Freitag, 19. April 2019

Strategieschwenk Vattenfall sucht Käufer für komplettes Braunkohle-Geschäft in Ostdeutschland

Abraum-Förderbrücke in der Lausitz: Vattenfall will sich von seinen Braunkohle-Aktivitäten trennen

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall zieht sich aus dem Braunkohle-Geschäft in Ostdeutschland zurück. Weil daran Tausende Arbeitsplätze hängen, wird die Käufersuche ein Politikum.

Berlin - Der schwedische Energiekonzern Vattenfall bietet seine Braunkohle-Tagebaue und Kohlekraftwerke in Ostdeutschland zum Kauf an. Es würden Optionen für eine "nachhaltige und neue Eigentümerstruktur" geprüft, erklärte Vattenfall-Chef Magnus Hall am Donnerstag.

Vattenfalls Entscheidung ist der Startschuss für komplexe Verhandlungen über die Zukunft des Braunkohle-Geschäfts in den nächsten Monaten. Nach Angaben des Konzerns hängen davon in Ostdeutschland direkt und indirekt rund 33.500 Arbeitsplätze ab.

Daher werden die Regierungen in Brandenburg und Sachsen stark auf die Entscheidung Einfluss zu nehmen versuchen. Wie teuer die Übernahme der Tagebaue und Kohlekraftwerke in der Lausitz werden könnte, ist aufgrund der unsicheren politischen Rahmenbedingungen allerdings schwer abzuschätzen.

Finanzinvestoren und Tschechen als mögliche Interessenten

Zwei mit der Strategie von Vattenfall vertraute Personen nannten gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters Finanzinvestoren wie KKK, Blackstone und CVC als mögliche Interessenten. Auch die tschechischen Versorger EPH und CEZ könnten ein Auge auf die Geschäfte werfen. Den Wert schätzten sie auf zwei bis drei Milliarden Euro.

"Unsere Strategie sieht klar eine Reduzierung unserer Kohlendioxidexponierung und eine Umstellung unseres Erzeugungsportfolios auf erneuerbare Energien vor", ließ der Chef des Staatskonzerns verlauten. Der schwedische Staatskonzern stürzte im dritten Quartal mit einem Minus von umgerechnet 1,94 Milliarden Euro deutlich in die Verlustzone.

Hinter dem Strategieschwenk steht allerdings auch der jüngste Regierungswechsel in Schweden. Die neue rot-grüne Koalition hat von Vattenfall den Ausstieg aus der klimaschädlichen Braunkohle verlangt.

Greenpeace fordert Stilllegung der Kraftwerke

Dabei wurden auch Forderungen laut, das Geschäft nicht nur weiterzureichen, sondern dessen Stilllegung einzuleiten. Dies forderte am Donnerstag die Umweltorganisation Greenpeace. Dagegen wehrt sich die brandenburgische Landesregierung. Sie sieht in der Braunkohleförderung einen wichtigen Teil der heimischen Industrie.

Das Unternehmen verstehe die gegenwärtige und künftige Bedeutung der Stromerzeugung aus Braunkohle für die regionale Wirtschaft und für Deutschlands Energiepolitik, sagte nun Hall. Die Landesregierungen von Brandenburg und Sachsen seien wichtige Ansprechpartner für Vattenfall in der Lausitz und "wir setzen auch weiterhin auf den engen Dialog".

Seinen übrigen Geschäftsaktivitäten in Deutschland - Fernwärme, Vertrieb und Verteilnetze sowie Handel, Windkraft und weitere Energieerzeugung - bleibe Vattenfall weiterhin verpflichtet.

nis/rtr/dpa

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