TSMC Weltgrößter Chipfertiger kappt Investitionsziel

Der weltgrößte Chiphersteller TSMC rechnet mit einem stärkeren Abschwung in der Branche als bisher angenommen. Der taiwanesische Konzern kürzt deshalb seine geplanten Investitionen um ein Zehntel.
Chipkrise: Wegen der hohen Nachfrage nach elektronischen Geräten waren Chips zu Zeiten der Pandemie lange sehr knapp – jetzt droht der Abschwung

Chipkrise: Wegen der hohen Nachfrage nach elektronischen Geräten waren Chips zu Zeiten der Pandemie lange sehr knapp – jetzt droht der Abschwung

Foto: Tyrone Siu / REUTERS

In der Chipbranche gibt es ein weiteres Krisensignal: Der weltweit größte Chipauftragsfertiger TSMC will in diesem Jahr rund 10 Prozent weniger investieren als bislang geplant. So sollen die Investitionen nur noch bei rund 36 Milliarden US-Dollar statt bei mindestens 40 Milliarden US-Dollar liegen, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Taipeh mit.

Experten werteten die Investitionskürzung als Zeichen, dass TSMC sich auf einen stärkeren Abschwung der Branche einstellt als bislang angenommen. Noch vor drei Monaten hatte TSMC erklärt, der aktuelle Abschwung in der Branche habe kaum Auswirkungen und die langfristige Nachfrage nach seinen Chips sei stabil. Die schwächelnde Wirtschaft in vielen Ländern sowie das angespannte Verhältnis zwischen China und den USA bereiten der Branche Kopfzerbrechen.

So wollen die Vereinigten Staaten das Geschäft der Chiphersteller stärker mit restriktiveren Auflagen beschränken, da sie einen Technologietransfer nach China befürchten. Dies verärgerte zum einen die chinesische Regierung und könnte zum anderen die weltweiten Probleme in der Lieferkette wieder verschärfen, die zum Teil auf fehlende Halbleiterprodukte zurückgehen. Zuletzt hatte sich die Lage hier wieder etwas entspannt.

Nettogewinn springt um 80 Prozent

Gleichwohl schaffte das taiwanesische Unternehmen im dritten Quartal dank der hohen Nachfrage von Rechenzentren und E-Autoherstellern einen Gewinnsprung. Der Nettogewinn schnellte im Zeitraum Juli bis September um 80 Prozent auf 280,9 Milliarden Taiwan-Dollar (9,1 Milliarden Euro) und lag damit über den Analystenschätzungen von 265,6 Milliarden Taiwan-Dollar. Der Umsatz legte um 36 Prozent auf 20,23 Milliarden US-Dollar zu. Für das vierte Quartal prognostizierte der Auftrags-Chiphersteller im Vergleich zum Vorjahr einen Umsatzanstieg um 29 Prozent auf 19,9 bis 20,7 Milliarden US-Dollar.

Neue Anlagen schaffen Abhilfe in der Chipkrise

Wegen der hohen Nachfrage nach elektronischen Geräten waren Chips zu Zeiten der Pandemie lange sehr knapp. In etlichen Industrien – von der Solar- über die Autobranche bis zur Unterhaltungselektronik – bildeten sie den Flaschenhals, der die weitere Produktion begrenzte. Doch viele Chiphersteller haben mittlerweile neue Fabriken hochgezogen, die das Angebot vergrößern. Zudem fahren Verbraucher ihre Ausgaben zurück, um in Zeiten der Inflation das Geld beisammen zuhalten.

TSMC fertigt Halbleiter unter anderem für Großkunden wie den Elektronikriesen Apple sowie die Chipkonzerne Nvidia und AMD. Vom Ausbau der Anlagen bei den Chipfertigern profitieren unter anderem die Branchenzulieferer wie ASML aus den Niederlanden und Aixtron aus Deutschland.

Börsenwert der Chiphersteller bricht ein

An den Börsen geht es mit den Kursen für die Chiphersteller schon seit längerem bergab. So sank der Börsenwert von TSMC seit Januar von noch mehr als einer halben Billion Dollar auf nur noch rund 332 Milliarden Dollar. Nach der Ankündigung zur Investitionskürzung legte die TSMC-Aktie  am Donnerstag mehr als 2 Prozent zu.

Andere Unternehmen hat es aber noch schlimmer erwischt. So schrumpfte die Marktkapitalisierung von Nvidia von fast 900 Milliarden Dollar im November 2021 auf zuletzt nur noch 286 Milliarden Dollar. Für den Aktienkurs von Infineon ging es seit dem Jahreswechsel um mehr als 40 Prozent bergab.

dri/dpa-afxp, Reuters
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