Freitag, 22. November 2019

Letztes neues Kohlekraftwerk von Uniper noch teurer Kessel kaputt - wird Datteln 4 zum BER der Kohle?

Baustelle des Steinkohlekraftwerks Datteln 4 (Bild von 2015)

Erneute Verzögerungen beim Steinkohlekraftwerk Datteln 4 haben das Ergebnis von Uniper im ersten Quartal belastet. Als Folge muss der Kraftwerksbetreiber rund 270 Millionen Euro abschreiben, wie das Unternehmen am Dienstag in Düsseldorf mitteilte. Das Nettoergebnis sank von 733 Millionen Euro auf 114 Millionen Euro. Am Montagabend hatte der Konzern bereits Eckdaten vorgelegt.

Zudem fielen im Vorjahresvergleich Gewinnbeiträge der verkauften Gasfeldbeteiligung Yushno Russkoje sowie von stillgelegten Kraftwerksblöcken in den Niederlanden und Schweden weg. Negative Währungseffekte sowie niedrigere Preise vor allem für Wasser und Kernkraft belasteten das Ergebnis zusätzlich. Das bereinigte operative Ergebnis sank daher ebenfalls deutlich, es nahm um fast ein Drittel auf 350 Millionen Euro ab. Der Umsatz sank um 5,5 Prozent auf 21 Milliarden Euro.

Die Jahresziele bekräftigte Uniper dennoch. 2018 soll das bereinigte Ebit bei 0,8 bis 1,1 Milliarden Euro liegen. Auch an der Dividendenpolitik soll sich nichts ändern. Die Aktionäre können also weiter auf ein Wachstum der Ausschüttungen von 25 Prozent zwischen 2016 und 2020 hoffen. Für das laufende Jahr will Uniper eine Dividendensumme von etwa 310 Millionen Euro vorschlagen.

Bei Datteln 4 müssten beschädigte Kesselwände komplett ausgetauscht werden, erklärte Uniper. Dies habe eine erste Schadensanalyse an der Kesselanlage des im Bau befindlichen Kraftwerks ergeben. Daraus ergebe sich eine weitere Verzögerung, der Kraftwerksblock werde nunmehr voraussichtlich erst im Sommer 2020 in Betrieb gehen.

Ende vergangenen Jahres hatte Uniper die Inbetriebnahme bereits auf das vierte Quartal 2018 verschoben - einen Termin, den Unternehmenschef Klaus Schäfer bei der Bilanzpressekonferenz Anfang März nicht mehr bestätigen wollte. Uniper und der Vorgängerkonzern Eon haben bislang 1,2 Milliarden Euro in das Kraftwerk investiert, das ursprünglich 2011 ans Netz gehen sollte. Baubeginn war 2007. Zwischenzeitlich wurde der Bebauungsplan gerichtlich für ungültig erklärt.

Datteln ist nach dem 2014 in Betrieb genommenen Vattenfall-Kraftwerk Hamburg-Moorburg wohl das letzte große Steinkohlekraftwerk, das in Deutschland vor dem Anschluss ans Netz steht. Für den werkseigenen Strombedarf plant der US-Chemiekonzern Dow Chemical in Stade noch eine Anlage.

Vor dem Umbruch: Für Eon ist Uniper schon Vergangenheit

Uniper steht vor einem Wechsel des Großaktionärs. Der bisherige, der Energiekonzern Eon, hatte im vergangenen Jahr vereinbart, sein Aktienpaket an den finnischen Branchenkollegen Fortum zu verkaufen. Fortum hatte ein öffentliches Angebot über 21,31 Euro zuzüglich der Dividende von 0,69 Euro je Aktie vorgelegt, welches jedoch außer bei Eon nur auf wenig Resonanz stieß. Noch stehen einige Genehmigungen der Regulierungsbehörden aus, etwa in Russland. Die Übernahme hatte für erhebliche Verstimmung bei Uniper gesorgt.

Eon seinerseits zeigt sich zuversichtlich, die fossile Beteiligung bald hinter sich lassen und das Geld für eine Neuordnung im deutschen Energiemarkt mit Fokus auf Netzbetrieb und Endkundengeschäft nutzen zu können. Eon plant eine Übernahme der von RWE abgespaltenen Erneuerbare-Energien-Firma Innogy, um dann das Geschäft mit der Stromproduktion komplett an den einstigen Rivalen RWE abzugeben.

Eon meldete am Dienstag einen steigenden Gewinn. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) stieg von 1,0 auf 1,3 Milliarden Euro, wie das Unternehmen in Essen mitteilte. Netto verdiente Eon bereinigt mit 727 Millionen Euro 38 Prozent mehr. Das war mehr als Analysten erwartet hatten. Unter dem Strich stieg der Gewinn um 40 Prozent auf 880 Millionen Euro. Hier profitierte Eon von dem Verkauf des Hamburger Gasnetzes.

ak/dpa-afx

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