Schlammschlacht bei Tata Wie sich der indische Industrieriese Tata selbst zerlegt

Ratan Tata: Der indische Unternehmer hat sich im Famiien-Konglomerat zurück an die Macht geputscht

Ratan Tata: Der indische Unternehmer hat sich im Famiien-Konglomerat zurück an die Macht geputscht

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Cyrus P Mistry: Der gefeuerte Tata-Sons-CEO will nicht kampflos aufgeben

Cyrus P Mistry: Der gefeuerte Tata-Sons-CEO will nicht kampflos aufgeben

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In Indien ist Tata ein bestens bekannter Haushaltsname. Von Tee über Autos, Versicherungen, Immobilien bis hin zum Stahl- und Energiegeschäft gibt es nur wenige Geschäftssegmente, in denen Indiens größtes Industriekonglomerat nicht mitmischt. Mehr als 660.000 Beschäftigte verdienen dort ihr Geld. Rund 30 börsennotierte Unternehmen sind aus dem Firmengeflecht mit dreistelligem Milliardenumsatz hervorgegangen. Und auch in Deutschland ist der Mischkonzern mittlerweile vielen bekannt - seit Thyssen-Investor Cevian ganz offen mit einer Fusion der Stahlsparte von Thyssen mit Tata Steel liebäugelt. Doch aktuell wird der indische Vorzeigekonzern von einer Schlammschlacht erschüttert, deren Auswirkungen bis ins ferne Deutschland reichen könnten.

Offensichtlich wurde der Konflikt am Montag vergangener Woche. Damals wurde überraschend bekannt, dass CEO Cyrus P. Mistry, der seit 2012 als erster familienfremder Manager über die Geschicke von Tata Sons lenkte, gehen muss. Tata Sons ist die Beteiligungsgesellschaft, über die die indische Familie Tata mit ihren Trusts ihre Zweidrittelmehrheit an den meisten Unternehmungen des Mischkonzerns hält. Weitere rund 18 Prozent gehören Mistrys Clan, der damit nicht nur Ex-CEO, sondern mit seiner Familie auch zweitgrößter Anteilseigner ist.

Die Nachricht schlug in Indien ein wie eine Bombe. Den Posten des in Ungnade gefallenen Mistry übernahm vorübergehend der 78-Jährigen Ratan Tata selbst, der nach mehreren Jahren an der Konzernspitze eigentlich bereits 2012 seinen Abschied vom Top-Management genommen hatte. Doch das war erst der Anfang. In den Folgetagen entspann sich eine Schlammschlacht, die mittlerweile nicht nur den Ruf, sondern auch das Rating einzelner Konzerntöchter in Mitleidenschaft gezogen hat.

Denn der gefeuerte Mistry ging nicht still und leise, sondern wehrte sich in einem Brief an den Verwaltungsrat lautstark gegen seine Absetzung.

Verschleierte Altlasten in Milliardenhöhe?

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Thyssen, Tata oder der unbekannte Dritte: Das Endspiel für Europas Stahlindustrie

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Die Vorwürfe haben es in sich. Mistry warf Tata vor, in einigen Geschäftsbereichen Abschreibungen in Höhe von umgerechnet rund 16 Milliarden Euro zu verschleiern, die noch aus den Zeiten vor seinem Amtsantritt stammten. Zu den Problembereichen zählte Mistry neben den Energieaktivitäten und dem Hotel- sowie Telekomgeschäft auch die Stahlsparte, über deren mögliche Zusammenlegung mit der Thyssen-Sparte immer wieder spekuliert worden war.

Zudem habe ihm Tata immer wieder dazwischengefunkt und beispielsweise trotz Verlustgeschäften an dem Ultra-Billigauto Nano festgehalten, das noch unter der Ägide des heute 78-Jährigen an den Start gegangen war. Das Unternehmen selbst warf Mistry indes wiederholte unternehmerische Fehlentscheidungen und unabgesprochenes, eigenmächtiges Handeln vor.

Darüber, welche Gründe tatsächlich und ausgerechnet jetzt zum Ausbruch des Streits bei Tata führten, wird in indischen Medien eifrig spekuliert. Unter anderem darüber, dass Tata den unliebsamen Investor am liebsten aus dem Konzern rausdrängen will.  Kontakt zu möglichen Investoren soll er bereits aufgenommen haben.

Stahltochter leidet bereits

Für Tata selbst und damit auch für Anteilseiger Mistry hat die Schlammschlacht schon jetzt Konsequenzen. So schauen sich angesichts des schwelenden Investoren-Streites und der im Raum stehenden Anschuldigungen des CEO bereits erste Agenturen ihre Ratings von Tata Unternehmen noch einmal an - eine erste Korrektur bei Tata Steel  gab es schon. Und auch in der Politik wurden bereits Rufe nach eineroffiziellen Untersuchung der Vorwürfe und der Unternehmenszahlen laut.  

Zudem scheint sich Mistry bislang zu weigern, auch seine Führungsposten in den einzelnen Unternehmen des Konzerns aufzugeben . Eine Haltung, die die Geschäfte zusätzlich lähmen könnten. Wie es mit dem Familienbusiness weiter gehen soll, will der alte neue Tata-CEO nun Mitte November auf einem internationalen Investorengipfel  vorstellen. Ein Termin den ursprünglich noch Mistry auf die Agenda gesetzt hatte, um seine Strategie zu rechtfertigen.

Dazu angemeldet haben sich bereits mehrere Staatsfonds sowie Investoren wie Fidelity. Ein Termin, der auch in Essen und beim Thyssen-Investor Cevian genau verfolgt werden dürfte.

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