Bonität in Gefahr "Uniper ist nicht mehr in der Lage, Gas einzukaufen"

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck fürchtet um die Bonität des Energiekonzerns – und verteidigt die Gasumlage als notwendige Hilfe. Aktuell fährt Uniper täglich Verluste von mehr als 100 Millionen Euro ein.
Robert Habeck: "Die Gasumlage sorgt dafür, dass das Ausbluten der Unternehmen gestoppt wird."

Robert Habeck: "Die Gasumlage sorgt dafür, dass das Ausbluten der Unternehmen gestoppt wird."

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TOBIAS SCHWARZ / AFP

Deutschlands größter Gasimporteur Uniper braucht nach Angaben von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (52) dringend Gelder aus der Gasumlage. Noch kämen die Gelder der erst ab Oktober greifenden Gasumlage aber nicht bei dem Konzern an, sagte der Grünen-Politiker am Dienstag im Deutschlandfunk. "Das ist der Grund, warum Uniper jetzt schon wieder nicht mehr in der Lage ist, Gas einzukaufen."

Der Energiekonzern war bereits mit einer 9 Milliarden Euro schweren Kreditlinie der staatlichen KfW-Bank stabilisiert worden, als sich infolge der Gaspreisentwicklung Liquiditätsprobleme abzeichneten. Dieser Rahmen ist inzwischen ausgeschöpft. Erst am Montag hatte Vorstandschef Klaus-Dieter Maubach (60) den Staat um weitere Hilfen gebeten: Uniper brauche zusätzliche vier Milliarden Euro.

Die Gasumlage soll weitere Stabilität bringen. Sonst würden Unternehmen wie Uniper ihre Bonität verlieren, keine Kredite und damit auch kein Gas mehr bekommen, so Habeck. Das sei wie ein Fass ohne Boden. "Die Gasumlage zieht diesen Boden ein. Sie sorgt dafür, dass das Ausbluten der Unternehmen gestoppt wird."

Die Maßnahme ist zuletzt aber in die Kritik geraten, weil auch Unternehmen profitieren können, die sie gar nötig haben. Habeck spricht von Trittbrettfahrern. Die Umlage helfe, die Versorgungssicherheit sicherzustellen und sei daher notwendig. "Die Gasumlage ist kein Fehler." Weniger als zehn Prozent würden an Trittbrettfahrer gehen.

Dieses Problem werde noch gelöst, indem bestimmte Kriterien eingezogen werden, die es für Unternehmen schwerer oder unattraktiver machen würden, Hilfsanträge zu stellen. Die Unternehmen müssten zum Beispiel womöglich darauf verzichten, Boni und Dividenden auszuschütten. Außerdem müssten sie eine Systemrelevanz für die Versorgungssicherheit nachweisen und dürften keine hohen Gewinne in anderen Konzernteilen haben.

Täglich dreistellige Millionen-Verluste

Seit dem 14. Juni erhält Uniper nur noch einen Teil der vertraglichen Gasliefermengen aus Russland, erklärte das Unternehmen Die Minderlieferungen belaufen sich mittlerweile auf 80 Prozent. Durch die hohen Preise für Ersatz fahre der Konzern täglich Verluste von deutlich über 100 Millionen Euro am Tag ein.

"Uniper trägt die anfallenden Verluste nahezu allein seit Beginn der Lieferkürzungen im Juni dieses Jahres", sagte Vorstandschef Maubach. "Wir sprechen Stand Mitte August von insgesamt über fünf Milliarden Euro – und seitdem weiter anwachsend." Der Konzern arbeite mit der Bundesregierung mit Hochdruck an der dauerhaften Lösung für diese Notlage, weil Uniper sonst seine systemkritische Funktion für Deutschland und Europa nicht weiter erfüllen könne.

hr/Reuters
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