Fortum greift durch Abrupter Chefwechsel bei Uniper

Mit sofortiger Wirkung trennt sich der Energiekonzern von seinem Vorstandschef und seinem Finanzchef. Den CEO-Job übernimmt der bisherige Aufsichtsratschef – und Großaktionär Fortum greift durch.
Neuer Mann: Aufsichtsratschef Klaus-Dieter Maubach übernimmt den CEO-Job

Neuer Mann: Aufsichtsratschef Klaus-Dieter Maubach übernimmt den CEO-Job

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Andreas Pohlmann/ E.ON

Der Uniper-Konzern trennt sich abrupt von seinen beiden höchsten Managern. Vorstandschef Andreas Schierenbeck (55) und Finanzvorstand Sascha Bibert (45) verlassen das Unternehmen mit sofortiger Wirkung. Darauf hätten sich die beiden "einvernehmlich" mit dem Aufsichtsrat geeinigt, teilte das Unternehmen am Montagabend mit. Neuer Vorstandschef wird Klaus-Dieter Maubach (58), einst Technik-Vorstand beim Energieriesen Eon, der bei Uniper seit einem Jahr als Chef des Aufsichtsrats fungierte.

Maubach verfügt über langjährige Erfahrung in der deutschen und europäischen Energiewirtschaft – und vor allem sehr gute Beziehungen zum Hauptaktionär Fortum. Die Finnen, deren Einstieg in Düsseldorf umstritten war, halten inzwischen rund 75 Prozent an dem Kraftwerksbetreiber. Maubach war bis zum Wochenende auch Aufsichtsrat bei Fortum, hatte diesen Posten allerdings ohne Angabe von Gründen niedergelegt.

Neue Finanzchefin wird Tiina Tuomela. Die Managerin leitet seit 2016 den Geschäftsbereich Nordic Power Generation von Fortum und ist seit 2014 Mitglied des Fortum Executive Management Teams. Seit 2020 ist auch Tuomela Mitglied des Uniper-Aufsichtsrats.

Ihre Ämter als Mitglieder des Aufsichtsrats sollen Maubach und Tuomela zum Ablauf der ordentlichen Hauptversammlung am 19. Mai 2021 niederlegen. Bis dahin sind sie mit sofortiger Wirkung in den Vorstand entsandt. Während der Dauer ihrer Entsendung werden sie keine Tätigkeit als Aufsichtsratsmitglied ausüben. Zum neuen Aufsichtsratschef ist bereits am Montag Fortum-Chef Markus Rauramo (53) gewählt worden.

Mit dem Wechsel greift Fortum nun stärker bei den Deutschen durch, deren Börsenwert mit aktuell rund 11,7 Milliarden Euro auf Rekordniveau liegt. "Wir haben mit Uniper bereits einige Fortschritte gemacht. Ich bin jedoch überzeugt davon, dass wir mehr tun können und müssen, um vereinbarte und zusätzliche Kooperationsvorteile zu erzielen und Wertschöpfung für beide Unternehmen und die gesamte Fortum-Gruppe zu erzielen", sagte Rauramo, der erst seit vergangenem Sommer Vorstandschef der Finnen ist. "Daher werden wir jetzt konkrete Schritte in Richtung einer wesentlich stärker integrierten Zusammenarbeit einleiten."

Uniper hatte sich lange gegen die Machtübernahme durch Fortum gewehrt. Der bisherige CEO Schierenbeck war im Juni 2019 angetreten. Der einstige Chef der Aufzugssparte von Thyssenkrupp hatte sich für eine Entspannung der Beziehungen zu Fortum eingesetzt. Vor wenigen Wochen wurden allerdings Dissonanzen zwischen den Konzernen deutlich. Uniper ließ in einer Pflichtmitteilung wissen, dass es noch keine gemeinsame Haltung zur künftigen Dividendenpolitik gibt.

Fortum bestätigte seine Zusage, bis Ende 2021 auf einen Beherrschungs- und/oder Gewinnabführungsvertrag mit Uniper sowie auf einen Squeeze-out zu verzichten. Für die Zeit danach sei noch keine Entscheidung gefallen.

lhy/Reuters