Hauptversammlung Uniper-Mehrheitsaktionär Fortum stimmt Rettungspaket zu

Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung sollen Aktionäre von Uniper heute dem Rettungspaket des angeschlagenen Energiekonzerns zustimmen. Mehrheitsaktionär Fortum hat den Verkauf seiner Anteile an den Bund bereits abgesegnet. Uniper-Chef Maubach betont, wie viel auf dem Spiel spielt.
Appelliert an die Aktionäre: Vorstandschef Klaus-Dieter Maubach betont, dass ohne die notwendigen Mittel aus den Kapitalerhöhungen der Fortbestand Unipers gefährdet sei

Appelliert an die Aktionäre: Vorstandschef Klaus-Dieter Maubach betont, dass ohne die notwendigen Mittel aus den Kapitalerhöhungen der Fortbestand Unipers gefährdet sei

Foto: Roberto Pfeil / dpa

Das finnische Energieunternehmen Fortum, Mehrheitsaktionär von Uniper, hat dem Verkauf seiner Anteile am kriselnden Energieversorger Uniper an den deutschen Staat zugestimmt. Weitere Aktionäre von Uniper sollen am Montag online in einer außerordentlichen Hauptversammlung über die Rettung des angeschlagenen Energieunternehmens mithilfe einer weitgehenden Verstaatlichung abstimmen. Es geht um ein milliardenschweres Rettungspaket, das einen Zusammenbruch von Deutschlands größtem Gasimporteur verhindern soll.

Wie Fortum am Montag mitteilte, verkauft das Unternehmen seine Uniper-Aktien für eine halbe Milliarde Euro (532 Mio. US-Dollar) an Deutschland. Dafür erhält Fortum ein Darlehen der Muttergesellschaft in Höhe von 4 Mrd. Euro. Fortum hielt zuletzt einen Anteil von knapp 78 Prozent an Uniper.

Rettungspaket "essentiell" für Uniper

Vorstandschef Klaus-Dieter Maubach (60) richtet sich laut einer vorab veröffentlichten Rede auf der außerordentlichen Hauptversammlung mit drängenden Worten an die Aktionäre des schwankenden Energiekonzerns. Sofern die Anteilseigner den geplanten Kapitalerhöhungen nicht zustimmten, müsste das Management sehr kritisch die sogenannte Fortbestehensprognose für Uniper überprüfen. "Ohne die notwendigen Mittel aus den Kapitalerhöhungen ist der Fortbestand Unipers gefährdet", heißt es weiter. Die Beschlüsse, die auf der Tagesordnung dieser Hauptversammlung stehen, seien essentiell für Uniper.

Ursache für die Schieflage sind die von Russland beendeten Gaslieferungen an Uniper. Um seine Kunden weiterhin beliefern zu können, muss Uniper seitdem Erdgas zu stark gestiegenen Beschaffungspreisen an den Energiebörsen einkaufen. Weil Uniper die Kosten aber nicht weitergeben kann, hat das Unternehmen mittlerweile Milliardenverluste angehäuft.

Derzeit geht man davon aus, dass die Rettung den Staat mehr als 30 Milliarden Euro kosten wird. Im Einzelnen sieht das Paket unter anderem eine Kapitalerhöhung über acht Milliarden Euro sowie den Erwerb der Uniper-Anteile des bisherigen Mehrheitsaktionärs Fortum vor. Der deutsche Staat soll dafür jeweils einen Stückpreis von 1,70 Euro bezahlen. Anschließend würde der Bund etwa 98,5 Prozent der Anteile an Uniper besitzen. Bis zu 25 Milliarden Euro sollen durch die Ausgabe neuer Aktien hereinkommen.

Übernahme schon von EU-Kommission gebilligt

"Uniper will alle Kredite zurückzahlen und so wenig wie möglich vom geplanten genehmigten Kapital in Höhe von 25 Milliarden Euro in Anspruch nehmen. Letztlich werden wir als Organisation weiterhin beweisen, dass wir die finanzielle Unterstützung bei jedem Schritt des Weges wert sind", hieß es weiter in dem Manuskript von Maubachs Rede.

Die Übernahme ist von der EU-Kommission bereits genehmigt worden, allerdings ist noch nicht bekannt, unter welchen Auflagen. Beobachter gehen davon aus, dass Uniper Teile seines Geschäfts abgeben muss. Wann diese beihilferechtlichen Auflagen veröffentlicht werden, ist noch offen.

Uniper ist Lieferant für rund 500 Stadtwerke und weitere rund 500 Industrie-Großkunden. Das Unternehmen spielt damit eine zentrale Rolle für die Erdgasversorgung in Deutschland. Bei einer Insolvenz von Uniper wird ein Dominoeffekt befürchtet, der zahlreiche Uniper-Kunden in große Schwierigkeiten bringen würde.

dri/Reuters, dpa-afxp
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.