Entrepreneure des Jahres 2001 Heilsbringer

Epigenomics entwickelt mit einem chemischen Trick neue Methoden zur Krebsbekämpfung. Alexander Olek ist Sieger in der Kategorie Start-up - ein Porträt.
Von Claus G. Schmalholz

Alexander Olek führt ein bewegtes Leben. Nach dem Abitur baute er, mit 20 Jahren, in Argentinien ein Forschungslabor auf. Danach studierte er in London, machte in Berlin seinen Doktor in molekularer Genetik, meldete mehrere Patente an und beteiligte sich an der Gründung von zwei Firmen.

Mit 28 Jahren war das dritte Unternehmen dran. Es heißt Epigenomics, beschäftigt rund 100 Mitarbeiter, hat noch keine einzige Mark verdient und genießt dennoch das Vertrauen renommierter Wagniskapitalgeber.

Bislang wurde die Firma mit Sitz in Berlin-Mitte von namhaften Venture-Capital-Gesellschaften mit rund 70 Millionen Mark gefüttert. Weitere Gespräche für eine neuerliche Finanzspritze in Höhe von 50 Millionen Mark führt Olek zur Zeit. Die Investoren setzen Vertrauen in Oleks Produkte. Epigenomics entwickelt zum Beispiel Diagnostiktests, mit denen Krankheiten wie Krebs früher erkannt und gezielter behandelt werden können. Das Ziel ist, in Kooperation mit großen Pharmaunternehmen Medikamente zu produzieren, die eine maßgeschneiderte Behandlung des Patienten erlauben.

Der Clou an Oleks Konzept: Er wendet einen chemischen Trick an. Er analysiert nicht, wie viele andere Biotech-Firmen, den Aufbau des Erbgutes, die DNS. Olek erfasst die Informationen über die aktuelle Funktionsweise der jeweiligen Zellen, in denen sich die DNS befindet.

Diese Daten lassen sich mit seiner Methode der Methylierung, einer einfachen chemischen Reaktion, in einem An/Aus-Schema hunderttausendfach darstellen und so digital weiterverarbeiten.

Olek ist überzeugt, dass am Ende der Entwicklungsarbeit von Epigenomics die Erschließung eines Massenmarkts steht. Die Bestimmung von Brustkrebs funktioniere mit seiner Methode bereits fünfmal schneller und zehnmal billiger als mit konventionellen Methoden, behauptet er.

Ob die Firma ihr Geld künftig vor allem mit einem geplanten Diagnosegerät für Krankenhäuser verdient oder durch die Allianzen mit Pharmaunternehmen, ist noch offen. Olek glaubt jedenfalls fest daran, dass sein Unternehmen in drei Jahren schwarze Zahlen schreibt.

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