Mittwoch, 22. Mai 2019

Stromerzeugung Texas, das gelobte Land der Windenergie

Windpark-Bau in den USA: Texas ist weltweit eine der wichtigsten Regionen für die alternative Stromerzeugung

Texas ist längst nicht mehr nur ein Dorado der Öl- und Gasindustrie. Über weite Teile des Landes erstrecken sich gigantische Windfarmen. Der Ausbau setzt sich rasch fort, auch Eon ist dabei. Dabei gelingt den Amerikanern manches besser als den Deutschen bei ihrer Energiewende.

Hamburg - Zwei Dinge zeichnen die nördlichste Region des US-Bundesstaates Texas aus: Nirgendwo in den USA sind die Republikaner bei Wahlen so stark wie im Panhandle (Pfannenstiel) und nirgendwo weht der Wind so stark und zuverlässig wie in diesem recht verlassenen Landstrich.

Letzteres Phänomen hat den Panhandle in den vergangenen Jahren erheblich verändert. Gigantische Windfarmen erstrecken sich über die Felder, und ihre Zahl wächst. Auch dank der guten Bedingungen im Norden hat sich Texas zu einem der wichtigsten Windkraftgebiete der Welt entwickelt.

Die installierte Leistung der Anlagen summiert sich auf etwa 13.000 Megawatt (das entspricht etwa zehn Atomkraftwerken). Windenergie deckte in diesem Jahr bisher mehr als 10 Prozent des Strombedarfs in Texas, das ist mehr als in Deutschland und schon eine bedeutendere Energiequelle als die Atomkraft.

In Texas läuft bei der Windenergie manches anders als in Deutschland

Allerdings läuft in Texas manches anders als in der Bundesrepublik, die sich selbst als weltweiten Energiewende-Vorreiter betrachtet. Noch stärker steht Texas vor der Herausforderung Strom aus den Regionen, in denen er produziert wird dorthin zu bringen wo er verbraucht wird - vor allem Houston, Dallas und Austin.

Nachdem in den vergangenen Jahren Windräder vielfach abgeklemmt wurden, weil die Netze mit der Menge überlastet waren, soll nun alles besser werden. In diesem Jahr hat Texas ein Netz von Höchstspannungsleitungen fertiggestellt, das die Elektrizität ohne große Verluste durch den Bundesstaat transportieren soll. Texas könnte damit zum Lehrbeispiel für die gesamte USA werden, urteilt die "New York Times".

Die Eckdaten des neuen Netzes sind monumental: 3600 Meilen neue Netze, Kosten in Höhe von sieben Milliarden Dollar. Jeder Stromkunde bezahlt sechs Dollar extra im Monat. Doch Texas ist es die Sache wert: Jetzt ist der Weg frei für einen Strommix, in dem Kohle Stück für Stück von Gas und erneuerbaren Energien ersetzt wird.

Windenergie ist inzwischen die billigste Form der Stromerzeugung

Zudem ist die Produktion von Windstrom in den USA inzwischen die billigste Form der Stromerzeugung - den richtigen Standort vorausgesetzt. Das senkt die Stromkosten um mehr als die sechs Dollar Extra-Netzkosten, argumentieren laut "Times" die Befürworter des Windbooms.

Erst das Netz, dann die Windräder - dieses Rezept scheint sich auszuzahlen. "Wir haben das Netz gebaut, und nun kommen weitere Windfarmen", zitiert die Times einen Manager der texanischen Stromnetzgesellschaft. Projekte mit weiteren 7000 Megawatt sind derzeit im Bau.

Der Bau der Stromleitungen ließ sich im dünn besiedelten Texas vergleichsweise leicht durchsetzen. Treiber waren große Investoren (auch der Düsseldorfer Versorger Eon Börsen-Chart zeigen ist stark vertreten) sowie Bauern, die ihr Land verpachten und Gemeinden, die sich über steigende Steuereinnahmen freuen.

Übertragbar auf andere Regionen der USA ist das texanische Modell aber offenbar nicht ohne weiteres. Meistens sind mehrere Bundesstaaten an der Planung neuer Netze beteiligt. Und die Auseinandersetzung über den Bau der Leitungen kann viele Jahre dauern. Ein Phänomen, das auch in Deutschland nicht unbekannt ist.

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