BASF-Tochterunternehmen Wintershall Dea hält an Russland fest und will heimische Förderung steigern

Wintershall Dea hält an seiner Allianz mit Gazprom fest. Vorstandschef Mehren begründet das mit den damit verbundenen hohen Vermögenswerten, möchte aber künftig verstärkt auf heimische Öl- und Gasförderung setzen. Derweil steigt der Quartalsgewinn um 187 Prozent.
Tiefpumpen in Emlichheim: Wintershall Dea möchte die heimische Öl- und Gasförderung steigern

Tiefpumpen in Emlichheim: Wintershall Dea möchte die heimische Öl- und Gasförderung steigern

Foto: FABIAN BIMMER / REUTERS

Der Öl- und Gasförderer Wintershall Dea will trotz des anhaltenden Kriegs in der Ukraine nicht aus seinen Beteiligungen in Russland aussteigen. "Unsere Meinung über das Russlandgeschäft hat sich nicht geändert", sagte Vorstandschef Mario Mehren (51) am Dienstag bei der Vorlage der Halbjahreszahlen. Wintershall Dea werde seine Gemeinschaftsunternehmen in Russland mit dem russischen Gaskonzern Gazprom fortsetzen. Der Vorstand sei verpflichtet, die Vermögenswerte von Wintershall Dea in dem Land und die Mitarbeiter dort zu schützen, betonte Mehren. "Russland einfach zu verlassen, würde bedeuten, der russischen Regierung ein großes Geschenk zu machen und ich sehe keinen Grund dafür."

Das Kasseler Unternehmen, an dem der Chemiekonzern BASF derzeit 72,7 Prozent und die Investorengruppe Letter One des russischen Milliardärs Michail Fridman (58) einen Anteil von 27,3 Prozent halten, hatte im März entschieden, keine neuen Projekte zur Öl- und Gas-Förderung in Russland mehr voranzutreiben und Zahlungen in das Land einzustellen.

Russland bleibt wichtig für Wintershall Dea

Wintershall Dea erzielte dort im ersten Halbjahr rund 51 Prozent seiner Gesamtproduktion und ist an drei Förderprojekten am Erdgasfeld Juschno Russkoje sowie der Achimov-Formation des Urengoi-Felds in Sibirien beteiligt. Das Unternehmen ist mit einem Anteil von 15,5 Prozent zudem Miteigentümer der Nord Stream AG, der die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 1 gehört.

Der Gazprom-Konzern, der eine Mehrheit von 51 Prozent an dem Pipeline-Projekt hält, hatte am Montag eine Halbierung der Gasliefermenge angekündigt - nur wenige Tage nach der Wiederaufnahme der Gaslieferungen durch die Ostsee-Pipeline. Mehren sagte, er spekuliere nicht über die Gründe für die Reduzierung der Liefermengen. "Ich habe keine Einsicht, selbst als Aktionär der Nord Stream AG, was die wirklichen Gründe für diese Reduzierung sind." Wintershall Dea plane, keine Anteile an dem Pipeline-Projekt zu verkaufen, auch wenn Gazprom das Vertrauen in Russland als zuverlässigen Lieferanten für Europa zerstört habe.

"Wir brauchen wieder mehr heimische Förderung"

Mario Mehren, Chef der BASF-Tochter Wintershall Dea

Wenn Europa seine Abhängigkeit von Importen verringern wolle, sei die Produktion innerhalb der EU ein Muss, sagte Mehren. "Wir brauchen wieder mehr heimische Förderung." Wintershall Dea prüfe daher alle Optionen, um die Produktion aus seinen deutschen Feldern so schnell wie möglich zu steigern. Aktuell fördert das Unternehmen hierzulande aus 16 Öl- und rund 40 Gasfeldern und hat seine Aktivitäten auf die drei wichtigsten Erdgas- und Erdölförderstätten in Norddeutschland konzentriert.

Im zweiten Quartal erhöhte Wintershall Dea seine Produktion insgesamt um 2 Prozent auf 623.000 Barrel Öläquivalent (BOE) pro Tag. Die drei russischen eigenfinanzierten Joint Ventures Achimgaz, Severneftegazprom und Achim Development produzierten ohne Unterbrechung auf dem geplanten Niveau. Das Gesamtjahresziel für die Produktion erhöhte der Konzern auf 620.000 bis 640.000 von 610.000 bis 630.000 BOE pro Tag.

Gewinn von Wintershall Dea steigt rasant

Das operative Ergebnis stieg im zweiten Quartal binnen Jahresfrist um 187 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Der bereinigte Nettogewinn schnellte auf 608 Millionen Euro von zuvor 168 Millionen Euro. Der Konzern profitierte von kräftig gestiegenen Öl- und Gaspreisen sowie von höheren Produktionsmengen und niedrigeren Investitionen.

hr/Reuters, DPA
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