Nord Stream 2 Abschreibung brockt Wintershall Dea Milliardenverlust ein

Der Öl- und Gaskonzern muss unter anderem wegen der Abschreibung auf die umstrittene Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 einen Milliardenverlust für das erste Quartal verbuchen. Hohe Öl- und Gaspreise dämpfen jedoch das schwache Ergebnis der BASF-Tochter.
Wintershall Dea-Chef Mario Mehren sagt, Gasimporte aus Russland könnten ersetzt werden, aber nicht schnell

Wintershall Dea-Chef Mario Mehren sagt, Gasimporte aus Russland könnten ersetzt werden, aber nicht schnell

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Uwe Zucchi/ picture alliance / dpa

Die umstrittene Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 hat den Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea zum Jahresauftakt in die roten Zahlen rutschen lassen. Wegen einer milliardenschweren Abschreibung auf Vermögenswerte im Zusammenhang mit dem Russland-Geschäft hat die BASF-Tochter hohe Verluste geschrieben. Der Nettoverlust habe in den ersten drei Monaten eine Milliarde Euro betragen, teilte der Konzern am Donnerstag in Kassel mit.

Wintershall Dea verbuchte Wertminderungen von insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro. Bereinigt um Sondereffekte wie die Abschreibung legte der Überschuss dank kräftig gestiegener Öl- und Gaspreise von 171 Millionen Euro im Vorjahr auf 669 Millionen Euro zu.

Der Krieg sei ein "fundamentaler Wendepunkt" sowohl für die Geopolitik als auch für Wintershall Dea direkt, sagte Unternehmenschef Mario Mehren (51). "Ein 'Weiter so' mit Russland kann es jetzt nicht geben. Wird es nicht geben. Daran besteht kein Zweifel."

Für die Forderung nach einem Energieembargo und einem sofortigen Stopp aller bestehenden Projekte in Russland zeigte Mehren Verständnis. Aber er verstehe auch das komplexe Dilemma, in dem die Bundesregierung stecke. Denn sie trage große Verantwortung für Deutschland, für die Wettbewerbsfähigkeit, für Wohlstand und gesellschaftlichen Frieden. Gasimporte aus Russland könnten "ersetzt werden. Aber nicht schnell", fügte er hinzu.

Wintershall führt Russland-Geschäfte fort

An seinen bestehenden Projekten in Russland will Wintershall trotz des Krieges in der Ukraine festhalten. Nach "intensiven Diskussionen" habe sich die Geschäftsführung entschieden, "unsere Beteiligung an unseren Projekten in Russland weiterzuführen", sagte Mehren. Neue Projekte in Russland würden aber nicht mehr begonnen, Zahlungen an Russland seien ausgesetzt worden.

Mehren verwies auf die Verantwortung des Unternehmens für die eigenen Mitarbeiter und die europäische Energieversorgung. Hätte sich das Unternehmen für einen vollständigen Rückzug vom russischen Markt entschieden, so wären "Vermögenswerte in Milliardenhöhe an den russischen Staat gefallen".

Wintershall Dea ist 2019 aus der Fusion der Wintershall Holding GmbH und der Dea AG hervorgegangen. Das Unternehmen mit Sitz in Kassel und Hamburg beschäftigt weltweit knapp 2500 Menschen. BASF hält rund 65 Prozent an Wintershall Dea. Der Rest gehört LetterOne, einer Beteiligungsgesellschaft, in der der russische Oligarch Michail Fridman seine Dea-Anteile gebündelt hat.

Seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine liegt die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 auf Eis. Die rund 9,5 Milliarden Euro teure Pipeline gehört dem russischen Gaskonzern Gazprom, die Finanzierung hatten aber zur Hälfte Wintershall Dea, der Versorger Uniper, die österreichische OMV, die französische Engie und Shell übernommen.

dri/dpa, Reuters