Gasversorger Weg für Uniper-Verstaatlichung ist frei

Die Aktionäre des Energiekonzerns Uniper haben auf der Hauptversammlung den Weg für eine Verstaatlichung des krisengeplagten Versorgers geebnet. Der größte deutsche Gashändler könnte damit schon in dieser Woche dem Staat gehören.
Wird verstaatlicht: Kriselnder Gas-Importeur Uniper

Wird verstaatlicht: Kriselnder Gas-Importeur Uniper

Foto: WOLFGANG RATTAY / REUTERS

Die Uniper-Aktionäre haben den Weg für die weitgehende Verstaatlichung des angeschlagenen Energiekonzerns freigemacht. Sie stimmten am Montag auf einer außerordentlichen Hauptversammlung für die mit der Bundesregierung und dem bisherigen finnischen Mehrheitsaktionär Fortum beschlossenen Stabilisierungsmaßnahmen. Der Bund werde "voraussichtlich noch in dieser Woche" als Mehrheitsaktionär bei Uniper einsteigen.

Das Rettungspaket sieht unter anderem eine Kapitalerhöhung von 8 Milliarden Euro vor, zu dessen Zeichnung ausschließlich der Bund berechtigt ist. Weiterhin wird der Bund Fortums Anteil an Uniper übernehmen. Anschließend wird der Bund zu etwa 98,5 Prozent an Uniper beteiligt sein. Da Fortum bislang mit rund 78 Prozent Mehrheitsaktionär von Uniper war, galt die Zustimmung zu den Stabilisierungsmaßnahmen im Vorfeld als sicher.

99,46 Prozent der vertretenen Aktionärsstimmen stimmten für die milliardenschwere Kapitalerhöhung. 99,55 Prozent der auf der außerordentlichen Hauptversammlung anwesenden Stimmen stimmten für das Genehmigte Kapital von bis zu 25 Milliarden Euro. Auf der Aktionärsversammlung waren über 82 Prozent des Kapitals vertreten.

Maubach rechnet mit Rückkehr in die Gewinnzone

Uniper rechnet erst mittelfristig mit einer Rückkehr in die Gewinnzone. "Wir erwarten, dass wir mittelfristig nach Auslaufen der Verluste aus den Gasersatzbeschaffungen in Folge der Nichtlieferung russischen Gases wieder positive Ergebnisse erwirtschaften", sagte Vorstandschef Klaus-Dieter Maubach (60) auf der außerordentlichen Hauptversammlung. Ohne die notwendigen Mittel aus den Kapitalerhöhungen wäre der Fortbestand Unipers jedoch gefährdet. Die Beschlüsse seien essentiell für Uniper.

Uniper war ins Straucheln geraten, weil Russland seine Gaslieferungen nach Deutschland schrittweise eingestellt hatte. Um seine Lieferverpflichtungen gegenüber Stadtwerken und Industrieunternehmen einhalten zu können, musste Uniper Gas teuer an den Energiebörsen einkaufen. Die täglichen Verluste beliefen sich zeitweise auf über 200 Millionen Euro.

"Uniper ist eine zentrale Säule der deutschen Energieversorgung", erklärte unterdessen das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Der Konzern betreibe kritische Infrastruktur im Bereich Energie in Deutschland und spiele eine zentrale Rolle bei der Versorgung mit Gas und Strom. "Durch die mehrheitliche Übernahme erlangt der Bund die wesentlichen Mitsprache- und Kontrollrechte bei dem Unternehmen, um die Versorgungssicherheit in Deutschland sicherstellen zu können."

hr mit Nachrichtenagenturen
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