Konzernumbau EnBW weitet Verkaufsprogramm aus

EnBW will sich zur Finanzierung des Konzernumbaus von Beteiligungen im Wert von 2,7 Milliarden Euro trennen. Damit verdoppelt Konzernchef Frank Mastiaux das bisherige Verkaufsprogramm nahezu - doch die Baustellen sind nach wie vor zahlreich.
EnBW-Chef Mastiaux: "Anteil erneuerbarer Energien verdreifachen"

EnBW-Chef Mastiaux: "Anteil erneuerbarer Energien verdreifachen"

Foto: Uwe Anspach/ dpa

Stuttgart - Das Verkaufsprogramm werde von ursprünglich 1,5 auf 2,7 Milliarden Euro aufgestockt, erklärte EnBW-Chef Frank Mastiaux am Montag in Stuttgart.

Nach Informationen des "Handelsblatts" könnten Beteiligungen an den Stadtwerken Düsseldorf, dem norddeutschen Regionalversorger EWE oder sogar die Netztochter Transnet auf die Verkaufsliste kommen.

Mastiaux will offenbar auch das Geflecht der rund 200 Tochtergesellschaften zerschlagen, das zum Teil noch aus der Gründungszeit stammt, als das Badenwerk mit der schwäbischen EVS fusionierte. Viele der Töchter sollen nach Medienberichten weitgehend ihre Autonomie verlieren. Dadurch könnten etliche Manager- und Aufsichtsratsposten eingespart werden.

Bei den Personaleinsparungen dürfte Mastiaux nicht weiter an die Stammbelegschaft herantreten. Diese hat bereits ihren Beitrag geleistet, unter anderem mit Verzicht auf Tariferhöhungen.

Sieben Milliarden für Konzernumbau

Der seit Oktober amtierende Mastiaux will das Unternehmen, das überwiegend in staatlicher Hand ist, mit dem Umbauprogramm "EnBW 2020" grundlegend neu ausrichten. In den Umbau will Mastiaux mehr als sieben Milliarden Euro stecken.

Davon sollen 3,5 Milliarden Euro zusätzlich in den Ausbau der Windkraft sowie drei Milliarden ins Netzgeschäft fließen. "Wir haben das Ziel, den Anteil erneuerbarer Energien bis 2020 signifikant von heute 12 Prozent auf fast 40 Prozent mehr als zu verdreifachen", sagte der EnBW-Chef.

Im Zuge der Energiewende musste EnBW  bereits die Atomkraftwerke Philippsburg I und Neckarwestheim I vom Netz nehmen. Diese hatten billigen Strom produziert, der nun in der Bilanz fehlt. Im Jahr 2019 und 2021 muss der Konzern die übrigen Atomkraftwerke vom Netz nehmen.

Mit der Förderung der erneuerbaren Energien bekam EnBW Konkurrenz von Privathaushalten. "Es gibt inzwischen 1,3 Millionen dezentrale Stromanlagen", sagt Mastiaux. "Das heißt, jeder 60. Deutsche ist ein Energieerzeuger."

EnBW plant Ausbau der Gassparte

Im vergangenen Jahr verdiente EnBW mit Stromerzeugung und -handel rund 1,3 Milliarden Euro. Das ist rund ein Drittel weniger als 2010, dem Jahr vor der Atomkatastrophe in Fukushima.

Als Ersatz für das schwächelnde Geschäft mit Atomstrom hat EnBW Off-Shore-Windparks im Blick. Mit Baltic I (48 Megawatt Leistung) ist bereits eine Anlage in der Ostsee in Betrieb, Baltic II (288 Megawatt Leistung) soll kommendes Jahr ans Netz gehen. Die Planungen für weitere Parks in der Nordsee sind jedoch wegen technischer Schwierigkeiten bei der Netzanbindung auf Eis gelegt.

Im kommenden Jahr will EnBW zudem ein Kohlekraftwerk (912 Megawatt) in Karlsruhe in Betrieb nehmen. Es dürfte für einige Zeit aber das letzte eigene Kohlekraftwerk sein. Pläne für Erdgaskraftwerke wurden zurückgestellt. Auch Pumpspeicherkraftwerke, die für die Energiewende eigentlich dringend benötigt werden, sind nach Angaben von Mastiaux nach den aktuellen Bedingungen wenig rentabel.

Mastiaux hat daher eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die neue Geschäftsfelder identifizieren soll. Der EnBW-Chef deutete an, dass er verstärkt die Partnerschaft mit Kommunen und Stadtwerken bei der Umsetzung dezentraler Energieprojekte sucht. Vorstellbar sei auch, dass EnBW als Dienstleister auftritt, der Energiepakete schnürt, angefangen von Effizienzmaßnahmen bis zum Bau kleiner Kraftwerke.

Außerdem soll die Sparte Gas ausgebaut werden. Hier verzeichnet EnBW deutliche Zuwächse. 2012 verkaufte er 15,7 Milliarden Kilowattstunden, das entspricht einer Steigerung von fast 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

ts/rtr/dpa-afx
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