Milliardenschwere Hilfen Wie der Staat Uniper retten will

Das Rettungspaket für Uniper steht: Der Staat beteiligt sich mit 30 Prozent an dem angeschlagenen Gasversorger, ein Großteil der Preissteigerung wird zudem auf die Kunden umgelegt. Anleger reagierten wenig begeistert, die Aktie fällt auf ein Rekordtief.
Angeschlagener Gasversorger: Unipers Kreditrahmen bei der KfW wird erhöht

Angeschlagener Gasversorger: Unipers Kreditrahmen bei der KfW wird erhöht

Foto: INA FASSBENDER / AFP

Die Bundesregierung und der angeschlagene Energiekonzern Uniper haben sich auf ein milliardenschweres Rettungspaket geeinigt. Dieses sieht auch den Einstieg des Bundes vor, wie Uniper am Freitag in Düsseldorf mitteilte. Das Paket enthält mehrere Instrumente: Vorgesehen sind eine Kapitalerhöhung, nach der der Bund 30 Prozent an Uniper halten wird. Außerdem soll ein Pflichtwandel-Instrument ausgegeben sowie die bestehende KfW-Kreditlinie aufgestockt und in ihrer Verwendung ausgeweitet werden.

Die Uniper-Aktie  drehte nach Bekanntwerden der Nachrichten ins Minus und fiel um 24 Prozent auf ein neues Rekordtief von unter acht Euro. Am Vormittag hatte der Kurs noch um bis zu 11,4 Prozent zugelegt. Das Papier des Mehrheitsaktionärs Fortum verlor rund 1,5 Prozent.

"Letztendlich setzt sich doch noch die Erkenntnis durch, wie stark der Anteil der Aktionäre durch die Staatsrettung verwässert wird – selbst wenn der Rahmen weitgehend den Erwartungen entspricht", urteilte Marktexperte Frederik Altmann von Alpha Wertpapierhandel. Andere Beispiele einer teilweisen Verstaatlichung wie die Commerzbank oder Lufthansa zeigten bereits eindrucksvoll, wie wenig für den Aktionär am Ende übrig bleibe.

Uniper hatte vor zwei Wochen staatliche Hilfen beantragt. Das Unternehmen muss wegen der Drosselung der russischen Lieferungen über die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 teureres Gas am Markt einkaufen, um Verträge zu erfüllen. Dadurch türmen sich täglich höhere Verluste auf. Der Konzern spielt eine zentrale Rolle für die deutsche Energieversorgung und beliefert über hundert Stadtwerke und Industrieunternehmen.

Fortums Anteil wird durch Staatseinstieg auf 56 Prozent verwässert

Das Stabilisierungspaket für Uniper sieht eine Kapitalerhöhung von rund 267 Millionen Euro zum Ausgabepreis von 1,70 Euro je Aktie unter Ausschluss des Bezugsrechts der Aktionäre vor. Dies führt laut Mitteilung zu einer Beteiligung des Bundes an Uniper von rund 30 Prozent. Gleichzeitig wird damit der Anteil des finnischen Großaktionärs Fortum von rund 80 auf 56 Prozent verwässert, wie der finnische Konzern am Freitag bekannt gab. Die Beteiligung kann allerdings durch eine ebenfalls angekündigte Pflichtwandel-Anleihe wieder aufgestockt werden. Fortum gehört selbst zu über der Hälfte dem finnischen Staat.

Das in Unipers Rettungspaket geplante Pflichtwandel-Instrument habe ein Volumen von bis zu 7,7 Milliarden Euro, hieß es. Pflichtwandel-Anleihen sind verzinsliche Papiere, bei denen die Wandlung in Aktien spätestens zum Ende der Laufzeit verpflichtend ist. Sie werden daher von Ratingagenturen als ähnlich zu Eigenkapital angesehen. Bei Uniper soll die Ausgabe in Tranchen erfolgen, soweit es der Liquiditätsbedarf des Konzerns erfordert. Der Umtauschpreis je Aktie bei Wandlung sieht einen Abschlag von 25 bis 50 Prozent auf den Börsenkurs der Uniper-Aktien in einem bestimmten Zeitraum vor Durchführung der Wandlung vor.

Fortum wird dabei die Option eingeräumt, Teile des Pflichtwandel-Instruments vom Bund zu erwerben. Dies erfolgt gegen Übertragung des Rückzahlungsanspruchs aus einem Darlehen, das der Hauptaktionär Uniper gewährt hatte. Der Erwerb ist beschränkt auf einen Betrag von bis zu vier Milliarden Euro des ausgegebenen Pflichtwandel-Instruments, darf in jedem Fall aber nicht mehr als 70 Prozent betragen. Der finnische Konzern hatte Uniper zuvor bereits unter die Arme gegriffen, indem er rund vier Milliarden Euro als Barmittel und nochmal genauso viel als Garantien zu Verfügung gestellt. Außerdem sieht das Rettungspaket vor, dass das für Uniper gewährte Darlehen über die staatliche Bank KfW von zwei auf neun Milliarden Euro erhöht und der Verwendungszweck ausgeweitet wird.

Scholz plant Kostenumlage für Gaskunden

Bundeskanzler Olaf Scholz (64) kündigte zudem Preissteigerungen für Gaskunden an. Eine Kostenumlage werde am 1. Oktober oder am 1. September kommen, wie Scholz bei der Vorstellung des Rettungspakets sagte. Sie könne zu einer Erhöhung der Gaspreise um 2 Cent pro Kilowattstunde führen. Geplant ist, dass Importeure 90 Prozent der höheren Beschaffungskosten über die Umlage weitergeben können.

Bundestag und Bundesrat hatten kürzlich Änderungen des Energiesicherungsgesetzes beschlossen und damit den Weg für eine entsprechende Rechtsverordnung freigemacht. Das Umlagesystem soll ähnlich funktionieren wie bei der inzwischen abgeschafften EEG-Umlage zur Förderung des Ökostroms über die Stromrechnung.

Scholz kündigte daher weitere Entlastungen für die Bürger an. So werde es zu Beginn des kommenden Jahres eine große Wohngeldreform geben. Dabei werde unter anderem der Kreis der Berechtigten ausgeweitet. Er sprach zudem von einem Heizkostenzuschuss. "Wir werden so lange helfen, wie es erforderlich ist", betonte Scholz und zitierte den weltberühmten Fan-Song des FC Liverpool: "You will never walk alone."

mg/Reuters, dpa-afx
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.