Kredite, Garantien, Aktienkäufe Uniper-Rettung kostet Staat 29 Milliarden Euro

Der Bund übernimmt Deutschlands größten Gasimporteur Uniper zu rund 99 Prozent – und stellt auch anderen Gasimporteuren Hilfe in Aussicht. Mit insgesamt 29 Milliarden Euro ist es die teuerste Rettung eines einzelnen Unternehmens seit der Finanzkrise.
Stabilisierungspaket: Der Gasversorger Uniper wird verstaatlicht

Stabilisierungspaket: Der Gasversorger Uniper wird verstaatlicht

Foto: INA FASSBENDER / AFP

Die Bundesregierung, der Energiekonzern Uniper und der bisherige Uniper-Mehrheitseigentümer Fortum haben sich auf eine weitgehende Verstaatlichung von Uniper verständigt. Am Mittwoch wurde ein entsprechendes Stabilisierungspaket für Uniper unterzeichnet, teilten die Beteiligten mit. Es sehe eine Kapitalerhöhung und den Erwerb der Uniper-Anteile von Fortum vor. Anschließend werde der Bund etwa 98,5 Prozent der Anteile an Uniper besitzen. Trotz der geplanten Verstaatlichung des Gasimporteurs will die Bundesregierung vorerst am Instrument der Gasumlage festhalten.

Der deutsche Staat steht damit vor der größten Rettung eines einzelnen Unternehmens seit er in der globalen Finanzkrise im Jahr 2008 den Bankensektor mit rund 480 Milliarden Euro stützte. Mit der nahezu kompletten Übernahme Unipers steigen die Kosten der Rettung auf insgesamt 29 Milliarden Euro, rechnen die "Financial Times"  und die Nachrichtenagentur Reuters  vor. Der Bund ist in der Vergangenheit mehrfach Unternehmen finanziell zur Seite gesprungen, etwa in der Corona-Krise der Lufthansa oder dem Reiseanbieter Tui. Unter dem Druck der Finanzkrise beteiligte sich der Staat Anfang 2009 an der Commerzbank.

Kosten der Rettung türmen sich auf mehr als 29 Milliarden Euro

Der Bund hatte bereits geplant, 30 Prozent an Uniper zu übernehmen. Nun kauft er Fortum seine Beteiligung an dem Düsseldorfer Energieversorger für 1,70 Euro je Aktie oder rund 480 Millionen Euro ab, wie Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (53, Grüne) erklärte. Darüber hinaus wird der deutsche Staat Kreditlinien von rund acht Milliarden Euro übernehmen, die Fortum dem Unternehmen zuvor zur Verfügung gestellt hatte. Zusätzlich werde der deutsche Staat Uniper mit einer Kapitalspritze von acht Milliarden Euro ausstatten. Diese Hilfen kommen zu der ohnehin rund 13 Milliarden Euro hohen Kreditlinie hinzu, die Uniper bereits in laufenden Jahr zur Verfügung gestellt wurde.

Die Stabilisierungsmaßnahmen stehen noch unter Vorbehalt. So stünden noch Genehmigungen der EU-Kommission aus. Im vierten Quartal 2022 soll eine außerordentliche Uniper-Hauptversammlung die Maßnahmen beschließen.

Fortum sichert sich Rechte bei möglichem Teilverkauf von Uniper

Derzeit hält Fortum knapp 78 Prozent an Uniper. Fortum selbst gehört zu knapp 51 Prozent dem finnischen Staat. Der Konzern erhält in der getroffenen Vereinbarung das Recht, ein erstes Angebot abgeben zu dürfen, falls Uniper sich entscheiden sollte, das gesamte oder Teile des schwedischen Wasserkraft- oder das Kernenergie-Geschäft zu veräußern. Derzeit bestehen laut Uniper aber keine Verkaufsabsichten. Die Papiere des schwer angeschlagenen Energiekonzerns haben am Mittwoch deutlich verloren und dabei stark geschwankt. Zuletzt notierten die Papiere rund 20 Prozent tiefer bei 3,32 Euro.

"Die Anpassung des Stabilisierungspaketes wurde notwendig, weil sich die Kapitalerfordernisse von Uniper durch die komplette Einstellung der vertraglich vereinbarten Gaslieferungen aus Russland und die stark gestiegenen Gaspreise signifikant erhöht haben", hieß es in der Stellungnahme des Bundes weiter. Dies habe die Notlage des größten deutschen Importeurs von russischem Gas verschärft. Trotz aller Kritik will die Bundesregierung an der Gasumlage festhalten, wie Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck am Morgen erklärte.

Uniper ist in Schieflage geraten, weil Russland kein Gas mehr nach Deutschland pumpt. Der Gas-Großhändler ist Lieferant für über 100 Stadtwerke und große Unternehmen und spielt damit eine zentrale Rolle für die Erdgasversorgung von Deutschland. Das aus Russland fehlende Gas muss sich das Unternehmen jetzt teuer auf dem Gasmarkt kaufen. Zuletzt hatte Uniper von täglichen Verlusten in Höhe von über 100 Millionen Euro gesprochen.

Berlin sichert auch anderen Gasimporteuren Unterstützung zu

Die Bundesregierung sicherte auch den anderen großen Gasimporteuren Unterstützung bei Bedarf zu. "Der Staat wird, das zeigen wir ja, alles Nötige tun, um die Unternehmen immer stabil am Markt zu halten", sagte Habeck. "Das gilt für Uniper. Das gilt für die anderen großen systemrelevanten Unternehmen in Deutschland."

Uniper, das auch Kohle- und Gaskraftwerke betreibt – und einen 84-prozentigen Anteil am russischen Energieversorger Unipro hält – wurde 2016 aus dem deutschen Energieversorger Eon ausgegliedert. Ein Jahr später machte sich Fortum daran, den Gasimporteur zu übernehmen. Das Management von Uniper wehrte sich zunächst heftig dagegen, der Deal wurde schließlich 2020 abgeschlossen.

Uniper mit Hauptsitz in Düsseldorf beschäftigt in mehr als 40 Ländern 11.500 Mitarbeiter, davon rund 5000 in Deutschland. Hauptmärkte sind Deutschland, Großbritannien, Schweden und – bis zum Krieg in der Ukraine – Russland. Im Geschäftsjahr 2021 erzielte Uniper einen Umsatz von 164 Milliarden Euro. Der operative Gewinn (adjusted Ebit) betrug 1,2 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr dieses Jahres fiel allerdings ein Nettoverlust von 12,3 Milliarden Euro an.

rei mit Nachrichtenagenturen
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