Dienstag, 2. Juni 2020

Branche kritisiert Förderdeckelung, aber ... Superwetter beschert Deutschland Solarenergie-Rekord

Bau einer Solaranlage in Bayern: Die neuen Energien sollen die Kohlekraft langfristig aus dem deutschen Energiemix verdrängen.

Der wolkenlose Himmel sowie der weitere Ausbau der Solarenergie in Deutschland haben am Montag zu einem neuen Rekord der Energieerzeugung mit Sonnenkraft geführt. So wurden zu Wochenbeginn mit Solaranlagen binnen 24 Stunden 32.227 Megawatt an elektrischer Leistung produziert, womit der bisherige Rekord vom 23. März übertroffen worden sei, berichtet Bloomberg.

Der Anteil der Solarenergie am Energiemix stieg damit am Montag auf 40 Prozent. Kohle und Atomkraft kamen demnach auf 22 Prozent.

Ohnehin jagen Sonnenenergie und andere grüne Quellen den alten Energieträgern immer mehr Marktanteile ab. Bis 2038 soll der Anteil der neuen Energien am gesamten Energiemix Deutschlands laut Bundesregierung auf 80 Prozent steigen. Bislang beträgt der Anteil etwa 40 Prozent. Kohlekraft soll über kurz oder lang vollständig abgelöst werden.

Experten zufolge wird sich am Höhenflug der Solarkraft in nächster Zeit kaum etwas ändern, denn das Wetter in Deutschland soll vorläufig unverändert sonnig bleiben. "Es ist kaum eine Wolke über Deutschland", zitiert Bloomberg einen Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD). "Ein Hochdruckgebiet über Skandinavien wird mindestens bis Freitag dafür sorgen, dass es so bleibt."

Der Rekord vom Montag kommt allerdings nicht überraschend. Allein der stetige Ausbau der Kapazitäten sorgt dafür, dass Jahr für Jahr im Sommer regelmäßig neue Höchstwerte erzielt werden. Hinzu kommt, dass durch den wirtschaftlichen Lockdown aufgrund der Corona-Krise sowie die geringe Zahl in der Luft befindlicher Verkehrsflugzeuge die Luftverschmutzung reduziert wird. Auch das trage zum hohen Output an Solarenergie bei, sagt eine Expertin von BloombergNEF.

Die Stimmung bei deutschen Solarunternehmen verbessert das allerdings offenbar kaum. Im Gegenteil: Die Geschäftserwartung der Branche sei in den letzten Wochen "massiv eingebrochen", teilte der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) mit. Als Grund hätten die Unternehmen den Förderdeckel bei 52 Gigawatt installierter Leistung genannt, der in diesem Jahr erreicht werden dürfte - trotz zahlreicher Zusagen der Bundesregierung, den Deckel zu heben, besteht die Regelung weiterhin.

"Eine vergleichbare Eintrübung in so kurzer Zeit haben wir nie zuvor beobachten können", sagte BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Immer mehr Solarunternehmen gerieten in Existenzangst. Die häufigste genannte Ursache sei der Solardeckel, während sich das neuartige Coronavirus bislang "kaum dämpfend" auf die Nachfrage nach Solarstromanlagen auswirke.

Schon jetzt platzen immer mehr große Solardach-Projekte, die nicht mehr rechtzeitig ans Netz gehen könnten. Der sogenannte Geschäftserwartungsindex des BSW fiel demnach vom vierten Quartal 2019 auf das erste Quartal dieses Jahres von rund 141 Punkten auf rund 69 Punkte.

Dass die Deckelung der Solarförderung aufgehoben werden soll, ist in der schwarz-roten Koalition eigentlich Konsens. Das wird aber vor allem von Unionspolitikern an einen Kompromiss zum Mindestabstand von 1000 Metern zwischen Windrädern und Wohnhäusern geknüpft - und in diesem Streit geht es in der Corona-Krise nicht voran.

mit dpa

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