Rettungsgespräche "nicht leicht" Keine Hilfe für Uniper von Mehrheitsaktionär Fortum, Verdi warnt vor Zerschlagung

Der finnische Energieversorger Fortum hält rund 80 Prozent der Anteile an Uniper. Der Konzern wird diese nicht zu dessen Rettung aufstocken. Verdi warnt unterdessen vor Fortums Vorschlag, Uniper zu zerschlagen.
Keine Rettung von Uniper: Der finnische Mehrheitsaktionär Fortum schlägt eine Zerschlagung seiner kriselnden deutschen Tochter vor

Keine Rettung von Uniper: Der finnische Mehrheitsaktionär Fortum schlägt eine Zerschlagung seiner kriselnden deutschen Tochter vor

Foto: Lennart Preiss / AFP

Anders als die Bundesregierung macht die finnische Regierung keine Hoffnung darauf, dass sich Unipers Mehrheitsaktionär Fortum an den Rettungsmaßnahmen für den strauchelnden deutschen Energiekonzern weiter beteiligen könnte. Als Fortums Mehrheitseigner sehe die finnische Regierung es für den Konzern nicht als möglich an, mehr in Uniper zu investieren, sagte Europaministerin Tytti Tuppurainen (46), die auch die finnischen Staatsbeteiligungen beaufsichtigt, der finnischen Nachrichtenagentur STT. Fortum habe sein Engagement bereits gezeigt. Der finnische Staat hält gut 50 Prozent der Fortum-Aktien.

Fortum hatte vor wenigen Jahren gegen zunächst heftigen Widerstand Uniper übernommen und hält knapp 80 Prozent der Anteile. Das Unternehmen hat seinem deutschen Ableger bereits rund vier Milliarden Euro als Barmittel und nochmal genauso viel als Garantien zu Verfügung gestellt.

Angesichts der Krise von Uniper schlug der finnische Konzen vor, die kriselnden Teile des Unternehmens unter Kontrolle des Staates zu stellen."Wir müssen davon ausgehen, dass die Probleme bei dem Bezug von Gas mittelfristig anhalten und die Preise hoch bleiben oder weiter steigen", hatte Fortum-Boss Markus Rauramo (54) am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters gesagt. "Deshalb sollten die systemkritischen deutschen Unternehmensteile unter die Kontrolle des Staates kommen, der über die erforderliche Kreditwürdigkeit verfügt." Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (52, Grüne) hatte erklärt, dass er auch die Eigentümer in der Pflicht sieht.

Habeck sieht auch die Eigentümer in der Pflicht

Die Fortum-Aktie  verlor an der Börse in Helsinki am Montag mehr als vier Prozent. Auch für die Uniper-Aktie  ging es am Morgen abwärts. Zuletzt lag ihr Kurs mehr als 12 Prozent im Minus bei 9,63 Euro. Die am Montag erfolgte Abschaltung der Gaspipeline Nord Stream 1 drückt bei den Anlegern auf die Stimmung. Vorerst handelt es sich nur um einen geplanten Wartungsstillstand. Allerdings ist ungewiss, ob Russland die Lieferung nach der mehrtägigen Pause wieder aufnehmen wird.

Die Gewerkschaft Verdi warnte vor einer Zerschlagung des Konzerns. "Wir wollen Uniper als Ganzes erhalten", sagte das Mitglied im Verdi-Bundesvorstand, Christoph Schmitz, in einem am Montag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Der Vorschlag von Fortum für einen Umbau Unipers laufe offensichtlich auf eine Zerschlagung hinaus. "Das lehnen wir strikt ab. Dann wären alle 5000 Arbeitsplätze in Deutschland bedroht."

Der Vorschlag Fortums ziele darauf ab, dass der Bund Eigentümer einer Tochtergesellschaft werde, in die ausschließlich alle Risiken eingebracht würden, kritisierte Gewerkschafter Schmitz. "Wenn sich Fortum mit seinem Vorschlag durchsetzen sollte, wird es einen offenen Konflikt mit uns geben."

Eine Beteiligung des Bundes direkt an Uniper, auch eine Mehrheitsbeteiligung, würde Verdi sehr begrüßen, betonte der Gewerkschafter. Der Bund könnte jederzeit wieder aussteigen. "Der Bund könnte gestalterisch mitwirken, auch bei einer Strategie in Richtung erneuerbarer Energien und Wasserstoff." Schmitz hofft auf eine rasche Entscheidung zur Hilfe für das Unternehmen. "Es ist eine ziemlich schwierige Situation insbesondere für die Belegschaft."

Die Bundesregierung hat Uniper Hilfe zugesagt, prüft neben einer Beteiligung aber noch andere Optionen. Die Regierung bemühe sich um eine zeitnahe Lösung für eine Stabilisierung des angeschlagenen Energieversorgers Uniper, sagte eine Sprecherin von Wirtschaftsminister Habeck am Montag in Berlin. Die Gespräche seien "nicht leicht". Einzelheiten nannte sie nicht. Eine Regierungssprecherin wollte keine Stellung dazu nehmen, dass die finnische Regierung keine Hoffnung auf Hilfe von Fortum machte.

Uniper hatte bei der Bundesregierung am Freitag einen Antrag auf Stabilisierungsmaßnahmen gestellt. Der Düsseldorfer Konzern muss wegen der reduzierten russischen Gaslieferungen Gas am Markt zukaufen. Die Kosten dafür kann der Konzern jedoch bislang nicht an seine Kunden weitergeben, was bei Uniper zu Liquiditätsproblemen führt.

dri/dpa, Reuters
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