Wegen Gasersatz Uniper zieht gegen Gazprom vor internationales Schiedsgericht

Fast 12 Milliarden Euro musste der Energiekonzern Uniper schon für Gaskäufe ausgeben, um seit dem russischen Gas-Lieferstopp Ersatz zu beschaffen. Jetzt fordert der in Schieflage geratene Gasimporteur Schadensersatz von Gazprom.
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Der strauchelnde Energiekonzern Uniper versucht den russischen Gazprom-Konzern wegen der fehlenden Gaslieferungen in die Verantwortung zu nehmen. Uniper hat ein Schiedsgerichtsverfahren gegen Gazprom Export vor einem internationalen Schiedsgericht beantragt, wie der Konzern am Mittwoch in Düsseldorf mitteilte. Der Gasimporteur werde die Erstattung des "erheblichen finanziellen Schadens einfordern", sagte Konzernchef Klaus-Dieter Maubach (60). Bislang beliefen sich Unipers Kosten für Gasersatzbeschaffung auf 11,6 Milliarden Euro.

"Es geht um Gasmengen, die mit Gazprom vertraglich vereinbart, aber nicht geliefert wurden", sagte Maubach weiter. "Diese Kosten sind uns entstanden, aber sie liegen nicht in unserer Verantwortung." Das Unternehmen werde das Verfahren, das demnach in Stockholm stattfinden wird, "mit aller gebotenen Härte" verfolgen.

Uniper trennt sich von russischer Tochter

Ferner kündigte Uniper an, sich von seiner russischen Einheit Unipro zu trennen. Deren Veräußerung war bereits seit anderthalb Jahren geplant. Laut Uniper wurde auch ein Käufer gefunden, allerdings steht die Genehmigung der russischen Aufsichtsbehörden noch aus - und deren Ausgang ist ungewiss. Deshalb will Uniper sich rechtlich und personell nun "so weit wie möglich" von der Tochtergesellschaft trennen.

Die stark gebeutelte Uniper-Aktie  knickte am Mittwoch noch weiter ein. Die Verstaatlichung des Gashändlers erweist sich als milliardenschwerer Unfall . Mit seinem Lieblingsinstrument, der Staatsbank KfW, baut der Staat seinen Einfluss auf die Energiewirtschaft rasant aus. Doch in der Vergangenheit verpasste er häufig den richtigen Moment, wieder auszusteigen.

Staatshilfen in Milliardenhöhe reichten nicht aus

Der Düsseldorfer Konzern ist wegen des russischen Gas-Lieferstopps in Schieflage geraten, da sich die Gaspreise vervielfacht haben. Das aus Russland fehlende Gas muss das Unternehmen teuer auf dem Gasmarkt kaufen, um eigene Lieferverträge zu noch günstigeren Konditionen zu erfüllen, was zu Liquiditätsproblemen führt.

Uniper wies Anfang November einen überwältigenden Verlust von 40 Milliarden Euro in den ersten neun Monaten des Jahres aus. Wegen der finanziellen Probleme hatte der Konzern milliardenschwere Staatshilfen erhalten. Diese reichten jedoch nicht aus.

Deswegen hatten sich der Konzern, die deutsche Regierung, und Unipers bisheriger Mehrheitsaktionär Fortum aus Finnland im September auf eine Verstaatlichung von Uniper verständigt. Anschließend soll der Bund etwa 98,5 Prozent der Anteile an Uniper besitzen.

dri/dpa, afp
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