Tesla übernimmt Solarcity Elon Musks Vetternwirtschaft - Milliarden für die Firma der Cousins

Muss sein, findet Elon Musk, Großaktionär von Tesla und Solarcity

Muss sein, findet Elon Musk, Großaktionär von Tesla und Solarcity

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Der Elektroautobauer Tesla will die Solarfirma Solarcity für mindestens 2,6 Milliarden Dollar kaufen. Das Unternehmen des bekannten Tech-Milliardärs Elon Musk teilte am Dienstag nach US-Börsenschluss mit, eine Offerte zwischen 26,50 und 28,50 Dollar pro Solarcity-Aktie abgegeben zu haben.

Daraus würde sich ein Kaufpreis von ungefähr 2,6 bis 2,8 Milliarden Dollar (2,5 Milliarden Euro) ergeben. Das entspricht laut Tesla einem Aufschlag von 21 bis 30 Prozent auf den Schlusskurs von Montag. Tesla will den Betrag in eigenen Aktien bezahlen.

Die Unternehmen sind bereits eng verbunden. Elon Musk ist mit 22 Prozent der Anteile größter Aktionär von Solarcity und Vorsitzender des Verwaltungsrats. Geführt wird die Firma von seinen Cousins Lyndon Rive als CEO und Peter Rive als Technikvorstand. Die Idee zur Gründung 2006 kam von Musk selbst.

Durch die Übernahme könnten die Solaranlagen von Solarcity in Teslas Energiesparte eingegliedert werden. "Wir wären in der Lage, die Kernkompetenzen beider Unternehmen zu maximieren und auszubauen", schrieb das Tesla-Management im Firmen-Blog.

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Nach der Autoindustrie will Tesla auch den Energiemarkt aufmischen. Seit vergangenem Jahr bietet das Unternehmen Stromspeicher für Haushalte und Unternehmen an. Ende Juli will Tesla eine riesige, "Gigafactory" genannte Batteriefabrik in Nevada eröffnen. Das Projekt ist ein wichtiger Baustein der langfristigen Strategie, in größerem Stil Elektroautos für den Massenmarkt zu fertigen.

Musks Zukunftsvision: "In fünf Minuten sind Sie fertig"

Mit dem Namen "Gigafactory" wurde auch ein vor zwei Jahren verkündetes Projekt von Solarcity versehen. Das Unternehmen baut (auf Staatskosten) in Buffalo im US-Staat New York die größte Solarmodulfabrik Amerikas. Die Massenproduktion soll die Kosten so weit drücken, dass die Technik für die meisten Haushalte wirtschaftlich wird, und so einen Nachfrageboom auslösen. Zuletzt musste Lyndon Rive allerdings den Produktionsstart um ein halbes Jahr auf Sommer 2017 verschieben.

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Bisher ist das Geschäftsmodell der Firma eher auf die Projektierung, den Bau und teilweise den Betrieb (oder die Vermietung) von Solaranlagen fokussiert, deren Module von anderen Herstellern bezogen werden. Solarcity betreibt auch manche der Schnellladesäulen ("Supercharger") für Teslas Elektroautos - und nutzt Tesla-Batterien als Speicher für ein auf Hawaii geplantes Solarkraftwerk.

Solarcity kündigte in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC an, Teslas Angebot sorgfältig prüfen zu wollen. Angesichts der engen Verflechtungen der Unternehmen wäre es überraschend, wenn der Deal nicht zustande käme. Eine Querfinanzierung ist in Musks Firmenreich gang und gäbe. Sein nicht börsennotiertes Raumfahrtunternehmen SpaceX half Solarcity im vergangenen Jahr mit Anleihenkäufen von mehr als 100 Millionen Dollar aus.

Heftige Reaktionen an der Börse

Die Verbindung von Tesla und Solarcity ergibt unternehmerisch schon mehr Sinn. Musk selbst sprach von einem "No-brainer". Zukünftig solle ein Tesla-Laden alle Energiebedürfnisse der Kunden erfüllen, zitiert ihn "CNN Money" - von der Stromerzeugung über die Speicherung bis zur Mobilität. "In fünf Minuten sind Sie fertig", malte Musk seine Vision aus, "nahtlos und schmerzfrei. Das ist es, was die Leute wollen."

Am Mittwoch legte er mit einer zweiten Telefonkonferenz nach, um Analysten und Investoren zu überzeugen. Darin erhob er den Deal sogar zum Beitrag zur "Rettung der Erde".

Beide Unternehmen schreiben rote Zahlen. Zusammen haben Tesla und Solarcity im vergangenen Jahr fast fünf Milliarden Dollar an Cash verbrannt, rechnet das "Dealbook" der "New York Times" vor .

Bei Anlegern sorgte das Übernahmeangebot für heftige Reaktionen. Während die Aktien von Solarcity  nur vorübergehend um über 20 Prozent stiegen, ging es für die Tesla-Papiere zeitweise um mehr als 12 Prozent nach unten. Die Solarcity-Aktie blieb jedoch klar unter dem Preis des Übernahmeangebots und fiel schließlich sogar wieder unter den Schlusskurs von Dienstag zurück. Die Analysten von Credit Suisse geben dem Deal eine Chance von "unter 40 Prozent".

Seit Jahresbeginn hat die Aktie von Tesla  - eigentlich über Jahre ein hochgehandelter Liebling der Wall Street - trotz großer Euphorie um den Ende März vorgestellten Mittelklasse-Stromer "Model 3" rund 8,5 Prozent eingebüßt.

Mit der Solarcity-Aktie geht es schon länger abwärts. Im Jahresverlauf sank der Kurs bis zu Teslas Übernahmeangebot um 57 Prozent. Die Branche steht zwar vor dem kommerziellen Durchbruch, hat aber zugleich mit Preisverfall und hohen Investitionskosten zu kämpfen. Sunedison, einer der größten Wettbewerber, meldete im April Insolvenz an. Dieses Schicksal dürfte Elon Musks Solarfirma unter dem Dach von Tesla zumindest vorerst erspart bleiben.

Wegen des offensichtlichen Interessenkonflikts will sich Musk übrigens in beiden Aufsichtsräten der Stimme enthalten.

Video: Elon Musk verstehen - in 60 Sekunden

manager-magazin.de/Wochit
ak/soc/dpa-afx
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