Mittwoch, 16. Oktober 2019

Wasserstoff-Revolution Diese künstliche Super-Sonne soll alle Treibstoffprobleme lösen

Jülicher Giga-Lichtquelle: Die Kraft von 10.000 Sonnen
DPA

2. Teil: Schier unerschöpfliches Energie-Reservoir der Sonne

Mit rund 350 Kilowatt hat die künstliche Sonne nach DLR-Angaben etwa das Zehnfache der Leistung herkömmlicher Laboranlagen - und mehr als alle Labor-Hochleistungsstrahler weltweit. Die Anlage besteht aus 149 Lampen, die normalerweise für Großkino-Projektoren verwendet werden.

"Wir verwenden die Lampen, weil ihr Licht dem der Sonne am ähnlichsten ist", sagt der Projektleiter. Die innen verspiegelten Lampenschirme haben einen Durchmesser von einem Meter. Sie sind auf einer 14 Meter hohen und 16 Meter breiten Fläche wabenförmig angeordnet.

Die Forschungsarbeiten in der Sonnensimulation werden nach DLR-Einschätzungen "etliche Jahre" dauern. Es gilt, das schier endlose Energie-Reservoir der Sonne nutzbar zu machen: "Die Sonne schickt uns das 10.000-fache des Weltenergieverbrauchs auf die Erde. Das ist ein Vielfaches der natürlichen Ressourcen, die es an Brennstoffen und Treibstoffen noch gibt", sagt Wieghardt.

Mit dem direkten Verfahren geht die DLR einen eher ungewöhnlichen Weg. Üblich ist bei der Gewinnung von Wasserstoff der Umweg über die Elektrolyse: Dazu wird zunächst Sonnen- oder auch Windenergie in Strom umgewandelt und mit dessen Hilfe schließlich Wasserstoff gewonnen.

Dieses Verfahren sei technisch ausgereift, teilt das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) mit. Wichtigste Stellschraube für die Wissenschaft sei die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit. Die Solarforscher in Jülich gehen davon aus, dass sie das mit ihrem Verfahren erreichen werden.

Der Sonnensimulator selbst ist ein Energiefresser: In vier Stunden Betrieb verbraucht die Anlage so viel Strom wie ein vierköpfiger Haushalt in einem Jahr. Ein relativer Wert, wie Wieghardt meint. Denn ein Ziel sei es, mit "Synlight" die Effizienz von Solarkraftwerken zu verbessern. Wenn dadurch nur ein Solarkraftwerk ein Prozent effektiver werde, würde sich der Energieaufwand nach Einschätzung der Forscher schon bezahlt machen.

Elke Silberer, dpa/nis

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