Uniper-Chef Maubach zum Gaspreis "Das Schlimmste steht uns noch bevor"

Nach dem Kurssprung zu Wochenbeginn geben die Gaspreise wieder deutlich nach. Das wird nicht so bleiben, ist Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach überzeugt. Die geschäftlichen Bande zu Gazprom sieht er für immer zerrissen.
"Vielleicht war es nur Wunschdenken": Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach räumt eine Fehleinschätzung des staatlichen Gaskonzerns und langjährigen Geschäftspartners Gazprom ein

"Vielleicht war es nur Wunschdenken": Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach räumt eine Fehleinschätzung des staatlichen Gaskonzerns und langjährigen Geschäftspartners Gazprom ein

Foto: WOLFGANG RATTAY / REUTERS

Kaum hatte der russische Staatskonzern Gazprom angekündigt, vorerst kein Gas mehr durch die Pipeline Nord Stream 1 zu leiten, schossen die Gaspreise zu Wochenbeginn um bis zu 30 Prozent in die Höhe und knickten die Börsenkurse weltweit ein. Am Dienstag fiel der Preis für europäisches Erdgas wieder spürbar und gab auch am Mittwoch weiter nach. Hatte sich der europäische Erdgas-Future am Montag in der Spitze noch auf 284 Euro je Megawattstunde verteuert, brach er danach zwischenzeitlich auf 220 Euro ein.

Deutschlands größter und staatlich gestützter Gasimporteur Uniper ist von dem erneuten Lieferstopp besonders betroffen. Für Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach ist die kurzfristige Erholung der Preise auch kein Grund zum Aufatmen. "Das Schlimmste steht uns noch bevor", sagte Maubach am Dienstag auf der Gastech 2022 in Mailand gegenüber dem US-Sender CNBC . Der jüngste Preisrückgang, der laut Analysten eine Reaktion auf durchgesickerte Pläne der EU zur Deckelung des Gaspreises sein dürfte, werde nach Einschätzung von Maubach wohl von kurzer Dauer sein. Spätestens zum Herbst und Winter dürften die Sorgen um die russischen Gaslieferungen nach Europa die Preise weiter in die Höhe treiben.

"Was wir auf dem Großhandelsmarkt sehen, ist das 20-fache des Preises, den wir vor zwei Jahren gesehen haben"

Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach

"Was wir auf dem Großhandelsmarkt sehen, ist das 20-fache des Preises von vor zwei Jahren – das 20-fache. Deshalb denke ich, dass wir eine offene Diskussion darüber führen müssen, wie wir das Problem lösen", sagte Maubach in Mailand weiter. Aktien von Uniper  sanken am Dienstag nach einem anfänglichen Erholungsversuch um mehr als 5 Prozent auf ein Rekordtief. Investoren gehen davon aus, dass Uniper weitere Hilfsmilliarden benötigt.

Nicht erst seit dem Lieferstopp hat Uniper das existenzielle Problem, das Gas zu drastisch höheren Preisen auf dem Weltmarkt einkaufen zu müssen, um seine Lieferverpflichtungen gegenüber Stadtwerken und Unternehmen zu erfüllen. Die geschäftlichen Beziehungen zwischen Uniper und Gazprom reichen bis in die 1970er-Jahre zurück. Diese Beziehungen sind derzeit massiv gestört.

"Diese Partnerschaft ist zerbrochen und ich glaube nicht, dass wir sie in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren wiederherstellen können"

Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach zu einer möglichen Wiederbelebung der Geschäfte mit dem russischen Gasriesen Gazprom

Auf die Frage, ob Uniper wieder mit Gazprom zusammenarbeiten werde, wenn der Krieg des Kremls gegen die Ukraine beendet sei, sagte Maubach laut CNBC: "Ich denke, diese Partnerschaft ist zerbrochen und ich glaube nicht, dass wir sie in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren wiederherstellen können. Deshalb konzentrieren wir uns darauf, das russische Gas zu ersetzen." Zugleich räumte Maubach ein: Er habe Gazprom persönlich noch als zuverlässigen Energielieferanten verteidigt, als der Krieg mit der Ukraine im Februar begann. "Im Nachhinein betrachtet war es vielleicht ein Fehler zu glauben, dass das Gas nicht genutzt werden würde. Vielleicht war es nur Wunschdenken."

EU-Politiker werfen dem Kreml vor, die Energieversorgung als Waffe einzusetzen, um politische Unsicherheit in der EU zu schüren und die Energiepreise in die Höhe zu treiben. Moskau bestreitet das.

Der finnische Versorger und Uniper-Hauptaktionär Fortum indes hat sich zur Bewältigung der Energiekrise einen zusätzlichen Finanzpuffer beschafft. Der Konzern habe mit der staatlichen Investmentgesellschaft Solidium eine Brückenfinanzierung über 2,35 Milliarden Euro vereinbart, teilte Fortum am Dienstag mit. "Die anhaltende Energiekrise in Europa wird durch die Entscheidung Russlands verursacht, Energie als Waffe einzusetzen, und trifft nun auch Fortum und andere nordische Stromproduzenten schwer", erklärte Konzernchef Markus Rauramo. Die Vereinbarung ziele darauf ab, die Liquiditätsreserven von Fortum zu stärken und dadurch die finnische Energieversorgung zu sichern, betonte die finnische Regierung.

Der Konzern kann den Kredit einsetzen, um nötige Sicherheiten auf dem skandinavischen Strommarkt zu leisten. Rauramo betonte, Fortum habe derzeit genügend flüssige Mittel, um die Sicherheiten stellen zu können, und würde den Staatskredit nur als letzten Ausweg ziehen.

rei mit Reuters
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