Eine-Milliarde-Euro-Finanzierung Wintershall Dea schreibt Nord Stream 2 komplett ab

Angesichts des Angriffs Russlands auf die Ukraine zieht Wintershall Dea einen Schlussstrich unter das Thema Nord Stream 2: Der Konzern schreibt die Finanzierung der umstrittenen Pipeline in Höhe von einer Milliarde Euro vollständig ab und distanziert sich von neuen Projekten in Russland.
Gescheitertes Pipeline-Projekt: Nord Stream 2 hat angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine wohl kaum noch eine Zukunft

Gescheitertes Pipeline-Projekt: Nord Stream 2 hat angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine wohl kaum noch eine Zukunft

Foto: DADO RUVIC / REUTERS

Der Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea schreibt das vor dem Aus stehende Ostseepipeline-Projekt Nord Stream 2 als erster Beteiligter vollständig ab. Der Vorstand habe entschieden, den Anteil von Wintershall Dea an der Finanzierung von rund einer Milliarde Euro abzuschreiben, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Die rund 9,5 Milliarden Euro teure Pipeline gehört dem russischen Gaskonzern Gazprom, die Finanzierung hatten aber zur Hälfte Wintershall Dea, der Versorger Uniper, die österreichische OMV, die französische Engie und Shell übernommen. Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine liegt die Pipeline auf Eis.

Die in der Schweiz ansässige Projektgesellschaft Nord Stream 2 AG hat alle ihre Mitarbeiter bereits entlassen, nach Angaben vom Mittwoch aber bisher keinen Insolvenzantrag gestellt. Nach Reuters-Informationen könnte das aber noch in dieser Woche passieren.

Wintershall DEA, an der der Chemiekonzern BASF 67 Prozent hält, will zugleich alle neuen Projekte zur Öl- und Gas-Förderung in Russland stoppen. Zahlungen nach Russland würden sofort eingestellt. An den bestehenden Erdgas-Förderprojekten Juschno Russkoje und Achimov in Sibirien hält das Unternehmen aber fest.

OMV überprüft Nord-Stream-2-Teilnahme

Zuvor hatte auch der österreichische Energiekonzern OMV mitgeteilt, seine weitere Teilnahme an der Gazprom-Pipeline Nord Stream 2 zu überpüfen. Eine mögliche Beteiligung an einem riesigen Gasfeld der staatlichen russischen Gazprom wolle OMV zudem aufgeben, wie das Unternehmen am Dienstag in Wien bekanntgab.

In den vergangenen Tagen hatten andere europäische Energiekonzerne ähnliche Schritte als Reaktion auf die russische Invasion in die Ukraine angekündigt: Die niederländisch-britische Shell will ihre Zusammenarbeit mit dem Gasmonopolisten Gazprom beenden. Die britische BP hat sich von ihren Anteilen am russischen Ölunternehmen Rosneft getrennt.

Die teilstaatliche OMV hatte jahrelang mit Gazprom über Anteile an Förderblöcken in Westsibirien verhandelt. Laut einer Mitteilung von 2019 war damals ein Kaufpreis von 905 Millionen Euro vorgesehen.

Die deutsche Bundesregierung hat das Genehmigungsverfahren für Nord Stream 2 angesichts der russischen Invasion auf Eis gelegt. Die USA verhängten Sanktionen gegen die Nord Stream 2 AG im Schweizer Kanton Zug, die nun laut einer Schweizer Behördenvertreterin vor dem wirtschaftlichen Aus steht.

Uniper hält an Russland-Geschäft fest

Deutschlands größter Importeur von russischem Erdgas Uniper hält indes an seinem Russland-Geschäft fest. Als Energieunternehmen müsse man weiterhin seiner Verantwortung gegenüber den Kunden gerecht werden, "indem wir dazu beitragen, die Versorgung mit Gas und Strom in Deutschland und Europa zu sichern", so ein Sprecher. Auch habe man eine Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern. "Daher werden wir unser Geschäft in Russland weiter verantwortungsvoll betreiben. Bestehende Verträge zur Strom- und Gasversorgung in Russland und Europa, für die russische Gasimporte eine wesentliche Rolle spielen, werden wir einhalten."

Knapp 5000 der insgesamt rund 11.500 Uniper-Beschäftigten arbeiten bei der russischen Tochtergesellschaft Unipro, an der Uniper zu rund 84 Prozent beteiligt ist. Uniper selbst gehört mehrheitlich zum finnischen Fortum-Konzern.

cr/dpa-afx, Reuters