Energieversorger in Not Österreich hilft Wien Energie mit Zwei-Milliarden-Kredit

Österreichs in Not geratener Energieversorger Wien Energie erhält vom Staat einen Kredit über zwei Milliarden Euro. Energieministerin Leonore Gewessler fordert Aufklärung, wie es zu der finanziellen Schieflage kommen konnte. Wettbewerber des Unternehmens hätten keine Probleme.
Fordert Aufklärung: Bei anderen Energieversorgern in Österreich gebe es keine vergleichbare Situation, sagte Klima-Ministerin Leonore Gewessler (Grüne)

Fordert Aufklärung: Bei anderen Energieversorgern in Österreich gebe es keine vergleichbare Situation, sagte Klima-Ministerin Leonore Gewessler (Grüne)

Foto: IMAGO/Michael Indra / IMAGO/SEPA.Media

Mit einem Kredit über zwei Milliarden Euro hilft die österreichische Bundesregierung dem Energieversorger Wien Energie aus einer bedrohlichen finanziellen Klemme. Die Versorgungssicherheit von zwei Millionen Menschen sei in Gefahr gewesen, sagte Bundeskanzler Karl Nehammer (49; ÖVP) am Mittwoch in Wien. Das Darlehen sei an Auflagen gebunden und laufe bis zum April 2023. "Zwei Milliarden in 72 Stunden ist ein einzigartiger Vorgang in der Republik."

Am Wochenende hatte Wien Energie, ein Tochterunternehmen der Stadt, wegen der Turbulenzen auf den Strom- und Gasmärkten den Bund um Hilfe gebeten und einen Kreditrahmen von bis zu sechs Milliarden Euro in den Raum gestellt. Wien Energie ist der größte regionale Energieversorger Österreichs.

Der Bund forderte von der Stadt Aufklärung, wie es zu der Situation kommen konnte. Außerdem werde bis April 2023 ein Vertreter des Bundes in den Aufsichtsrat des Unternehmens entsandt, hieß es. Die bisherigen Erklärungsversuche reichen nach Ansicht des Chefs der Finanzprokuratur, Wolfgang Peschorn, nicht aus. Es gehe um die "rasche Aufklärung, woher diese Liquiditätsprobleme gekommen sind, die für Jedermann, der den logischen Denkgesetzen folgt, nicht nur mit Markt-Problemen allein aufs Erste erklärbar sind", sagte Peschorn. Vertreter der Bundesregierung orteten mögliche Mängel beim Risiko-Management des Unternehmens.

Schutzschirm bislang nicht nötig

Bei anderen Energieversorgern in Österreich gebe es keine vergleichbare Situation, sagte Klima-Ministerin Leonore Gewessler (Grüne). Auch ein entsprechender Schutzschirm für die Branche, wie es ihn bereits in Deutschland gebe, sei bisher von den Unternehmen nicht für notwendig erachtet worden, hieß es. In Deutschland hatte bereits der in Finanznöte geratene Energiekonzern Uniper staatliche Hilfen bekommen, die aber offenbar nicht ausreichten. Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach bat den Bund in dieser Woche um weitere vier Milliarden Euro. Nach Kritik an der Gasumlage, mit der notleidende Konzerne wie Uniper gerettet werden soll, kündigte die Regierung eine Überarbeitung des Instruments an.

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hatte am Dienstag die Probleme auf die Turbulenzen an den Energiebörsen zurückgeführt. Dort seien außergewöhnliche Kautionszahlungen für Energiegeschäfte nötig geworden.

Verborgene Hilfen werfen Fragen auf

Für Diskussionen sorgen indes nicht nur die Zahlungen, sondern auch die Frage der Transparenz. Die Stadtspitze hatte in den vergangenen Wochen nach eigenen Angaben der Wien Energie insgesamt bereits 1,4 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, ohne darüber weitere Gremien oder die Öffentlichkeit zu informieren.

dri/dpa-afxp
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