Elon Musks Vertrauter blitzt in Deutschland ab Bayerischer Mittelständler wehrt Angriff aus dem Tesla-Reich ab

Produktion bei Sonnen: Die Türen für Elon Musk und seine Freunde bleiben zu

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Tesla-Chef Elon Musk hat in Deutschland bisher wenig Glück: Der Elektroauto-Pionier verkauft nicht so viele Autos wie ursprünglich erhofft; von der 4000-Euro-Subvention sind seine Fahrzeuge ausgeschlossen. Und jetzt ist Musks Netzwerk nach Informationen von manager-magazin.de mit einem Übernahmeversuch in Bayern gescheitert.

Das Projekt lief über den Musk nahestehenden Fonds Valor Equity Partners, die der Tesla-Aufsichtsrat und enge Musk-Vertraute Antonio Gracias kontrolliert. Der Fonds hatte in der ersten Jahreshälfte mit dem mittelständischen Batteriespeicher-Spezialisten Sonnen wegen eines möglichen Einstiegs Kontakt. Doch die Firma mit Sitz in Wilpoldsried (Allgäu) ließ die Amerikaner offenbar abblitzen.

Valor teilte auf Anfrage mit, man habe von einem Finanzberater eine Anfrage wegen einer möglichen Teilnahme an einer Kapitalerhöhung von Sonnen erhalten, zu diesem Thema habe es aber keine Verhandlungen gegeben. Sonnen ließ eine Anfrage unkommentiert. Tesla teilte mit, man selbst habe niemals die Absicht gehabt, das bayerische Unternehmen zu übernehmen und auch nicht dort vorgefühlt.

Sonnen ist ein kleiner, aber unangenehmer Wettbewerber von Tesla. Das Unternehmen bezeichnet sich als Marktführer im Geschäft mit großen Lithium-Ionen-Akkus für den Hausgebrauch. Mit ihnen speichern Immobilienbesitzer selbst erzeugten Solarstrom und nutzen ihn, wenn die Sonne nicht scheint. Auf diese Weise lässt sich zunehmend Geld gegenüber einem normalen Stromversorgungstarif sparen.

Dieses Geschäftsmodell außerhalb des klassischen Elektroauto-Baus hat inzwischen auch Tesla  für sich entdeckt. Die Kalifornier beobachten die Expansion des Mittelständlers deshalb genau.

Teslas Hausspeicher-Projekt kommt nicht recht in Fahrt

Bereits im Frühjahr 2015 hatte Musk eine eigene Hausbatterie präsentiert, die so genannte Powerwall. Die Sparte Tesla Energy soll die Akkus weltweit zum Niedrigpreis verkaufen, so sauberer Energie zum Durchbruch verhelfen und dem Unternehmen steiles Wachstum bescheren. In diesem Zusammenhang hat Tesla auch die kalifornische Photovoltaik-Firma Solar City übernommen, an der Musk bereits zuvor beteiligt war.

Hergestellt werden die Tesla-Speicher bereits in der im Bau befindlichen Batterie-Gigafactory in Nevada. Dort will das Unternehmen auch Akkus für das Elektroauto Model 3 produzieren.

Doch das Projekt kommt nicht recht in Fahrt - obwohl bereits einige Tausend Speicher ausgeliefert und angeblich Zehntausende vorbestellt sind. Fachleute halten die erste Generation von Teslas Heimakku für technisch wenig innovativ.

Warum sich die Begeisterung über den US-Vorstoß in Bayern in Grenzen hielt

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Der ursprünglich genannte Niedrigpreis von 3000 Dollar beinhaltet zudem weder erforderliches Zubehör noch die Installation, weshalb der Speicher letztlich nicht billiger ist als Produkte der Wettbewerber. Im Internet kursieren Gesamtpreise von 8000 bis 9000 Euro. Ende des Jahres bringt Tesla ein Folgemodell auf den Markt, das den hohen Erwartungen besser gerecht werden soll.

Jedenfalls suchen die Kalifornier händeringend nach Know-how, damit die Sparte endlich durchstartet. Doch bei Sonnen (vormals "Sonnenbatterie") hielt sich die Begeisterung über den für Tesla potenziell hilfreichen Vorstoß in Grenzen.

Und so endete der Austausch mit dem an Tesla beteiligten Finanzinvestor Valor, bevor überhaupt alle Fakten auf dem Tisch lagen. Die Bayern verspürten offenbar wenig Lust, dem US-Konzern oder seinen Mittelsmännern Details über das eigene Können offenzulegen.

Valor-Chef Gracias ist einer der wichtigsten Strippenzieher inmitten eines dichten Finanznetzwerks  rund um die Musk-Firmen Tesla, Solar City und SpaceX sowie deren Geldgebern. Elon Musk selbst bezeichnet Valor als "strategischen Partner".

Sonnen konkurriert damit weiterhin mit Tesla, wie auch zahlreiche weitere deutsche Anbieter. Dazu zählen Varta, E3/DC, Hoppecke oder Senec. BMW-Großaktionär Stefan Quandt greift mit seiner Beteiligung Solarwatt an. Auch Autohersteller wie Daimler sind auf dem Markt inzwischen aktiv. Die Energieversorger RWE und Eon mischen ebenfalls mit.

Experten: Tesla macht Hausbatterien für breites Publikum attraktiv

Die gesamte Branche blickt gespannt auf Teslas weiteres Vorgehen. Viele Manager und Experten trauen den Amerikanern zu, Hausbatterien für ein breites Publikum attraktiv zu machen und die Preise radikal zu senken. "Schon jetzt müssen praktisch alle Anbieter ihre Speicher verbilligen, um künftig mit Tesla mitzuhalten", heißt es bei einem Unternehmen, das Batterien vertreibt.

Sonnen muss nun zunächst weiter aus eigener Kraft dagegen halten. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr knapp 30 Millionen Euro erlöst und will den Umsatz jedes Jahr verdoppeln. Die Firma ist bereits in den USA aktiv und hat sich das Image eines bedeutenden Tech-Startups erarbeitet: Zuletzt schafften es die Allgäuer auf Platz 28 der Liste der innovativsten Firmen der Welt  des Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Im Juni war der US-amerikanische Industrieriese General Electric  (GE) über seine Wagniskapital-Tochter bei Sonnen eingestiegen. Gemeinsam werde es möglich sein, neue, dezentrale Geschäftsmodelle im Bereich der Energieversorgung zu etablieren, hieß es damals bei Sonnen.

GE rüstet sich mit dem Einstieg auch gegen Teslas Vormarsch im Energiegeschäft. Schließlich will Elon Musk auch Versorger und Netzbetreiber mit seinen Batterien bedienen. Damit würde er tief im Geschäftsbereich des Siemens-Konkurrenten wildern.

Nach dem geplatzten Deal mit dem Tesla-Anteilseigner bleibt Sonnen somit in den Händen einer recht bunten Schar von Investoren. Dazu gehören - neben GE - die Unternehmensgründer um Firmenchef Christoph Ostermann, der tschechische Stromversorger CEZ sowie einige Fonds.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Beitrags hieß es, Valor habe eine Anfrage unkommentiert gelassen. Inzwischen hat Valor sich geäußert, den Kommentar haben wir eingefügt.