionsprovisionen für über die Plattform abgewickelte Anlage- und Finanzinstrumente sowie von Teilnahmegebühren der Großbanken. Außerdem passt 360T die Technik auf individuelle Wünsche an und lizenziert sie an Firmen und Banken. Konzerne tauschen darüber mit ihren Töchtern Währungen aus, und Banken wie etwa die WGZ managen damit die Finanzgeschäfte ihrer Filialen. "Da kommt es 360T entgegen, dass wir die Software selbst entwickelt haben und daher flexibel auf Kundenwünsche eingehen können", meint Kölzer.

Seit wenigen Jahren ist 360T international aktiv und hat für den Vertrieb der Software sowie für die Werbung von Tex-Teilnehmern vier Filialen im europäischen Ausland gegründet. Gerade hat 360T darüber hinaus zwei Filialen in Asien (Singapur) und den USA (New York) gestartet. 360T beschäftigt derzeit rund 40 Mitarbeiter. "Tex soll bis 2010 einer der weltweit größten elektronischen Knotenpunkte für den außerbörslichen Handel werden", sagt Kölzer.

Sedo - innovativer Domainhändler

Vom Studentenbetrieb zum Weltmarktführer

Sieger IT: Sedo 

Sedo organisiert den Handel mit bereits registrierten Internetadressen. Tim Schumacher, Ulrich Priesner, Marius Würzner und Ulrich Essmann haben ihr Studentenprojekt zu einem weltmarktführenden Unternehmen im Internet entwickelt.

Der Domain-Marktplatz wurde im Jahr 2000 gegründet. Über Sedo organisieren sich heute mehrere Hunderttausend Verkäufer und Interessenten in aller Welt. Die Datenbank speichert mehr als acht Millionen Internetadressen für alle gängigen Endungen. Besitzer können versteigern oder direkt mit Käufern verhandeln. Kommt das Geschäft zustande, organisiert Sedo den Geldtransfer sowie den technischen Wechsel der Adresse zu Servern und Serviceprovidern.

Längst organisieren die Kölner nicht mehr nur den Handel. Sie informieren über Rechte, beurteilen den Wert von Namen und bieten Eignern an, Adressen Gewinn bringend bei Sedo zu parken. "Neu hinzugekommen ist die Vermarktung von Werbeplätzen auf Domains, die zum Verkauf stehen", erklärt Schumacher. "Sie ist mittlerweile ein Kernprodukt von Sedo." Auf inhaltslosen Domains, die Nutzer auf der Suche nach Informationen eingeben, erscheinen passende Anzeigen. Und wie beim Verkauf profitiert Sedo auch hier von Provisionen.

Dem Studententeam war schnell klar, dass der internationale Markt am besten von einem zentralen Dienstleister bedient wird. Für dieses Ziel und für eine schnelle Expansion nahmen sie Investoren mit ins Boot, gründeten eine Niederlassung in Boston und wandelten das Internetprojekt zur Gesellschaft. Seit 2002 arbeitet das Unternehmen profitabel und beschäftigt heute mehr als 130 Mitarbeiter in Köln und Boston.

Sedo bietet seine Dienstleistungen in mehreren Sprachen an und erwirtschaftete 2006 einen Umsatz von mehr als 41 Millionen Euro - in etwa doppelt so viel wie im Jahr zuvor. 70 Prozent davon stammten aus Auslandsgeschäften. 2004 zog Sedo an seiner Konkurrenz in den USA vorbei und erreichte mit einem Marktanteil von 40 Prozent die Weltmarktführerschaft. Diese Position wurde 2007 durch die Übernahme von Great Domains, dem einstigen Konkurrenten in den USA, gesichert.

Tegut - Vorreiter für Biolebensmittel

Einzelhändler mit eigenem Forschungsinstitut

Sieger Handel: Tegut Gutberlet 

Die Ladenkette seines Vaters entwickelte Wolfgang Gutberlet zu einem regionalen Handelsunternehmen und zu einem Vorreiter für Biolebensmittel. "Die Einführung von Bioprodukten im klassischen Lebensmitteleinzelhandel war Anfang der 80er Jahre sicher einzigartig in Deutschland und Europa", meint Gutberlet heute. Doch damit hat sich die Innovationskraft des Unternehmers nicht erschöpft. 1993 gründet Gutberlet das Institut Kwalis zur umfassenden Erforschung der Herstellung und Verfeinerung von Biowaren.

Als Antwort auf den Preisverfall auf dem Viehmarkt regt die Tegut-Tochter Kurhessische Fleischwaren (kff) Erzeugergemeinschaften an. Für höhere Qualitätsvorgaben bei Zucht und Mast sichert der Metzgereibetrieb seinen Lieferanten höhere Preise. Die jüngste Innovation macht eine Räucheranlage der kff zur modernsten in Europa, denn hier entsteht Rauch durch Abrieb von Holzscheiten bei niedrigen Temperaturen. "Dadurch gibt es keine Flamme, sondern einen ganz weichen Rauch", erläutert Gutberlet. Der sorgt für gesunden Genuss und schont zudem Natur und Ressourcen.

In den Herzberger Bäckereien, einer weiteren Tegut-Tochter, wird hingegen mit alten Rezepten experimentiert, um Brot aus unbehandeltem Getreide zu backen. Aus der Erfahrung, dass Wasser ein wichtiger Geschmacksträger ist, entsteht hier fast nebenbei eine Aufbereitungstechnologie, die Quellwasser zum natürlichen Mineralwasser macht. Um schließlich die Servicequalität zu erhöhen, investiert Gutberlet systematisch in Bildung. Mit Pädagogen und Trainern entsteht ein Selbstlernprogramm für Lebensmittelhändler.

Weitgehend aus eigener Kraft wuchs die Handelskette Tegut in den 34 Jahren unter Gutberlets Führung von 53 auf 303 Filialen. Vor allem nach der deutschen Wiedervereinigung dehnte Gutberlet sein Netz von Hessen auch nach Thüringen, Sachsen und Nordbayern aus. Heute beschäftigt die Gruppe knapp 6000 Mitarbeiter. Und auch die Einnahmen haben sich vervielfacht: So kletterte der Umsatz 2007 auf knapp 1,1 Milliarden Euro. Ein nicht unerheblicher Teil davon wird bereits mit Biowaren erzielt.

Vanguard - Recycling in Kliniken

Abfallsystem als Marktlücke

Sieger Dienstleistung: Vanguard 

Gegen Widerstände entwickelte Robert Schrödel ein Dienstleistungsunternehmen für Kliniken und machte Vanguard so zum international agierenden Hightech-Konzern. "Die Konkurrenz ließ nichts unversucht, unsere Verfahren in Misskredit zu bringen, und beschwor tödliche Gefahren für die Patienten", erinnert sich der Gründer.

Die Marktlücke im Abfallsystem. Robert Schrödel stieß in den Operationssälen darauf: Tonnenweise Haken, Klemmen, Becher wurden nach ihrem einmaligen Einsatz einfach weggeworfen.

Aus diesen Beobachtungen entstand 1998 Vanguard, das erste Unternehmen in Europa, das medizinische Einwegprodukte systematisch aufbereitete und Kliniken durch technische Dienstleistungen unterstützte. Heute steuert der Diplom-Kaufmann einen europaweit agierenden Unternehmensverbund mit 1280 Mitarbeitern.

Angeregt durch ein Beratungsprojekt der Europäischen Union zum Umweltmanagement in Krankenhäusern, widmet sich Vanguard nach der Gründung zunächst der teuren Materialschlacht in Kliniken. Mit knapp 3,5 Millionen Euro Startkapital stellt Schrödel ein Team aus 16 Forschern, Medizinern und Ingenieuren zusammen, entwickelt die Aufbereitungstechnologie, baut in Berlin und in Friedeburg (Niedersachsen) entsprechende Anlagen und konzipiert neue Abläufe für Operationssäle und Praxen.

Zum Sparen gezwungene Krankenhäuser begeistern sich sofort für die Aufbereitung von medizinischem Gerät durch einen externen Dienstleister. Der erweitert seine Services, bietet Hospitälern auch Informationstechnologie und verbessert deren Prozesse.

"Unser Dienstleistungsspektrum umfasst vier Säulen", erläutert Schrödel, "die Spezialaufbereitung von Medizinprodukten, die In-House-Sterilisation, das Prozessmanagement und verschiedene Klinikservices." Vanguard installiert Computersysteme, die den Materialfluss in Operationssälen dokumentieren, konzipiert Outsourcing-Aufgaben oder projektiert Operationssäle.

Neuerdings projektiert Vanguard auch Operationssäle und hilft Kliniken bei der Finanzierung. Aus diesem Angebot wuchs das Konzept für chirurgische Fachkliniken, die Vanguard nun im Franchisemodell betreiben will. Effizienz, das steht fest, kann noch in vielen Bereichen des Gesundheitswesens realisiert werden - zum Nutzen aller.

Image-Gewinner: Alle 98 Finalisten im Überblick


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