Eon-Chef Johannes Teyssen und Uniper-Boss Klaus Schäfer Wie zwei Dax-Granden von Duz-Freunden zu erbitterten Kontrahenten wurden

Uniper-Vorkämpfer Klaus Schäfer (links) und Eon-Anführer Johannes Teyssen (rechts).

Uniper-Vorkämpfer Klaus Schäfer (links) und Eon-Anführer Johannes Teyssen (rechts).

Foto: DPA

Klaus Schäfer, 50jähriger Bayer und Chef von rund 40 Kraftwerken sowie 12.000 Beschäftigten, kämpft gerade den Kampf seines beruflichen Lebens. Am kommenden Mittwoch, den 6. Juni, nachmittags, wird der Chef des Düsseldorfer Energiekonzerns Uniper wissen, ob er ihn verloren hat.

Es geht nicht um einen Auftragseinbruch, die falsche Strategie und im Grunde auch nur am Rande um eine feindliche Übernahme.

Schäfer kämpft gegen das wohl grässlichste Folter-Instrument des deutschen Aktienrechts für Vorstandschefs: die "Sonderprüfung".

Am 6. Juni treffen sich die Aktionäre Unipers zur Hauptversammlung in Essen, um über einen Antrag einer der ihren abzustimmen. Der aktivistische Hedgefonds Elliott des Milliardärs Paul Singer will über sein Investmentvehikel Cornwall einen externen Sonderprüfer in Schäfers Reich schicken. Der Auftrag: Eine interne Untersuchung, ob der Vorstandschef bei dessen Abwehrkampf gegen den finnischen Kaufinteressenten Fortum tatsächlich sauber gearbeitet hat.

Für Elliott steht viel Geld auf dem Spiel: Fortum kann Uniper derzeit nicht komplett übernehmen. Die Finnen hatten es so geplant, Schäfer war immer öffentlich dagegen. Russland, wo Uniper eine große Tochter betreibt, hat, nach einigen Briefen aus dem Hause Schäfers, sein Veto eingelegt. Dadurch geht Elliott eine hübsche Prämie verloren.

Auch für Schäfer steht auch viel auf dem Spiel: Reputation, vielleicht sogar Schadensersatz. Denn bei solch einer Sonderprüfung weiß man nie, was die alles zutage fördert und wie das am Ende verwendet wird - ein Graus für jeden Vorstandschef und dessen Kontrollbegehr.

Stimmt die Hauptversammlung also mit einfacher Stimmenmehrheit der Sonderprüfung  zu, hat Schäfer den Feind im eigenen Konzern. Seit Wochen schon antichambriert er daher, den Antrag doch bitte fallenzulassen. Am Mittwoch entschloss er sich zum Gegenangriff, allerdings mit Schönheitsfehlern: Sein Aufsichtsrat veröffentlichte auf sechs Seiten  Argumente dafür, warum Schäfer ganz im Sinne des Gesetzes gearbeitet haben soll.

Was Uniper lieber verschweigt

Das soll nach Geschlossenheit und Rückendeckung aussehen. Nur verschweigt der Konzern, dass der Aufsichtsrat sich nicht einig war. Mindestens ein Aufsichtsrat stimmte nach Informationen von manager-magazin.de der Stellungnahme nicht zu: Marc Spieker, Vizechef des Gremiums und im Hauptberuf Finanzvorstand von Eon. Uniper teilte mit, sich aus rechtlichen Gründen zu dem Abstimmungsverhalten des Aufsichtsrats nicht äußern zu wollen.

Die Rolle Eons ist in dem Drama das Extra-Perfide für Schäfer: Elliott allein würde ihm mit einem Aktienanteil von 8 Prozent nicht gefährlich; der Energiekonzern Eon aber, einst Schäfers Arbeitgeber und auf der Hauptversammlung immer noch für 46,65 Prozent der Aktien stimmberechtigt, hat sich noch nicht entschieden, wie er auf der Hauptversammlung am Mittwoch in Sachen Sonderprüfer abstimmt. Klar ist: Eon-Chef Johannes Teyssen ist der Vorstoß von Elliott nicht unsympathisch. Er fühlt sich bei Fortum im Wort, dass die Finnen Uniper ganz übernehmen können.

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Von Argentinien bis Softbank: Die Opfer des Paul Elliott Singer

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Tatsächlich ist der Fall äußerst lehrreich: Ausgangspunkt ist die Entscheidung Eons, seinen Anteil von 46,65 Prozent an der ehemaligen Kraftwerkstochter Uniper an den finnischen Rivalen Fortum zu verkaufen. Am 26. September 2017  machten Teyssen und Fortum-Chef Pekka Lundmark das öffentlich - und eigentlich ließ das Wertpapierübernahmegesetz danach Klaus Schäfer wenig Spielraum: Er muss seinen Aktionären einmal ausführlich erklären, was er von dem Angebot hält ("begründete Stellungnahme" ) und sich danach neutral verhalten .

Dass Schäfer diese Neutralitätspflicht schwerfallen würde, war abzusehen. Der Bayer stand Zeit seines Berufslebens im Schatten anderer, zuletzt als Vorstand bei Eon im Schatten Teyssens. Als mit der Spaltung Eons der Job bei Uniper für ihn frei wurde, wollte der 50-Jährige endlich durchstarten.

Der Deal der Ex-Mutter Eon mit Fortum setzte dem jäh ein Ende. Aber immerhin entdeckten Schäfer und seine Berater die Möglichkeiten Russlands. Knapp zwei Wochen nach Fortums Offerte, am 6. Oktober 2017, als sich Schäfer also schon neutral verhalten sollte, schickten seine Rechtsberater von der Kanzlei Allen & Overy einen gut dreiseitigen Brief an den Chef des russischen föderalen Anti-Monopol-Dienstes. (Der Brief liegt manager-magazin.de vor).

Schäfers Gegner lesen den Brief als stürmische Aufforderung an die russischen Behörden, Unipers Russland-Aktivitäten besonders zu schützen, und nicht in die Hände des mehrheitlich staatlichen finnischen Fortum-Konzerns fallen zu lassen. Als besonders schützenswert bezeichnen die Juristen die Wasserversorgung des Kraftwerks Surgutskaya, an das auch private Haushalte in Surgut angeschlossen sind. Geschäftlich sind die Ausmaße mikroskopisch, der Umsatz mit dem Wassergeschäft in Surgut soll bei nur gut 100 000 Euro. liegen; insgesamt liefert die Russland-Operation mit insgesamt fünf Kraftwerken jährlich rund 500 Millionen Euro an Gewinn nach Essen.

Die Russen ließen sich jedenfalls von Unipers Juristen überzeugen: Sie verboten Fortum kürzlich, Uniper zu mehr als 50 Prozent zu übernehmen, sonst könne man den Finnen die Kontrolle über die Russland-Aktivitäten entziehen.

Weil Fortum deswegen nicht aufstocken kann und Elliott eine Prämie entgeht, soll die Sonderprüfung Schäfer mürbe machen - und ihn möglicherweise überzeugen, schnell selbst das Hindernis mit der Wasserversorgung in Surgut zu lösen.

Bislang aber zeigt sich der Mann hartleibig, seine Karten weiter komplett auszureizen. Ein Gutachten, das ihm volle Sauberkeit bescheinigt, hat er auch schon. Es soll, immerhin ist man sich gut bekannt, von der Kanzlei Allen & Overy stammen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung hatten wir geschrieben, Schäfer habe "in einer Telefonkonferenz am 8. Mai gesagt, die Aktionen Unipers in Russland seien stets im Einklang mit den Gesetzen gewesen, 'und in einigen Fällen sogar mit dem Geist des Gesetzes'". Die Basis des Zitats ist die von Uniper verbreitete englische Fassung des Redetextes Schäfers, in dem es heißt: "All contacts were in compliance with the letter of the law and in some cases even with the spirit of the law." Tatsächlich lief die Telefonkonferenz aber in deutscher Sprache. Im Original sagte Schäfer damals: "Die Kontakte erfolgten im Rahmen des rechtlich Zulässigen oder zum Teil sogar rechtlich Gebotenen." Diese Passage hatte Uniper dann in den englischen Text ("spirit of the law") übersetzt, woraus die Redaktion dann in "Geist des Gesetzes" übersetzt hat. Da dies die Aussage Schäfers nicht korrekt wiedergibt, haben wir die Passage nachträglich gestrichen. Wir bitten, dies zu entschuldigen.