Explosive Energiequelle Dekra-Chef: Sind noch nicht bereit für Wasserstoff

Wasserstoff gilt als eine vielversprechende Energiequelle der Zukunft. Doch die Chemikalie ist auch hochexplosiv. Für Stan Zurkiewicz, Chef der Prüforganisation Dekra, gibt es daher noch einiges zu klären.
Hochexplosiv: Die bestehende Infrastruktur ist aus Sicht von Dekra-Chef Stan Zurkiewicz noch nicht sicher genug

Hochexplosiv: Die bestehende Infrastruktur ist aus Sicht von Dekra-Chef Stan Zurkiewicz noch nicht sicher genug

Foto: Thomas Küppers / dpa

Für einen breit angelegten Einsatz von Wasserstoff ist die Infrastruktur in Deutschland nach Ansicht des Chefs der Prüforganisation Dekra noch nicht bereit. "Wasserstoff ist eine hochexplosive Chemikalie. Und es ist eine Chemikalie, die die Behälter, in denen sie transportiert wird, sehr aggressiv angreift", sagte Dekra-Vorstandsvorsitzender Stan Zurkiewicz der Deutschen Presse-Agentur. Die Materialien könnten verspröden und Gas könne austreten.

In Zukunft müssten vor allem Erdgas-Pipelines für den Transport von Wasserstoff umfunktioniert werden. Dabei müsse auch die Frage gestellt werden, ob die bestehende Infrastruktur angesichts der chemischen Eigenschaften von Wasserstoff sicher genug sei. "Ich würde sagen: Noch nicht." Auch Autohersteller und andere Industrien, die Wasserstoff als Energiequelle nutzen wollen, müssten sich mit diesem Thema befassen.

Batterie-Technologie hat 10 Jahre Vorsprung

Trotz dieser technischen Hürden spiele Wasserstoff in Zukunft eine entscheidende Rolle. "Im Nutzfahrzeugbereich für den Langstreckentransport wird Wasserstoff wahrscheinlich die dominierende Technologie sein", sagte Zurkiewicz. Seiner Ansicht nach liege die Entwicklung der Wasserstoff-Technologie für einen flächendeckenden Einsatz derzeit etwa zehn Jahre hinter der von Batterie-Technologien.

Die Prüforganisation arbeitet derzeit mit dem Autobauer BMW zusammen und prüfte zuletzt einen Prototypen der Wasserstoff-Kleinserie BMW iX5 Hydrogen in Vorbereitung auf die Straßenzulassung. Dafür sei ein speziell ausgestatteter Prüfstand mit Explosionsschutzkonzept zum Einsatz gekommen. Grundsätzlich seien wasserstoffbetriebene Fahrzeuge aber genau so sicher wie diesel- oder benzinbetriebene Modelle, teilte Dekra mit. Ein Wasserstoffaustritt komme selten vor.

Im Hamburger Hafen ist am Freitagabend im Beisein von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (53, Grüne) per Schiff eine erste Lieferung von Wasserstoff aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) eingetroffen. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums handelt es sich dabei um einen Transport in Form von Ammoniak, um den industriellen Einsatz von Wasserstoff als Brennstoff sowie den Aufbau einer entsprechenden dauerhaften Import- und Wertschöpfungskette zu erproben.

Weitere Ammoniaktestlieferungen aus dem Vereinigten Emiraten sollen demnach ab November in Hamburg eintreffen. Das Projekt war während einer damals viel beachteten Reise von Habeck an den Persischen Golf vereinbart worden, bei der es um die Erschließung dauerhafter alternativer Energiequellen angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine ging.

dri/dpa-afxp, afp
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