Energieriese vor Verstaatlichung Uniper-Rettung könnte noch viel teurer werden

Der vor der Verstaatlichung stehende Energiekonzern Uniper weist Forderungen nach einer Zerschlagung des Unternehmens zurück. Der Krisenkonzern benötigt voraussichtlich wohl weitere hohe Milliardenhilfen.
Uniper: Die Tochter des finnischen Versorgers Fortum ist durch die explodierenden Gaspreise in Schieflage geraten

Uniper: Die Tochter des finnischen Versorgers Fortum ist durch die explodierenden Gaspreise in Schieflage geraten

Foto: SASCHA STEINBACH / EPA

Der vor der Verstaatlichung stehende Energiekonzern Uniper stemmt sich gegen eine Zerschlagung. Mit dem Bund sei man in guten Gesprächen zur Umsetzung der angekündigten Übernahme der 99 Prozent an Uniper, sagte ein Konzernsprecher der "Rheinischen Post". "Die Herauslösung einzelner Teile, wie es nun etwa die Freien Wähler in Bayern fordern, ist kein Thema und würde auch nichts zur Versorgungssicherheit beitragen."

Und der Staatseinstieg könnte den Steuerzahler noch deutlich teurer kommen als erwartet. Uniper benötigt voraussichtlich weitere Milliardenhilfen. Das im September beschlossene zweite Rettungspaket für den Energiekonzern werde nicht ausreichen, um das Überleben des angeschlagenen Gashändlers sicherzustellen, berichtet das "Handelsblatt" am Donnerstag unter Berufung auf die Finanz- und Regierungskreise. Die Bundesregierung stelle sich darauf ein, je nach Gaspreisentwicklung bis zu 40 Milliarden Euro zusätzlich für das Unternehmen bereitzustellen.

Die zusätzlichen Hilfen seien nötig, weil die bisherige Rettung unter anderem durch Einnahmen aus einer geplanten Gasumlage finanziert werden sollte. Diese hat die Ampelkoalition wieder gestrichen. Experten der Bundesregierung wollten nun mit dem Unternehmen einen Plan für den Staatseinstieg neu erarbeiten. Dieser Plan soll den Aktionären wahrscheinlich noch in diesem Jahr auf einer außerordentlichen Hauptversammlung zur Abstimmung vorgelegt werden.

Uniper wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

Womöglich bis zu 40 Milliarden Euro zusätzlich für Uniper nötig

Derweil schlägt die Gewerkschaft Verdi Alarm und weist Überlegungen einzelner Landespolitiker zu einer möglichen Zerschlagung des Energiekonzerns zurück. "In dieser angespannten Lage, in der es um Versorgungssicherheit sowie Existenzfragen der Beschäftigten geht, sind Diskussionen über die Herauslösung von Unternehmensteilen nicht zielführend", hatte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz (56) am Mittwoch erklärt. Der Konzern mit allen Töchtern und Beschäftigten trage zur Sicherstellung der Versorgung und der Stabilität des Unternehmens bei.

Ein Sprecher der Gewerkschaft verwies auf Aussagen des bayrischen Umweltministers Thorsten Glauber (51). Der Politiker der Freien Wähler hat sich dafür ausgesprochen, dass Bayern künftig selbst erneuerbare Energien erzeugen solle. Der erste Schritt einer staatlichen Energieversorgung könne über die Wasserkraft erfolgen. Die Übernahme von Uniper durch den Bund sei eine Möglichkeit, Wasserkraftwerke vom Konzern zu übernehmen. Insgesamt gehe es dabei um 97 Wasserkraftanlagen mit zusammen rund 970 Megawatt Leistung und rund 4.800 Gigawattstunden Stromertrag pro Jahr.

sio/Reuters
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