Gasimporteur in Not Uniper-Chef hofft auf Staatsbeteiligung von mehr als 10 Prozent

Die extremen Preissteigerungen haben Deutschlands größten Importeur von russischem Gas so stark in Bedrängnis gebracht, dass er den Bund um Hilfe bittet. Uniper-Chef Maubach hofft auf eine schnelle Lösung – die Bundesregierung signalisiert Rettungsbereitschaft.
Uniper braucht Hilfe: Der Energiekonzern will die gestiegenen Einkaufspreise an die Kunden weitergeben

Uniper braucht Hilfe: Der Energiekonzern will die gestiegenen Einkaufspreise an die Kunden weitergeben

Foto: Sven Simon / IMAGO

Der angeschlagene Energiekonzern Uniper hat bei der Bundesregierung einen Antrag auf Stabilisierungsmaßnahmen gestellt. Dabei reichte der Düsseldorfer Konzern einen anderen Vorschlag ein als sein finnischer Großaktionär Fortum . "Wir streben eine kurzfristige Einigung mit der Bundesregierung an, und damit meine ich eher Wochen als Monate", sagte Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach am Freitagnachmittag bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf.

Der Kurs der Uniper-Aktie sprang nach Bekanntwerden der beantragten Stabilisierungsmaßnahmen um mehr als 5 Prozent ins Plus. Zuletzt betrug der Kursgewinn nur noch rund 1 Prozent. Allerdings war der Uniper-Kurs zuletzt stark eingebrochen, als sich die Notwendigkeit staatlicher Hilfen mehr und mehr abzeichnete. Der Kurs der Fortum-Aktie drehte an der finnischen Börse am Nachmittag sogar mit rund einem Prozent ins Minus.

Der von Uniper eingereichte Vorschlag basiere zunächst auf einer fairen Kostenverteilung, teilte der Konzern am Freitag in Düsseldorf mit. Dabei geht es um die Weitergabe von Preissprüngen beim Einkauf an die Kunden. Darüber hinaus enthalte der Vorschlag Eigenkapital-Komponenten, durch die der Bund sich an Uniper beteiligen könnte, hieß es in der Mitteilung weiter. Zudem sehe der Vorschlag Fremdkapitalmittel durch eine Aufstockung der KfW-Kreditlinie vor. Diese hat der Konzern bislang nicht gezogen. Die Maßnahmen zielten darauf ab, das derzeitige Auflaufen erheblicher Verluste zu beenden und den Liquiditätsbedarf von Uniper zu decken.

Außerdem hat auch Unipers Großaktionär Fortum einen Vorschlag bei der Bundesregierung eingereicht. Dieser sieht eine Umstrukturierung von Uniper vor – mit dem Ziel, eine Versorgungssicherheitsgesellschaft im Eigentum des Bundes zu gründen.

Tägliche Abflüsse im zweistelligen Millionenbereich

Uniper verzeichne momentan tägliche Mittelabflüsse im mittleren zweistelligen Millionenbereich, sagte Maubach den Journalisten am Freitag. Auf dem aktuellen Gaspreis-Niveau ergäben sich damit bis Jahresende potenzielle Verluste von bis zu 10 Milliarden Euro. Maubach dementierte auf Nachfrage, dass Uniper kurz vor der Pleite stehe. Dies sei auch nicht absehbar, sagte er.

"Wir sprechen hier nicht nur von einer Beteiligung in Höhe von nur 5 oder 10 Prozent"

Uniper-Chef Maubach

Der Konzern kann derzeit Mehrkosten beim Einkauf von Gas wegen der Drosselung russischer Gaslieferungen nicht an seine Kunden weitergeben. In welcher Höhe sich der Bund womöglich an Uniper beteiligt, wollte Maubach nicht kommentieren. Aber: "Wir sprechen hier nicht nur von einer Beteiligung in Höhe von nur 5 oder 10 Prozent", sagte er.

Die Bundesregierung will eine Pleite von Uniper verhindern. "Politisch ist klar: Wir werden nicht zulassen, dass ein systemrelevantes Unternehmen in Insolvenz geht und infolgedessen der globale Energiemarkt in Turbulenzen gerät", erklärte Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) am Freitag in Berlin.

Die Bundesregierung arbeite mit Hochdruck an Stabilisierungsmaßnahmen. "Wir sind hierzu mit allen Akteuren im engen Austausch." Über die konkrete Form der Unterstützung werde jetzt verhandelt und dann entschieden. Habeck verwies darauf, dass das geänderte Energiesicherungsgesetz dem Bund verschiedene Möglichkeiten gebe.

Bundestag und Bundesrat hatten am Freitag gesetzliche Änderungen beschlossen, um mögliche Hilfen des Bundes für angeschlagene Energieunternehmen wie Uniper zu erleichtern. Uniper spielt eine zentrale Rolle für die deutsche Energieversorgung und beliefert viele Stadtwerke.

Wie die Deutsche Presse-Agentur am Freitag aus Regierungskreisen erfuhr, gibt es noch keine Entscheidungen für konkrete Maßnahmen bei Uniper. Ein milliardenschwerer Einstieg des Bundes bei Uniper über eine Beteiligung beim Eigenkapital sei möglich. Denkbar sei aber auch ein Mix mit der Möglichkeit, dass Uniper hohe Preissteigerungen beim Gaseinkauf an die Kunden weitergebe.

mg/dpa-afx, Reuters
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