Schock für Putin Ukraine braucht (fast) kein Gas mehr aus Russland

Pipeline als Lebensader: Russlands und sein Präsident Wladimir Putin leiden unter niedrigen Rohstoffpreisen

Pipeline als Lebensader: Russlands und sein Präsident Wladimir Putin leiden unter niedrigen Rohstoffpreisen

Foto: Dmitry Astakhov / AFP
Fotostrecke

Galerie zum Gruseln: Das sind Gazproms Problemfelder

Foto: ANDREY GOLOVANOV/ AFP

Für Wladimir Putin kommt es derzeit ohnehin schon dicke. Aufgrund des abgestürzten Ölpreises gerät die russische Volkswirtschaft an den Abgrund. Schon erwägt der Präsident, sich von Teilen des Rohstoffkonzerns Rosneft zu trennen.

Nun gibt es auch noch eine Hiobsbotschaft aus der Ukraine. Das vom Bürgerkrieg gebeutelte westliche Nachbarland fällt als Russlands Gaskunde weitgehend aus, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg analysiert . Damit hat sich Russlands traditionelles Drohpotenzial, der Ukraine den Gashahn abzudrehen, still und heimlich fast in Luft aufgelöst.

Seit 2011 sind die Importe aus Russland drastisch gesunken - von etwa 40 Milliarden Kubikmetern auf nur noch gut fünf im vergangenen Jahr. Das hat mehrere Ursachen:

• Die Wirtschaft der Ukraine liegt am Boden. Seit 2013 ist das Bruttoinlandsprodukt um 19 Prozent gesunken

• Die zuletzt milden Winter haben den Heizbedarf drastisch gesenkt

• Vor allem aber bezieht die Ukraine inzwischen mehr Gas aus dem Westen, besonders über die Slowakei. Dabei handelt es sich faktisch auch um Gas aus Russland, das westliche Versorger an die Ukraine weiterverkaufen.

Lange hatte Gazprom sich gegen derartige Geschäfte gewehrt. Doch die Europäische Kommission hatte im Frühjahr 2015 entschieden, dass der russische Gaskonzern diese Praxis aus wettbewerbsrechtlichen Gründen hinnehmen muss.

Die Ukraine wird von Tag zu Tag selbstbewusster

Und so hat die Ukraine im vergangenen Jahr bereits zehn Milliarden Kubikmeter Gas aus dem Westen importiert. Das ist doppelt so viel wie aus Russland.

Immerhin beträgt der Marktanteil von russischem Gas in der gesamten EU noch 41 Prozent. Zweitwichtigster Lieferant ist Norwegen, dahinter folgt mit einigem Abstand Algerien.

Doch auch andere mittel- und osteuropäische Länder verringern ihre Abhängigkeit von russischem Gas. So haben Polen und Litauen Flüssiggasterminals gebaut, über die sie Gas aus den USA oder Katar importieren können. Auf diese Weise erhöhen die Länder ihre Versorgungssicherheit und haben am Markt eine besserer Position.

In der ukrainischen Führung wächst bereits das Selbstbewusstsein gegenüber Russland. Sein Land werde von Gazprom kein Gas zum verlangten Preis von 212 Dollar pro Tausend Kubikmeter kaufen, sagte Premierminister Arsenij Petrowytsch Jazenjuk unlängst. Gas aus dem Westen koste nur 200 Dollar.

Mag es derzeit in weiten Teilen Europas auch kräftig frieren - Russlands Status als Energie-Supermacht schmilzt in hohem Tempo dahin.

Lesen Sie auch: Diese fünf Länder könnten Russland, Saudi-Arabien und Co. bald als Energie-Supermächte ablösen.