Entrepreneure des Jahres 2002 Erfolg mit starkem Willen

Die Zeiten sind hart. Aber auch in der Krise gibt es viele kleine und mittlere Unternehmen, die wachsen und gedeihen. Bei einer feierlichen Gala in der Frankfurter Alten Oper wurden am Mittwochabend die "Entrepreneure des Jahres" ausgezeichnet.
Von Claus G. Schmalholz

"Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es wichtig, positive Akzente zu setzen". Mit diesen Worten kommentierte Alfred Müller, Vorstandsmitglied der Prüfungsgesellschaft Ernst & Young in Frankfurt am Main die Auszeichnung von fünf mittelständischen Unternehmern mit dem Preis "Entrepreneur des Jahres".

Aus 300 Bewerbungen hatte eine unabhängige Jury die Sieger in den fünf Kategorien Industrie , Handel , Dienstleistung , Informationstechnologie  und Start-up  gekürt. Bei einer feierlichen Gala in der Alten Oper mit prominenten Gästen aus Wirtschaft, Politik und Medien erhielten die Gewinner die Auszeichnungen.

Stellvertretend für die Sieger des Wettbewerbs aus dem vergangenen Jahr kam Brainlab-Chef Stefan Vilsmeier auf die Bühne. Die Preisverleihung des Wettbewerbs 2001 am 11. September war wegen der Terroranschläge in den USA abgebrochen worden. Vilsmeier, der dieses Jahr in Monaco zum "World Entrepreneur" gekürt wurde, bedankte sich auch im Namen der Preisträger von 2001 für die Auszeichnung.

Vilsmeier betonte, dass der Preis für ihn eine sehr wichtige Motivation sei, "weil man als Unternehmer oft ein einsamer Kämpfer ist".

Der Preisträger des diesjährigen Wettbewerbs in der Kategorie Industrie ist die Aachener Printen- und Schokoladenfabrik Henry Lambertz . Als bestes Handelsunternehmen wurde die Komsa AG  aus Sachsen ausgezeichnet, die Produkte und Dienstleistungen in den Bereichen Telekommunikation und Informationstechnologie anbietet.

Sieger in der Kategorie Dienstleistung wurde das Osnabrücker Unternehmen buw , das als Call-Center startete und sich inzwischen zum Dienstleister rund um das Telefonmarketing weiterentwickelte. Als vorbildhaftes Unternehmen der Informationstechnologie prämierte die Jury die Init AG  aus Karlsruhe. Die Firma entstand aus einem universitären Forschungsprojekt zur effizienteren Steuerung des öffentlichen Nahverkehrs.

Als bestes junges Unternehmen wurde die Pharmexx GmbH  in der Kategorie Start-up ausgezeichnet. Die Mannheimer Firma verleiht qualifizierte Fachleute an die Pharmaindustrie und beschäftigt vier Jahre nach der Gründung bereits 560 Mitarbeiter.

Vollblutunternehmer statt Karrieristen

Die Auftritte der fünf Sieger (siehe: "Kurzporträts") zeigten, besonders in diesen Zeiten der Krise, ein ungewohntes Bild deutscher Unternehmer. Die Entrepreneure beeindruckten die 800 Gäste mit Erfolgsgeschichten, die sich oft in zweistelligen Wachstumsraten niederschlagen.

Vor allem aber zeichnete die siegreichen Unternehmer der Glaube an ihre Ideen und Konzepte aus sowie ihre nachgewiesene Fähigkeit, diese Ziele mit hartnäckiger Beharrlichkeit in schwarze Zahlen zu verwandeln.

Gleichzeitig war der Abend ein sichtbarer Beleg für die Vielfalt erfolgreicher mittelständischer Unternehmer. Studienabbrecher waren ebenso dabei wie promovierte Techniker.

Das Alter der ausgezeichneten Unternehmen reicht von drei Jahren bis 318 Jahren, ihre Gründer und Geschäftsführer zeichnen sich allesamt durch außergewöhnlichen Mut und ungewöhnliche Karrierewege aus. So war etwa der Sieger der Kategorie Industrie, Hermann Bühlbecker , einst Tennisprofi in der Bundesliga, bevor ihn im Alter von 26 Jahren der Not-Ruf eines Onkels unverhofft zum Chef der Gebäckfabrik Lambertz beförderte.

In 25 Jahren baute Bühlbecker das Unternehmen zu einem Konzern mit 3300 Mitarbeitern und einem Umsatz von 379 Millionen Euro aus. Auch als Konzernchef ist der Mann seinem besonderen Stil treu geblieben. Bühlbecker trägt sein langes Haar sorgsam nach hinten gekämmt und wirkt mit dem grauen Vollbart wie ein bayerischer Märchenprinz. Den Preis als bester Entrepreneur der Kategorie Industrie nahm er in einen langen Gehrock gekleidet entgegen.

Typen wie Bühlbecker machen den Reiz dieses Wettbewerbs aus. Die Entrepreneure des Jahres sind keine glatten Karrieristen, sondern Vollblutunternehmer, die jeweils ihren ganz eigenen Weg gegangen sind. Mancher verriet gar einige Tricks auf seinem Weg nach oben.

So dankte etwa Georg Nagl , Sieger in der Kategorie Start-up mit seinem Unternehmen Pharmexx, seiner Ehefrau nicht nur für die Geduld die sie mit ihm in der stressigen Gründungsphase hatte. "Ich danke meiner Frau auch für manche Idee von ihr, die ich dann in der Firma als meine eigene verkauft habe", sagte Nagl.

Weltweiter Wettbewerb

Viel Beifall erhielt Gunnar Grosse , der mit seinem Unternehmen Komsa den Preis in der Kategorie Handel gewonnen hatte, für einen Spruch, mit dem er die vorherrschende miese Stimmung in der Wirtschaft aufs Korn nahm. Die alten Leute, so Grosse, behaupteten immer, die Zeiten würden halt immer schlimmer. Das stimme jedoch nicht. Die Wahrheit ist nach Grosses Worten anders: "Die Zeiten sind wie immer, nur die Alten werden immer schlimmer."

Einen glanzvollen Höhepunkt der Veranstaltung setzte die weltbekannte Sopranistin Anna-Maria Kaufmann mit einigen Songs aus bekannten Musicals. Wie man mit äußerster Kälte Spitzenleistungen erreichen kann, schilderte Festredner Wolfgang Ketterle. Der am Bostoner MIT forschende Physiker erhielt im vergangenen Jahr, gemeinsam mit zwei US-Kollegen, den Nobelpreis für die Erzeugung des so genannten Bose-Einstein-Kondensats.

Ketterle und seinem Team gelang es, Atome auf die tiefstmögliche Temperatur abzukühlen (273,15 Grad). Die Voraussetzungen für einen solchen Erfolg in der Grundlagenforschung, so der 43jährige, seien ähnlich wie bei den Preisträgern. Man brauche viel Ausdauer und vor allem den Willen und die Kraft, das Ziel auch bei Fehlschlägen immer wieder aufs Neue anzusteuern.

Der Wettbewerb Entrepreneur des Jahres wird weltweit in 22 Ländern ausgetragen. In Deutschland wird er dieses Jahr bereits zum sechsten Mal ausgetragen. Initiator dieses begehrten Unternehmerpreises ist die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Namhafte Unternehmen unterstützen den Wettbewerb als Sponsoren: Deutsche Bank, SAP, Deutsche Börse, manager magazin, Frankfurter Allgemeine Zeitung sowie Cap Gemini Ernst & Young.

Alle internationalen Preisträger werden im kalifornischen Palm Springs in das Entrepreneur of the Year Institute aufgenommen. Die Ergebnisse des Wettbewerbs werden in anonymisierter Form in der Studie "Erfolgsfaktoren von Entrepreneurial Growth Companies" aufbereitet. Hier fließen Daten und Fakten aus der Unternehmerpraxis ein, auf denen der Erfolg der Entrepreneure beruht.

Galerie: Die fünf Sieger Überblick: Die 83 Finalisten Methode: Der Weg zum Sieg  Rückblick: Die "Entrepreneure des Jahres" 2001


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