Entrepreneure des Jahres 2001 Vom Pauker zum Papst

Titus Dittmann überzeugte mit Titus Mailorder die Jury. Ein ungewöhnlicher Unternehmer - das Porträt.
Von Claus G. Schmalholz

Der Mann ist berühmt. In Münster. Die Taxifahrerin weiß gleich Bescheid. "Zu Titus? Klar kenn' ich den. Der hat drei Cadillacs, der hat's wirklich geschafft."

Der Mann ist anders. Titus Dittmann ist ein Unternehmer, wie er garantiert nicht im Buche steht. Beim Interview sitzt der 52-Jährige mit kurzer Hose am Tisch, barfuß, ein keckes Strichbärtchen am Kinn, am linken Unterarm eine lange Narbe. Ein Unfall bei einem Oldtimerrennen.

In den vergangenen zwei Jahren verdoppelte er nach eigenen Angaben den Umsatz seiner Firmengruppe Titus AG mit 400 Mitarbeitern auf 150 Millionen Mark. Er fertigt, handelt und verkauft Sportartikel und Kleidung für Kinder und Jugendliche. Er erfindet eigene Marken, er organisiert Veranstaltungen, er gilt als der Papst der Skateboard-Szene.

Warum um alles in der Welt ausgerechnet Skateboards? Wie kam er vor über 20 Jahren auf die Idee, die Bretter aus den USA zu importieren und dafür seinen sicheren Beamtenjob als Studienrat hinzuwerfen?

"Herr Dittmann, mit Verlaub, sind Sie eventuell ein wenig verrückt?"

Er schaut verständnisvoll. Solche Fragen ist er gewohnt. Dann kratzt er sich kurz am Strichbärtchen, setzt sein schelmisches Dittmann-Grinsen auf und formuliert sein Erfolgsrezept in sechs einfachen Worten: "Wir verkaufen in erster Linie Emotionen."

Eine einheitliche Zielgruppe Jugend gibt es nicht, hat Dittmann gelernt. Es gibt allerdings hunderte kleiner Mikroszenen ­ Skater, Snowboarder, BMX-Radfahrer ­, denen er passende Angebote mache. Das Problem ist der stete Wechsel der Sportarten, Moden und Vorlieben. Was heute hip ist, kann schon morgen megaout sein.

So sieht Dittmann seine Stärke darin, Veränderungen schnell zu erfassen und flink zu reagieren. Zu diesem Zweck hat er ein modulares Firmensystem aufgebaut: Eine Holding deckt zentrale Funktionen wie Personal, Controlling und Logistik ab; kleine Abteilungen und ein eigenes Franchise-System sichern die Anpassungen an Trends und unterschiedlichste Minizielgruppen.

Der Mann ist hungrig. Jetzt will er ins Ausland. Dittmanns Fernziel klingt, klar, ein wenig verrückt. Von Münster aus will er die USA erobern. "Ich würde gern beweisen", sagt er, "dass es möglich ist, aus der Provinz heraus einen Urban Lifestyle aufzubauen." Dazu grinst er sein schelmisches Dittmann-Grinsen. Kratzt sich erst am Strichbärtchen. Und dann an der Narbe am linken Unterarm.

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