Offenbar Einigung Staat soll mit 25 Prozent bei Uniper einsteigen

Uniper-Großaktionär Fortum und die Bundesregierung sind sich offenbar einig: Eine Zerschlagung des größten deutschen Gasimporteurs ist vom Tisch, der deutsche Staat wird sich aber voraussichtlich mit 25 Prozent an den in Not geratenen größten deutschen Gasimporteur beteiligen.
Uniper: Schon am Freitag, heißt es aus Parlaments- und Regierungskreisen, werde die Bundesregierung Eckpunkte zur Rettung des Gas-Importeurs vorstellen

Uniper: Schon am Freitag, heißt es aus Parlaments- und Regierungskreisen, werde die Bundesregierung Eckpunkte zur Rettung des Gas-Importeurs vorstellen

Foto: WOLFGANG RATTAY / REUTERS

Ein Staatseinstieg beim angeschlagenen Gas-Importeur Uniper steht Regierungs- und Parlamentskreisen zufolge kurz bevor. Nach zähen Verhandlungen mit dem finnischen Uniper-Mehrheitseigentümer Fortum sei eine Einigung in Sicht, sagten mehrere mit den Gesprächen vertraute Personen am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Im Ergebnis werde sich der deutsche Staat voraussichtlich mit etwa 25 Prozent an Uniper beteiligen. Eine Aufspaltung des Unternehmens, wie sie von Fortum vorgeschlagen worden war, sei vom Tisch. Die Finnen hatten angekündigt, kein frisches Geld mehr in Uniper zu stecken. Es sei gut möglich, dass die Bundesregierung am Freitag erste Eckpunkte veröffentlichen werde, um ein Signal an die Ratingagenturen zu schicken, dass sie hinter Uniper stehe, sagten die Insider.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (52) stellte eine rasche Stützung des größten deutschen Gas-Importeurs in Aussicht. Es sei richtig, dass Uniper auf Bestände in seinen Gasspeichern zurückgegriffen habe, um sich zu stabilisieren, sagte Habeck am Donnerstag. Dies werde aber nicht mehr nötig sein: "Wir werden bald Uniper anders stabilisieren." Die Uniper-Aktie  fiel am Donnerstag zum Abend um mehr als 10 Prozent auf 10,65 Euro.

Die Zeit drängt, weil Uniper das Geld auszugehen droht. Das Unternehmen ist durch die ausbleibenden Gas-Lieferungen aus Russland unter Druck geraten und muss die fehlenden Mengen durch teure Zukäufe am Gas-Markt ersetzen, um ihren Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden nachzukommen. Dadurch türmen sich täglich höhere Verluste auf.

Nach zehntägiger Wartung war am Donnerstag wieder Gas durch die zentrale Pipeline Nord Stream 1 von Russland nach Deutschland geflossen - aber nur auf dem stark reduzierten Niveau von vor der Wartung. Insider hatten den kommenden Montag als Termin genannt, bis zu dem eine Auffanglösung für Uniper stehen müsse. Ratingagenturen wollen die Kreditwürdigkeit von Uniper neu bewerten - die Bonität ist entscheidend für die Zukunft des Unternehmens.

Doch das Problem der auflaufenden Verluste könne auch mit der staatlichen Finanzspritze nicht dauerhaft gelöst werden, hieß es in den Kreisen. Daher bereite die Regierung in einem zweiten Schritt die Möglichkeit vor, dass Uniper die Kosten trotz bestehender Verträge auf seine Kunden - etwa Stadtwerke oder große Industrieunternehmen - abwälzen kann. Parallel dazu solle ein sozialer Ausgleich für Endkunden geschaffen werden, die von den hohen Preisen überfordert werden. Habeck hatte bereits gesagt, wenn eine Umlage komme, werde es auch eine Entlastung geben.

rei/Reuters
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