Ökostromgeschäft soll wachsen Uniper und Fortum wollen ziemlich beste Öko-Freunde sein

Die finnische Mutter Fortum und Uniper wollen grüner werden. Ab 2035 soll der produzierte Strom in Europa nur noch aus erneuerbaren Energien stammen. Auch scheint sich die Stimmung nach dem Übernahmestreit zu bessern.
Wollen mehr grünen Strom produzieren: Der finnische Energiekonzern Fortum und seine deutsche Tochter Uniper

Wollen mehr grünen Strom produzieren: Der finnische Energiekonzern Fortum und seine deutsche Tochter Uniper

Foto: Ints Kalnins / REUTERS

Nach ihrem heftigen Übernahmestreit wollen der finnische Energiekonzern Fortum und seine neue Tochter Uniper gemeinsam eine klimafreundlichere Stromproduktion aufbauen. Die Stromerzeugung solle in Europa bis 2035 und in allen anderen Märkten bis 2050 klimaneutral sein, teilten die Konzerne am Donnerstag mit .

Fortum-Chef Markus Rauramo (52) sagte auf dem Capital Markets Day, dass eine CO2-neutrale Stromerzeugung und umweltfreundliches Gas die Grundpfeiler des gemeinsamen Konzerns seien. Auch beim Zukunftsgeschäft mit Wasserstoff wollen Uniper und Fortum mitmischen.

Uniper-Chef Andreas Schierenbeck (54) betonte, Uniper sei bereits jetzt auf allen Stufen der Wasserstoff-Wertschöpfungskette vertreten. "Kombiniert mit dem starken Marktzugang von Fortum in den nordischen Ländern gibt dies beiden Unternehmen die Möglichkeit, den internationalen Wasserstoffmarkt aktiv zu gestalten."

Auch Stromerzeugung in Russland soll grüner werden

Die ehemalige Eon-Kraftwerkstochter will ihre Ökostromkapazitäten ausbauen. Uniper werde bis 2025 zusätzlich ein Gigawatt Solar- und Windenergie aufbauen, weitere drei Gigawatt sollen in den folgenden Jahren dazukommen. Auch in Russland, wo beide Konzerne Strom erzeugen, solle die Produktion schrittweise auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Gleichzeitig sollen Anlagen mit fossilen Brennstoffe nach und nach reduziert werden.

Allerdings steht das aktuelle gemeinsame Bekenntnis zu mehr grünem Strom paradoxerweise auch mit dem Start des umstrittenen Steinkohlekraftwerks Datteln 4 in diesem Jahr, das Ende Mai  seinen Regelbetrieb aufgenommen hat. Es wird das letzte im Uniper-Portfolio verbleibende Steinkohlenkraftwerk in Deutschland sein und soll erst 2038 stillgelegt werden.

Fortum hatte 2017 zum ersten Mal nach Uniper gegriffen und war dort auf heftigen Widerstand gestoßen. Inzwischen habe sich das Klima deutlich verbessert. Insbesondere seit dem Führungswechsel bei Fortum von Pekka Lundmark (56) zu Markus Rauramo habe sich das Verhältnis verbessert, sagte Uniper-Betriebsratschef Harald Seegatz der Nachrichtenagentur Reuters. Die Mitbestimmungsrechte würden gewahrt, "wir sind voll eingebunden in regelmäßige Gespräche". Die Mitarbeiter seien abgesichert und auch der Standort Düsseldorf solle erhalten bleiben.

Offenbar bessere Stimmung unter neuem Vorstand

Fortum hält inzwischen rund 75 Prozent an dem im MDax notierten Konzern, wofür die Skandinavier 6,5 Milliarden Euro hingeblättert haben. Fortum-Chef Rauramo bezifferte die Synergieeffekte der beiden Unternehmen auf mehr als 50 Millionen Euro jährlich. Bis 2025 sollen sie dann auf nahezu 100 Millionen steigen. Dadurch werde für beide Unternehmen und deren Aktionäre ein Mehrwert generiert, hieß es. Dies sei allerdings etwas weniger als vom Markt erwartet, schrieben die Experten von JP Morgan.

Aktien von Uniper notierten am Donnerstag zeitweise 2 Prozent tiefer, Papiere von Fortum 3 Prozent.

rei/Reuters, dpa
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