Samstag, 20. Juli 2019

Trotz höherer EEG-Umlage Strompreis bleibt für die meisten Deutschen stabil

Preisschock bleibt aus: Vergleichsweise wenige Stromversorger verlangen zum Jahreswechsel mehr Geld

Trendwende an der Strompreisfront: Obwohl die EEG-Umlage zum Jahreswechsel deutlich steigt, erhöhen die meisten Versorger ihre Tarife nicht. Offenbar profitieren die Endkunden endlich davon, dass die Preise an der Strombörse sinken.

Hamburg - Trotz steigender Kosten für die Ökostrom-Förderung bleibt der Strompreis für die meisten Deutschen zum Jahreswechsel stabil. Lediglich 292 von 848 Grundversorgern heben die Tarife an, wie das Verbraucherportal Verivox für manager magazin online errechnet hat.

Betroffen sind Gebiete mit 8,44 Millionen Haushalten. Für sie erhöht sich der Preis nach Verivox-Angaben um durchschnittlich 3,4 Prozent. Insgesamt gibt es in Deutschland gut 40 Millionen Haushalte. Versorger hatten bis zum 20. November Zeit, Preiserhöhungen für den Jahreswechsel anzumelden.

Neun Anbieter senken den Stromtarif - im Schnitt um 2,5 Prozent. In den Genuss fallender Preise kommt ein Versorgungsgebiet mit gut einer Million Haushalten.

Hauptgrund für das moderate Vorgehen der Versorger ist offenbar der gefallene Börsenstrompreis. Elektrizität ist in den vergangenen Jahren deutlich billiger geworden, weil die Konjunktur lange Zeit geschwächelt hat, die Unternehmen also vergleichsweise wenig Strommengen für ihre zurückgefahrene Produktion gekauft haben. Zugleich fluten wachsende Mengen Ökostrom den Markt.

Da sich die Versorger oft weit im Voraus mit Strommengen eindecken, kommt der Preisvorteil erst mit Verzögerung bei den Kunden an.

Kommt die Preiserhöhung mit Verzögerung?

Dass die zum Jahreswechsel auf 6,24 Cent pro Kilowattstunde steigende EEG-Umlage nicht vollständig weitergegeben wird, sei auch "auf gesunkene Beschaffungspreise zurückzuführen", sagte Jan Lengerke, Mitglied der Geschäftsleitung bei Verivox, gegenüber manager magazin online. Zudem sind die Netzentgelte nicht bundesweit deutlich gestiegen - anders als lange erwartet.

Vergleichsweise viele Kunden sind in Nordrhein-Westfalen von Strompreiserhöhungen betroffen. "Dort erhöht mehr als jeder zweite Grundversorger seine Stromtarife, während im Saarland nur zwei von 18 Grundversorgern an der Preisschraube drehen", heißt es beim Vergleichsportal Check24.

Zum Jahreswechsel 2012/13 hatten laut Verivox 745 Versorger den Strompreis um durchschnittlich 12 Prozent angehoben. Betroffen war ein Gebiet mit gut 30 Millionen Haushalten. Damals war die Ökostrom-Umlage etwas stärker gestiegen als nun. Einzelne Versorger hatten ihre Preise um mehr als 20 Prozent angehoben.

Denkbar ist laut Strommarktexperten allerdings, dass einige Versorger ihre Tarife mit Verzögerung erhöhen, um zum Jahreswechsel gut in den Vergleichstabellen abzuschneiden. Zwar haben große Versorger wie EnBW und Vattenfall Europe Börsen-Chart zeigen angekündigt, die Preise bis Ende 2014 stabil zu halten. Stromkunden sollten dennoch wachsam bleiben. "Private Verbraucher und Gewerbekunden können sparen, wenn sie die Preisunterschiede zwischen den unterschiedlichen Stromversorgern nutzen und den Anbieter wechseln", sagt Lengerke.

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung