Bund bürgt für Lieferung, aber ... Schlechtes Wetter bedroht LNG-Pläne an Nord- und Ostsee

Der Bund garantiert einen Deal des Energiehändlers Trafigura zur Lieferung von Flüssigerdgas an das deutsche Unternehmen Sefe. Die Pläne, noch in diesem Monat mit der Einfuhr von LNG zu beginnen, drohen jedoch am Wetter zu scheitern.
Wetterprobleme: LNG-Terminalschiff "Neptun" Ende November bei der Ankunft in Mukran an der Ostsee

Wetterprobleme: LNG-Terminalschiff "Neptun" Ende November bei der Ankunft in Mukran an der Ostsee

Foto: CHRISTIAN MORGENSTERN / AFP

Deutschland unternimmt weitere Anstrengungen, um Flüssigerdgas (LNG) zu importieren und so russische Gaslieferungen teilweise zu ersetzen. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums garantiert der Bund einen Deal des Energiehändlers Trafigura zur Lieferung von LNG an das deutsche Unternehmen Sefe. Die Kreditgarantie sei bereits im Oktober übernommen worden, hieß es am Montag auf Anfrage. Details zur Garantiehöhe und zum Liefervertrag nannte das Ministerium mit Verweis auf "Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse" zunächst nicht.

Trafigura teilte mit, von einem Bankenkonsortium ein vierjähriges Darlehen über drei Milliarden Dollar (2,8 Milliarden Euro) zu erhalten. Dieses werde zum Teil durch eine Garantie des Bundes abgesichert. Über die Kreditgarantie hatte zuerst die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Trafigura hatte bereits im Oktober eine Garantie des deutschen Staates für die Lieferung von Metallen erhalten. Damals ging es nach Angaben des Konzerns um 800 Millionen Dollar mit einer Laufzeit von fünf Jahren.

Rohstoffimportvertrag für Kredit notwendig

Laut Wirtschaftsministerium soll mit solchen Krediten die Rohstoffversorgung der deutschen Wirtschaft unterstützt werden. "Dazu wird eine Garantie des Bundes zugunsten einer Bank übernommen, die einem ausländischen Unternehmen einen Kredit zur Durchführung eines Rohstoffvorhabens oder zur Unterstützung seiner allgemeinen Geschäftstätigkeit gewährt." Voraussetzung sei der Abschluss eines langfristigen Rohstoffimportvertrages mit einem deutschen Unternehmen.

In Deutschland werden gerade mit Hochdruck LNG-Terminals gebaut, um das ausbleibende russische Pipeline-Gas zu ersetzen. Hintergrund ist ein Lieferstopp durch den Staatskonzern Gazprom. Dessen Tochter Gazprom Germania heißt inzwischen Securing Energy for Europe (Sefe). Im November hatte der Bund angekündigt, das Unternehmen zu verstaatlichen. 

Deutschlands Pläne, noch in diesem Monat mit der Einfuhr von Flüssigerdgas zu beginnen, drohen jedoch durch das Wetter zu scheitern, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Starker Wind, eisige Temperaturen, hohe Wellen – oder eine Kombination davon – haben bereits einige Arbeiten an den ersten Terminals unterbrochen und könnten einige der Projekte, die bis Ende des Jahres anlaufen sollen, verzögern.

Wetterlage könnte Lieferungen teils verhindern

Drei Importanlagen, deren Arbeiten bereits weiter fortgeschritten sind, sollen eine Kapazität von etwa 20 Milliarden Kubikmetern LNG pro Jahr schaffen – das entspricht mehr als 40 Prozent des russischen Gases, das Deutschland im Jahr 2021 importierte. Je länger es dauert, bis diese Anlagen in Betrieb genommen werden, desto stärker ist Deutschland im Winter gefährdet, wenn der Heizbedarf steigt und zusätzliche Lieferungen erforderlich werden.

"Es gibt einen Faktor, der für uns derzeit einfach unberechenbar ist: das Wetter. Das könnte der Hauptgrund für eine mögliche Verzögerung sein", sagte der Vorstandsvorsitzende von Uniper, Klaus-Dieter Maubach (60), dessen Unternehmen ein LNG-Terminal im Nordwesthafen von Wilhelmshaven baut, diese Woche. "Aber wir sind immer noch zuversichtlich, dass wir den Bau des Projekts in diesem Jahr abschließen können."

Bei der privat betriebenen Anlage in Lubmin kam es nach Angaben des Betreibers bereits zu Verzögerungen aufgrund des rauen Wetters. Ein schwimmendes Terminal mit dem Namen "Neptun" hat zwar kürzlich den Hafen von Mukran in Deutschland erreicht, aber die Verschiffung zu seinem endgültigen Bestimmungsort in Lubmin wird von einer Verbesserung des Wetters abhängen.

Weitere Verzögerungen möglich

"Das Wetter spielt bei einem Offshore-Projekt immer eine nicht unerhebliche Rolle – vor allem im Winter", sagt Stephan Knabe, Aufsichtsratsvorsitzender des Betreibers Deutsche ReGas. "Das bedeutet, dass bei zu starkem Wind und zu hohem Wellengang die Arbeiten am Schiff – auch im Hafen von Mukran – nicht durchgeführt werden können und die Neptun auch nicht in den Zielhafen in Lubmin überführt werden kann."

Das Projekt mit einer Kapazität von 5,2 Milliarden Kubikmetern sollte ursprünglich Anfang Dezember beginnen. Die notwendigen Komponenten und alle infrastrukturellen Voraussetzungen sind inzwischen vorhanden, aber laut Deutsche ReGas sind "weitere Verzögerungen nicht auszuschließen."

mje/ dpa
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