Rubel-Forderungen Uniper will Zahlungen für Gas auf russisches Konto umstellen

Deutschlands größter Importeur von russischem Gas geht auf Putins Forderung ein und will Zahlungen künftig über die Zwei-Konten-Lösung abwickeln. Dass Russland auch Deutschland den Gashahn zudrehen könnte, befürchtet Konzernchef Maubach daher nicht. Er warnt jedoch vor einem Öl-Embargo.
Der Energiekonzern Uniper will seine Zahlungen für die russischen Gaslieferungen auf ein russisches Konto umstellen, von dem sie dann von Euro in Rubel konvertiert werden

Der Energiekonzern Uniper will seine Zahlungen für die russischen Gaslieferungen auf ein russisches Konto umstellen, von dem sie dann von Euro in Rubel konvertiert werden

Foto: Thilo Schmuelgen / REUTERS

Der Energiekonzern Uniper bereitet sich darauf vor, russisches Gas über die "Zwei-Konten-Lösung" zu bezahlen. "Das heißt, wir zahlen weiterhin in Euro und es findet, orchestriert über die Gazprom-Bank, eine unmittelbare Konvertierung in Rubel statt. Dass die Russen dann sagen, wir hätten in Rubel bezahlt, damit müssten wir dann leben. Das Verfahren ist intensiv mit der Bundesregierung besprochen", sagte der Uniper-Vorstandsvorsitzende Klaus-Dieter Maubach der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung ". Uniper ist Deutschlands größter Importeur von russischem Erdgas.

Die Zahlung in Euro soll nach Angaben des Unternehmens auf ein Konto in Russland erfolgen und mit dem Sanktionsrecht konform sein. Zu den künftigen Zahlungsmodalitäten gebe es noch keine Entscheidung, sagte ein Sprecher am Donnerstag. "Möglich ist, dass wir auf ein Gazprom-Konto in Russland zahlen. Bislang zahlen wir auf ein Gazprom-Konto in Europa." Russland fordert von "unfreundlichen Staaten", darunter Deutschland, die künftige Bezahlung der Gasrechnungen in Rubel.

Sorge, dass Deutschland wegen der von Russland geforderten Bezahlung in Rubel als nächstes Land von der Belieferung abgeschnitten wird, hat Maubach nicht. "Der Rubelumtausch jedenfalls bietet dafür keinen Anlass. Da war die Lage in Polen und Bulgarien völlig anders", sagte er.

Der Uniper-Chef warnt jedoch vor indirekten Folgen eines Öl-Embargos gegen Russland. "Sollte der Westen ein Öl-Embargo beschließen, ist nicht auszuschließen, dass die Russen mit einem Gaslieferstopp reagieren", sagte Maubach. Die Bundesregierung will ein Öl-Embargo der EU offenbar unterstützen, sofern es Schritt für Schritt erfolgt. Das berichtet die Nachrichtenagentur "Bloomberg ", die sich dabei auf Aussagen von Personen bezieht, die Gespräche zwischen EU-Botschaftern mitbekommen haben.

Abschreibungen wegen russischer Tochter belasten die Bilanz

Wegen hoher Abschreibungen und turbulenter Energiemärkte ist der Energieversorger mit einem Milliardenverlust ins Jahr gestartet. Die Ergebnisse des ersten Quartals dürfte deutlich hinter den Zahlen des Vorjahres zurückbleiben, teilte das Unternehmen überraschend am Dienstagabend nach Börsenschluss in Düsseldorf mit. Die Uniper-Aktie  fiel am Mittwoch zeitweise um 5,5 Prozent auf den tiefsten Stand seit Mitte März und war damit das Schlusslicht im MDax.

Der vorläufige Jahresverlust für die ersten drei Monate beläuft sich laut Uniper auf rund drei Milliarden Euro. Das lag vor allem an Wertberichtigungen in Höhe von rund zwei Milliarden Euro infolge der internationalen Sanktionen gegen Russland. Die Abschreibungen betrafen vor allem Unipers russische Tochtergesellschaft Unipro und das Darlehen des Konzerns an die Nord Stream 2 AG. Uniper hatte bereits Anfang März mitgeteilt, den Kredit für die vom russischen Energiekonzern Gazprom mitfinanzierte Ostsee-Pipeline vollständig abgeschrieben zu haben. Dabei ging es einschließlich Zinsen um knapp eine Milliarde Euro.

Gas bleibt wegen Preisrückgang in Speichern

Der Konzern hat sich dafür entschieden, im Voraus verkauftes Gas zunächst weiter in den Speichern zu belassen. Das wirkt sich negativ auf das Ergebnis aus. Laut den vorläufigen Zahlen fiel vor Sondereffekten, Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) im ersten Quartal ein Verlust von 830 Millionen Euro an. Ein Jahr zuvor hatte hier noch ein Plus von 731 Millionen Euro gestanden. Der bereinigte Quartalsverlust beläuft sich den Angaben zufolge voraussichtlich auf 615 Millionen Euro nach einem Gewinn von 594 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Grund für die verschobenen Gasverkäufe ist der Rückgang der Gaspreise im März – auch wegen des warmen Wetters. Stattdessen hat Uniper Gas am Markt zugekauft und dieses geliefert. Der Konzern kalkuliert damit, dass der Gaspreis im zweiten und dritten Quartal wieder steigt und er so mit dem noch eingespeicherten Gas mehr Gewinn erzielen kann. Im ersten Quartal entgehen Uniper so 250 Millionen Euro Gewinn. Der Konzern erwartet aber rund das Dreifache auf Basis einer hohen zweistelligen Marge im restlichen Jahr zu erzielen. Insgesamt habe man die Speicherentnahme im März um 13 Terawatt-Stunden reduziert.

Dass Energiekonzerne die Abflüsse aus Gasspeichern zeitlich verschieben, ist nicht ungewöhnlich. Nicht immer hat dies aber Folgen fürs Ergebnis. Im Gesamtjahr dürften sich die Auswirkungen aus heutiger Sicht auch bei Uniper ausgleichen. Das Management bestätigte seine Jahresprognose. Der Krieg in der Ukraine wirke sich nur begrenzt auf das operative Ergebnis aus. Das Aus für Nord Stream 2 habe allerdings Folgen für den bereinigten Nettogewinn. Die Bundesregierung hatte die Zertifizierung der Gaspipeline schon kurz vor dem russischen Angriff auf die Ukraine auf Eis gelegt.

Für 2022 rechnet Uniper mit einem bereinigten Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 1 bis 1,3 Milliarden Euro sowie mit einem bereinigten Jahresüberschuss von 0,8 bis 1,1 Milliarden Euro. Seine endgültigen Zahlen für die vergangenen drei Monate will Uniper am 3. Mai vorlegen.

dri/dpa-afxp